Auch Schulleiter Thomas Volz war überrascht, als er von dem Beschluss erfuhr. Denn der Starnberger Stadtrat hat sich vor Kurzem in nicht öffentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, das Gymnasium Starnberg zum Schuljahr 2027/2028 in Jürgen-Habermas-Gymnasium umzubenennen. Der weltberühmte Sozialphilosoph lebte mehr als 50 Jahre in Starnberg und ist 2009 mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet worden. Habermas ist 96-jährig am 14. März dieses Jahres in seinem Wohnort gestorben.
Man werde sich mit dem Vorschlag des Stadtrates beschäftigen und das „im offenen Diskurs“ besprechen, ganz im Sinne von Habermas, sagt Schulleiter Thomas Volz. Das sei ein ehrenhaftes Thema, denn Habermas sei eine große Persönlichkeit, deren gesellschaftspolitische Bedeutung zu würdigen ist. Um das alles auch für das Starnberger Gymnasium einzuordnen, sind als Experten Professorin Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, und der Historiker Norbert Frei in das Verfahren eingebunden worden. Frei hat auch die Rede bei einer Gedenkstunde für den verstorbenen Philosophen in der Frankfurter Paulskirche gehalten und sich damit auseinandergesetzt, wie Habermas mit seinen humanistischen Idealen und kritischer Reflexion die Bundesrepublik und ihre Debatten geprägt hat.

Nun geht es aber um die Willensbildung in den schulischen Gremien, die sich mit dem Vorschlag der Stadt befassen müssen. Hierzu gehören das Direktorat, das Kollegium, der Elternbeirat und die Schülermitverantwortung (SMV). Deren jeweilige Vertreter werden später in einem Schulforum ein Beschluss fassen und einen entsprechenden Antrag an das Kultusministerium weiterleiten. Auf die Frage, was er von einer Namensänderung halte, antwortet Direktor Volz ausweichend: Er könne sich auch vorstellen, einen Habermas-Preis auszuschreiben oder mit Symposien sein Werk und Wirken in Erinnerung zu halten. Volz verweist zudem darauf, dass der Name Gymnasium Starnberg eine eindeutig regionale Identität vermittle.
An dieser Schule hat auch der Starnberger Landrat Stefan Frey (CSU) sein Abitur gemacht. Zur Namensgebung erklärt er auf Anfrage, dass darüber die jeweilige Schulfamilie entscheide. Und diese müsse sich „letztlich mit einem Namensgeber in besonderer Weise identifizieren“. Dazu gebe es ein entsprechendes Verfahren für alle Schulfamilien, so Frey. Dafür hat nun aber der Stadtrat mit seinem Beschluss den Gremien bereits eine Richtung vorgegeben.

