Nein, Pfarrer ist er nicht geworden, auch kein Kaplan oder Diakon. Hans Raphael ist dennoch einer der wichtigsten Menschen für die katholische Pfarrei St. Maria in Starnberg: Der 63-Jährige ist seit 44 Jahren Mesner in der Kreisstadt – einer der dienstältesten in Bayern. Ob Kirchgänger oder nicht: Die Starnberger kennen ihn, sein Name ist eng verbunden mit der Pfarrei. Im Sport würde man vielleicht sagen, er sei der Zeugwart.
Und als solcher ist er in der Pfarrei weit mehr als ein guter Hausmeister, denn er ist verantwortlich für drei Kirchen im Starnberger Stadtgebiet – St. Maria am Kirchplatz, St. Joseph auf dem Schloßberg und St. Peter in Rieden –, die er morgens um sieben Uhr aufsperrt, damit Gäste und Gläubige sie besuchen können. Bis 17 Uhr bleiben die Gotteshäuser dann in der Regel geöffnet. Diese Arbeit gehört zu den augenfälligsten seiner täglichen Tätigkeiten. Der Ausdruck „täglich“ erscheint im Zusammenhang mit ihm durchaus angebracht, denn die wichtigsten Arbeitstage der Woche sind für ihn zweifellos die Wochenenden, wenn andere freihaben und er alles für die Sonntagsmessen vorbereiten muss. Von einem Sieben-Tage-Job kann man in seinem Fall getrost sprechen, weil er auch telefonisch stets erreichbar ist.
Nicht umsonst gilt der Mesner als „rechte Hand des Pfarrers“ und „als guter Geist des Gotteshauses“. Er ist zuständig für die Vorbereitung der Werktags- und Festgottesdienste und die Pflege des Kirchengebäudes mitsamt Inventar. Zu diesem gehören beispielsweise auch die Hoch- und Seitenaltäre, die je nach Anlass geschmückt werden müssen. Unter anderem auch dafür muss Raphael die Liturgie in der katholischen Kirche genau kennen. Und er lässt natürlich die Glocken läuten. Außerdem prüft er die Mikrofone und ist dafür verantwortlich, dass das richtige Messgewand des Pfarrers parat liegt oder bei Bedarf noch einmal aufgebügelt wird.
Was aber noch wichtiger ist: Raphael teilt auch die Dienste der Ehrenamtlichen im Gottesdienst ein – die Lektoren, Kommunionshelfer und Ministranten müssen schließlich wissen, wann sie gebraucht werden. Apropos Ministranten: In den besten Zeiten tummelten sich hier mehr als 100 „Minis“, wie die Ministranten in Starnberg liebevoll genannt werden. Markus Huber ist 53 und einer der Ex-Minis. Er erinnert sich nur allzu gern an jene Zeit. „Hans Raphael und die Sakristei, das war für uns das Jugendzentrum“, sagt er. „Wir sind unter dem damaligen Stadtpfarrer Konrad Schreiegg groß geworden. Er war sehr liberal“, erzählt er. „Seine Sakristei war unsere Schaltzentrale. Hier trafen wir uns, konnten mit Hans über viele Dinge reden. Unser heutiger Freundeskreis ist so entstanden.“
Die „Mini-Band“ spielte bei Festen auf
Gemeinsam fuhren die Starnberger Minis unter Hans Raphael auch in den Sommerurlaub oder in Ferienfreizeiten. Sie hatten sogar eine eigene Band, die „Mini-Band“ die auf zahlreichen Festen aufspielte, nicht nur auf kirchlichen. Und Hans Raphael spielte die Tuba. Die spielt er übrigens immer noch. „Es war eine Superzeit“, findet auch er. Viele der ehemaligen Minis zählen heute zu seinem engeren Bekanntenkreis. Und, was ihn freut: „Der Kontakt reißt nicht ab.“
Auch der heutige Stadtpfarrer Andreas Jall weiß, was die Pfarrei an ihren Minis hat, und behält den liberalen Umgang mit ihnen bei. Rund 80 Ministranten gibt es heute in der Pfarrei. Obwohl Raphael schon sehr früh wusste, dass er einmal im Dienst der Kirche arbeiten möchte, lernte er zuerst Kfz-Mechaniker in Pöcking. „Ich war immer ein Autofreund“, sagt der 63-Jährige. Die Ausbildung hatte aber auch einen strategischen Grund, denn für den hauptamtlichen Mesnerberuf benötigt man, anders als im Ehrenamt, eine handwerkliche Ausbildung. Schließlich stehen wie im Falle Starnbergs bei drei Kirchen immer kleinere Reparaturen an.
Jetzt beginnt für Hans Raphael ein neuer Lebensabschnitt. Wenn er davon spricht, klingt das nicht unbedingt nach Ruhestand, eher nach Vorfreude. „Ich bin zuversichtlich, dass sich etwas Gutes ergibt“, sagt er. Eine bunte Mischung eben, bei der wohl auch die Musik und seine Tuba eine wichtige Rolle spielen werden. Am Sonntag, 12. Juli, verabschiedet er sich offiziell mit einem Gottesdienst um 10.15 Uhr in St. Maria von allen Wegbegleitern – und das dürften eine ganze Menge sein.

