Jahrelang dümpelte der „Freundeskreis des Museums Starnberger See“ vor sich hin. Als jedoch Ende 2023 im Starnberger Stadtrat offen über eine Schließung des ehemaligen Heimatmuseums aus Kostengründen diskutiert wurde, gingen die Mitglieder auf die Barrikaden: Die beiden Vereinsvorsitzenden Annette von Czettritz und Martina Neubauer stellten sich mit Plakaten behängt auf den Samstagsmarkt am Kirchplatz und sammelten in kürzester Zeit 2000 Unterschriften für die Rettung des Museums.
Aus der erfolgreichen Petition ging der Freundeskreis als eingeschworene Gemeinschaft hervor, die Mitgliederzahl hat sich seither auf gut 300 verdreifacht: „Obwohl es jetzt so viele sind, fühlt es sich an wie eine große Familie“, sagt die Starnberger Architektin Annette von Czettritz, die dem Verein seit 2019 vorsteht.

2014 hatte die damalige Leiterin des Museums, Frauke Oelbauer, die Gründung des Freundeskreises angestoßen, vor allem, um besondere Neuerwerbungen oder Veranstaltungen zu ermöglichen. Als Benjamin Tillig 2018 die Leitung des Museums übernahm und sich bald darauf mit der Entwicklung eines neuen Leitbilds sowie eines Museums-, Sammlungspflege- und Vermittlungskonzepts beauftragen ließ, stellte sich auch der Freundeskreis neu auf. Das Museum entwickelt sich seither weg vom klassischen etwas verstaubten Heimatmuseum hin zu einem offenen Begegnungsort für eine Stadtgesellschaft, die gleichwohl ihre Geschichte bewahrt.
Der Freundeskreis beteiligte sich auch an der Erstellung eines Konzepts, mit dem die Zukunft des Museums in finanziell schwierigen Zeiten gesichert werden sollte und das der Stadtrat schließlich ohne eine einzige Gegenstimme beschloss: Von Mai 2026 an wird es eine neue Dauerausstellung geben, in der die letzten Tage im Leben von König Ludwig II. beleuchtet werden. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren.
Nicht die Stadt, sondern der Freundeskreis sichert die notwendige Sockelfinanzierung für diese Ausstellung wie auch für die aktuellen Sonderausstellungen. Er kann deshalb zusätzliche Fördermittel beim Landkreis, beim Bezirk und beim Freistaat beantragen. Die zweite Vorsitzende Martina Neubauer, die für die Grünen im Kreistag und im Bezirkstag sitzt, sagt: „Es ist ein Vorteil, die richtigen Stellen zu kennen, wenn man auf Betteltour geht.“
50 000 Euro an Spendengeldern im Jahr
Der Museumsleiter nennt den Vorstand des Freundeskreises mittlerweile „sein Außenministerium“. Tatsächlich sind die beiden Vorsitzenden und ihre Mitstreiter bestens in der Starnberger Stadtgesellschaft und darüber hinaus vernetzt. Mit immer wieder neuen Veranstaltungen und mit einem mittlerweile beinahe legendären Sommerfest macht der Verein erfolgreich auf seine Anliegen aufmerksam. Allein im Laufe dieses Jahres gingen deshalb fast 50 000 Euro an Spendengeldern ein, 25 000 Euro kamen von einer kunstinteressierten Starnberger Familie als Zeichen der Wertschätzung für die geleistete Arbeit und zur Absicherung künftiger Projekte.
Ebenfalls einen fünfstelligen Betrag erhielt der Verein von einem ehemaligen Starnberger, der heute in der Nähe von Mannheim lebt und einen Fernsehbeitrag über das von massiven Kürzungen bedrohte Museum gesehen hatte. Gerade konnte der Freundeskreis deshalb eine monumentale Skulptur des renommierten Künstlers Benedikt Hipp für das Museum ankaufen.

Neben dem Vorstand besteht der erweiterte Kreis von aktiven Mitgliedern aus rund 15 Menschen, die sich an der Organisation von Veranstaltungen beteiligen. Auch den Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Museums hat der Freundeskreis angestoßen, um die hohen Energiekosten zu senken. Bei aller Begeisterung sagt jedoch Martina Neubauer einschränkend: „Es gibt noch sehr viele Ideen, aber wir sind alle Menschen, die im wirklichen Leben noch etwas anderes zu tun haben. Ehrenamtliches Engagement hat auch Grenzen, irgendwann muss die Stadt Starnberg selbst wieder einsteigen.“
Anstieg der Besucherzahlen
Tatsächlich sorgt der vor Ideen sprudelnde Museumsleiter auch für einen rasanten Anstieg der Besucherzahlen. Eine Ausstellung über Oskar Maria Graf lockte im vergangenen Jahr so viele Menschen wie noch nie in das kleine Museum, das so bedeutende Schätze wie eine Heiligenfigur von Ignaz Günther oder das einzige vollständig erhaltene Boot der höfischen Flotte bewahrt. Mit großer Begeisterung wurde auch eine mehrtätige Lesung aus Oskar Maria Grafs Roman „Unruhe um einen Friedfertigen“ aufgenommen, mit der Museumsleiter und Freundeskreis vor der Bundestagswahl im März auf Parallelen zur Gegenwart aufmerksam machen wollten.
Die Ausstellung über König Ludwig II. wird für neue Besucherrekorde sorgen. Dann müsse es aber auch wieder mehr Personal und längere Öffnungszeiten im Museum geben, sagt Neubauer: „Es ist und bleibt ein städtisches Haus. Auf keinen Fall soll das Museum wieder wie nach seiner Gründung 1914 von einem Museumsverein und von Ehrenamtlichen geführt werden.“ Und von Czettritz ergänzt: „Die Stadt kann stolz darauf sein, was aus ihrem Museum geworden ist.“
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