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Immobilie:Das Geheimnis des Kanonen-Hauses von Starnberg

Andreas Sarow vor seinem verbarrikadiertem Haus; Blickfang an der Starnberger Hauptstraße

Der Künstler Andreas Sarow vor dem Haus an der Starnberger Hauptstraße.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Erst sollte der an der Hauptstraße geplante Neubau ein goldenes Dach bekommen, dann eine bronzefarbenes. Nun ist der Altbau umgestaltet worden.

Von Peter Haacke

Was hat es schon Aufregung gegeben um den geplanten Abriss und Neubau des Hauses in der Starnberger Hauptstraße 12: Ein goldfarbenes Dach, später abgeändert auf Bronze, soll das neue Gebäude bekommen - und löste im Bauausschuss im Vorjahr ausufernde Grundsatzdebatten über architektonische Geschmacksfragen aus. Zwar steht das alte Gebäude neben der Stadtbücherei noch immer, doch seit Montag ist es ein echter Hingucker: Hinter einem massiven, schwarzen Holzgitter scheint das blutorange illuminierte Haus zu glühen. Und aus den Dachfenstern ragen Kanonenrohre hervor. Wie eine Festung wirkt es, ein Kriegsschiff oder auch eine japanische Schatzkiste. Tatsächlich ist es ein temporäres Kunstprojekt, das Andreas Sarow ersonnen hat.

Nur vier Tage hat Sarow vergangene Woche gebraucht, um mit einem sechsköpfigen Team das Objekt mit dem schönen Namen "Die letzte Bastion" fertig zu stellen. Die Truppe arbeitete im Verborgenen, das Gebäude war von Planen verdeckt. Umso größer war in Starnberg am Montag die Überraschung, als die Hüllen fielen.

Es ist nicht das erste Kunstobjekt im öffentlichen Raum, das Sarow publikumswirksam realisiert. Der 44-Jährige aus Pforzheim plant seine Projekte oft in monatelanger Arbeit wie ein Bauvorhaben und verändert mit seinen Objekten die Architektur und deren Aussage. So errichtete er in seiner Heimatstadt einen 13 Meter hohen Käfig um ein kleines "bedrohtes Haus" und beleuchtete es Gelb. Das Gebäude wirkte fortan wie ein Kanarienvogel. Eine zum Verkauf stehende Villa verwandelte er - rein optisch und nicht ohne provokative Hintergedanken - in ein Bordell.

Die spektakulärste Aktion betraf jedoch eine Jugendstilvilla aus den 20er-Jahren, die er 2015 über Nacht von oben bis unten mattschwarz anstreichen ließ. Das zum Verkauf stehende, denkmalgeschützte Gebäude sah nun aus wie ein Geisterhaus. Das bescherte Sarow allerdings nicht nur bundesweite Aufmerksamkeit, sondern brachte ihm auch eine Klage des Denkmalamtes und ein saftiges Bußgeld ein: Erst im Mai diesen Jahres verurteilte ihn das Oberlandesgericht Karlsruhe zur Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von 10 000 Euro für die ungenehmigte Kunstaktion.

Damit ist in Starnberg nicht zu rechnen. "Die letzte Bastion" entstand mit Segen des Immobilien-Eigentümers Michael Mükusch, der sich auch finanziell beteiligt an dem Projekt. Die Kosten dafür bewegen sich laut Sarow im "fünfstelligen Bereich". Mükusch war vor zwei Jahren auf Sarow aufmerksam geworden und stellte ihm das zum Abriss stehende Gebäude in Starnberg vor. Die Installation, die acht bis zwölf Wochen lang Bestand haben soll, gilt Mükusch als kultureller Beitrag für Starnberg. "In unserem Geschäft geht es um Rentabilität, Investitionsrisiko und Zeit", erklärt Mükusch. "Für mich war es wichtig, auch andere Wege frei von kommerziellen Interessen zu gehen, um auch den bisherigen Werdegang der Immobilie zu würdigen." Das Haus an der Hauptstraße bekommt also noch einmal volle Aufmerksamkeit, bevor es bald ganz verschwindet.

© SZ vom 10.07.2019
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