Roter Teppich, Prosecco, gedämpftes Licht: Der Wirtschaftspreis des Landkreises Starnberg gilt als begehrte Auszeichnung, und die Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (GWT) weiß, wie man die Siegerehrung würdig zelebriert. Schon seit Jahren zeichnet die Regionalagentur vorbildliche und innovative Unternehmen aus, die sich um den undotierten Preis bewerben. Der Wettbewerb steht unter einer thematischen Vorgabe, in diesem Jahr lautete das Motto „Ich bin dann mal weg: Wie Unternehmen ihre Nachfolge erfolgreich gestalten“.
Insgesamt knapp 40 Firmen hatten sich beworben, am Mittwoch zeichnete Landrat Stefan Frey (CSU) beim Festakt im Berger Marstall zwei Unternehmen aus: die Klarwein GmbH für Rohstoffgewinnung, Recycling und Entsorgungslösungen aus Weßling sowie die Starnberger Estate5 AG, die Immobilien verwaltet, vermietet und verkauft.
Unternehmen sind Motor der Volkswirtschaft: Sie produzieren Güter, schaffen Arbeitsplätze, bilden aus, sorgen mit ihren Innovationen für eine Modernisierung und Zukunftsfähigkeit des Landes – und füllen die Kassen der Kommunen. 1964 gab es den geburtenstärksten Jahrgang in der Geschichte der Bundesrepublik. Jetzt, 60 Jahre später, verabschieden sich die „Boomer“ zunehmend in den Ruhestand. Und oft genug fragen sich die Gründer: Wie geht es mit dem Betrieb weiter, wenn ich aussteige? Was wird aus meinem Lebenswerk, gibt es einen würdigen Nachfolger? Wie bringt man unternehmerischen Mut, Risiko und Verantwortung mit Kontinuität und frischen Ideen zusammen?
Für die Jury des Wettbewerbs ergab sich eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Auszeichnung sollte an ein Unternehmen gehen, das die Nachfolge für alle Beteiligten effizient, zielorientiert und wertschätzend geregelt hat mit dem Ziel, für die Zukunft weiterhin gut aufgestellt zu sein und den Übergang möglichst reibungslos zu gestalten. Nach erster Sichtung der Unterlagen blieben zwölf höchst unterschiedliche heimische Unternehmen, die sich Hoffnungen auf die Auszeichnung machen konnten.



Die Veranstalter hatten den Marstall in Berg – ein 1866 erbauter Pferdestall von König Ludwig II. – in einen Festsaal verwandelt. GWT-Chef Christoph Winkelkötter und Annette von Nordeck, Leiterin der Wirtschaftsförderung, begrüßten rund 150 geladene Gäste, darunter Bürgermeister, Unternehmer und Verbandsvertreter. Ähnlich einer Oscar-Preisverleihung stellten die Jury-Mitglieder die Endrundenteilnehmer vor. Ein Prozedere, das vielleicht etwas zu langatmig geriet, gleichwohl aber interessante Einblicke in die Vielfalt der heimischen Wirtschaft bot.
Die Gemeinsamkeit der Finalisten: Sie hatten allesamt einen Generationenwechsel vollzogen. Dazu zählt die Kraillinger Firma Trane Klima- und Kältetechnik, die Unternehmensberatung Strange Consult, die Bausanierer der Feldhütter GmbH und das Architekturbüro Twiehaus Pfisterer (alle aus Tutzing), die Schölderle Geräte- und Werkstofftechnologie GmbH sowie der Orgelbauer Eisenschmid (beide Andechs), das Herrschinger Fahrradgeschäft Nandlinger, die Gilchinger Firma Romacker Stanztechnik und Werkzeugbau, die Pöckinger Zimmerei Gansneder sowie die Spenglerei und Dachdeckerei Ludwig Bernlochner in Weßling. Sie alle wurden von Landrat Frey mit einer Urkunde ausgezeichnet. Eine besondere Auszeichnung in Form eines blauen Hirschgeweihs aber gab es nur für zwei Unternehmen: die Klarwein GmbH und die Estate 5 AG.



Klarwein steht seit 111 Jahren für nachhaltige Rohstoffgewinnung, Recycling und intelligente Entsorgungslösungen. „Was mich besonders beeindruckt hat, ist die außergewöhnliche Harmonie, mit der der Übergabeprozess gestaltet wurde“, sagte von Nordeck. Über viele Jahre hinweg habe Karl Heinz Klarwein seine drei Kinder in den Betrieb eingeführt und ihnen Werte und Visionen vermittelt, die das Unternehmen ausmachen. Insbesondere der Mix aus Tradition und Innovation sei der Jury positiv aufgefallen. Die beiden Söhne und die Tochter der Klarweins haben durch unterschiedliche Berufsausbildungen – Kfz-Technik-Meister, Bauingenieur und Umweltingenieurin – neue Akzente gesetzt und die Firma weiterentwickelt.
In der Kategorie „familienexterne Übergabe“ ging der Preis an die Estate5 AG. Hier war der Jury „vorausschauende Planung, klare Kommunikation und Einbindung aller relevanten Partner“ aufgefallen, berichtete Winkelkötter. Die damalige Chefin Angela Hartmann hatte für die Übergabe einen Dienstleister beauftragt. Dieser suchte einen Käufer, die Wahl fiel auf den Diplom-Betriebswirt Felix Meinhold, der dafür aus Dubai zurückkehrte. Teile des Aufsichtsrats wurden neu besetzt, Einstellungskriterien wie Arbeitsweisen im Team überarbeitet. Winkelkötter: „Hier ist es gelungen, Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen.“

