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Starnberg:Gegen Rassismus im Alltag

Pandemiebedingt kamen 40 Besucher zur Gedenkveranstaltung des "Starnberger Dialogs" in der Friedenskirche.

(Foto: Arlet Ulfers)

Starnberg gedenkt der Opfer des Dachauer Todesmarschs

Von Sophia Linnenbrink, Starnberg

"Erinnern ist das Mindeste, das wir tun können, um gegen Rassismus und Antisemitismus ein Zeichen zu setzen." Mit diesen Worten hat Rainer Hange vom Verein "Gegen Vergessen - für Demokratie" am Dienstag das Gedenken an den Dachauer Todesmarsch von 1945 eröffnet. Etwa 40 Teilnehmer waren in die Starnberger Friedenskirche gekommen.

76 Jahre ist es her, dass der Todesmarsch von Dachau Tausenden KZ-Häftlingen das Leben kostete. Kurz vor Kriegsende am 27. April 1945 führte der Marsch durch den Landkreis vom Würmtal kommend durch Starnberg in Richtung Süden. Landrat Stefan Frey (CSU) bezeichnet den Todesmarsch als ein "bedrückendes Zeitzeugnis". An dieses Ereignis zu erinnern heiße, die Opfer zu ehren. Zu den Opfern zählten Kommunisten, Homosexuelle, Sinti und Roma, Jüdinnen und Juden. Letztere blicken in diesem Jahr auf 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland und Bayern zurück. Neben dem Holocaust-Gedenken war dieses Jubiläum Teil der Veranstaltung. In den vielen Jahren jüdischen Lebens habe es diverse Zustände gegeben. Der CSU-Landtagsabgeordnete Ludwig Spaenle nannte in seiner Rede als Antisemitismusbeauftragter der Staatsregierung Zeiten des Miteinanders, Zeiten der Gewalt und Zeiten der Emanzipation. Rainer Hange sprach die im vergangenen Jahr etwa 1000 antisemitischen Angriffe allein in Berlin an; auch an den Anschlag in Hanau wurde erinnert. Antisemitismus finde nach wie vor im Alltag statt. Judith Baumann wuchs jüdisch auf und kam im Alter von zehn Jahren nach München. Weil Baumann einen Christen heiratete, seien ihre Kinder christlich und jüdisch aufgewachsen. Baumann sprach in der Starnberger Kirche Alltagssituationen an, die ihr Sorgen bereiteten. Sie habe Angst um ihre Töchter, wenn diese mit Davidstern-Halskette S-Bahn fahren oder wenn das Wort Jude auf dem Schulhof als Schimpfwort verwendet werde, erzählte sie. Spaenle betonte die Pflicht des Staates, sich gegen jegliche Angriffe zu wehren.

Die Reden der Veranstaltung wurden umrahmt von Nikola David, Kantor der liberalen jüdischen Gemeinde München Beth Shalom. Er trug Psalme zunächst auf Deutsch und anschließend in Liedform auf Hebräisch vor. Aufgrund der pandemiebedingt begrenzten Teilnehmerzahl in der Kirche wurde die Veranstaltung aufgezeichnet. Sie kann auf der Homepage der evangelischen Gemeinde Starnberg unter www.evangelisch-starnberg.de und des Starnberger Dialogs unter www.starnberger-dialog.de nachgeschaut werden.

© SZ vom 29.04.2021
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