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Schulabschluss im Fünfseenland:Nach dem Abi ins ewige Eis

Dießen, Ammersee Gymnasium ABI 2021

Feierlaune am Ammersee-Gymnasium in Dießen: Schulleiter Alfred Lippl überreicht die Abiturzeugnisse mit Handschuh.

(Foto: Georgine Treybal)

Viele Absolventen starten im September mit dem Studium durch, aber nicht alle. Einen zieht es in die Arktis, einer will jobben und eine plant mit dem Bundestag. Sechs Porträts von Schülern mit der Traumnote 1,0.

Von Cora Krüger

Sie kellnern im Biergarten, planen Expeditionen in der Arktis, peilen das Weltall an oder möchten Medizin studieren: 24 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis Starnberg haben einen Abiturschnitt von 1,0 erreicht. Wie die Prüfungen abgelaufen sind, ob sie mit der Traumnote gerechnet haben und welche Pläne sie schmieden, haben sechs von ihnen im Gespräch mit der SZ verraten.

"Das Abitur war eine große Herausforderung für alle", sagt Erik Bassermann vom Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching. Besonders schwer fand es der 18-Jährige, im Homeschooling mitzuhalten und die Motivation nicht zu verlieren. Trotzdem hat er ein ausgezeichnetes Abitur hingelegt. Mit seinen Leistungen konnte er sich sogar zur Aufnahmeprüfung für die Stiftung Maximilianeum qualifizieren, die hochbegabte Abiturientinnen und Abiturienten fördert. Sie findet demnächst statt, lernen wird er für die Aufnahmeprüfung allerdings nicht: Weil eine so große Bandbreite an Themen abgefragt werde, sei eine Vorbereitung nur schwer möglich, glaubt Bassermann.

Bevor er anfängt zu studieren, hat der junge Mann aus dem Seefelder Ortsteil Hechendorf erst einmal andere Pläne. Er möchte sich orientieren und Abenteuer erleben. Deshalb geht er bald zusammen mit neun weiteren jungen Leuten für ein Jahr in die Arktis. Dort sind Expeditionen geplant, unter anderem eine Durchquerung von Spitzbergen. Mit seinem Frühstudium in Latein und Nordischer Philologie, das er während der Schulzeit belegte, ist er darauf zumindest sprachlich bestens vorbereitet. "Ich wollte unbedingt meine Wurzeln besser kennen lernen", so der Halb-Norweger.

Erst 17 Jahre alt ist Lotta Wagner aus Starnberg, die im Gymnasium der Kreisstadt ihr Abitur gemacht hat. Von ihrem Abiturschnitt war die junge Frau "tatsächlich sehr überwältigt", da sie mit dem Ergebnis nicht gerechnet hatte. "Ich bin in die 11. Klasse gegangen mit dem Ziel, eine eins vor dem Komma im Abitur zu haben", erzählt Wagner. Dann habe sie der Rappel gepackt - und sie wollte das Beste herausholen. Ihr Steckenpferd seien immer Politik und Geschichte gewesen, deshalb kann sie sich vorstellen, diese Fächer auch zu studieren.

Jetzt ist aber erst einmal ein Jahr Pause geplant. Bald beginnt die 17-Jährige ein Praktikum bei einer NGO in München, eine Nichtregierungsorganisation, von Januar an hat sie sich in Berlin bei einigen Bundestagsabgeordneten beworben. Gerade arbeitet sie in einem Biergarten.

Eine Punktlandung im Abitur legte auch Jakob Seils vom Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting hin. Seinen Abiturschnitt von 1,0 sicherte er sich mit der Mindestpunktzahl. Gerechnet mit diesem Durchschnitt habe er nicht. "Das war auch überhaupt nicht mein Ziel", sagt der 18-Jährige, der das Abitur offenbar relativ locker genommen hat: "Ich habe mir keine großen Gedanken gemacht." Seit der zehnten Klasse gehörte Seils dem TUM-Kolleg an, bei dem Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums jede Woche einen Tag an der Technischen Universität München verbringen und an einer Forschungsarbeit tüfteln.

Im Fall des 18-Jährigen drehte sich dabei alles um Kraftstoffe. "Wir haben uns angeschaut, wie sich die Zumischung von synthetischen Kraftstoffen zu Diesel auf die Ruß-Emission auswirkt", erklärt der Abiturient seine Arbeit. Bevor er mit em Studium anfängt, möchte Seils das nächste Jahr damit verbringen, zu jobben, Praktika zu absolvieren oder ein freiwilliges soziales Jahr zu machen. Danach kann er sich vorstellen, beruflich in Richtung Bauingenieurswesen zu gehen - auch, weil er sich sehr fürs Bauen, Konstruieren und Basteln interessiert.

Direkt ins Studentenleben starten möchte hingegen die 18-jährige Lena Kahle aus Weßling, die ebenfalls in Gauting ihr Abitur gemacht hat. Die Prüfungen sind gut verlaufen, erzählt Kahle, "es war nicht mega stressig". Trotz Corona habe sie sich sehr gut vorbereitet gefühlt. Einen Plan, wie es weiter gehen soll, hat die frisch gebackene Abiturientin auch schon. Von Herbst an studiert Kahle an der Technischen Universität München Informatik, nach dem Bachelor möchte sie eventuell die International Space University in Straßburg besuchen. Irgendwann würde sie gerne im Bereich Raumfahrt arbeiten, erklärt die 18-Jährige. Abseits der Schule interessiert sich Kahle fürs Nähen und Schneidern, für Sprachen, Programmieren und das Rollenspiel Dungeons & Dragons. Außerdem wurde sie bei "Jugend forscht" ausgezeichnet und war ebenfalls beim TUM-Kolleg dabei.

Wegen seines Berufswunschs war Kevin Reiter aus Germering ein Schnitt von 1,0 wichtig. Der 19-Jährige, der ebenfalls am Otto-von-Taube-Gymnasium das Abitur machte, möchte gerne Medizin studieren. Am liebsten würde er dazu nach München oder Heidelberg ziehen. Sollte es mit Medizin nicht klappen, wären auch Psychologie oder Physik eine Option.

Mit dem Abitur sei alles recht schnell gegangen, erzählt Reiter, "auch, weil wir ein Jahr Distanzunterricht hatten". In seiner Freizeit ist er viel mit Freunden unterwegs und spielt semiprofessionell Fußball. Mit dem SV Aubing absolviert er demnächst seine erste Saison in der Bezirksoberliga, er hofft, sich irgendwann durch den Sport neben dem Studium etwas dazuverdienen zu können. Eine professionelle Fußballkarriere schließt er aber aus. Bis zur Oberstufe hatte der 19-Jährige eine Hochbegabtenklasse besucht.

Ein Medizinstudium plant auch Pauline Schneider, die am Gymnasium Tutzing ihr Abitur gemacht hat. Am liebsten würde sie in München studieren. Bevor es losgeht, möchte sie aber noch einen Großteil des dreimonatigen, verpflichtenden Pflegepraktikums ableisten, am liebsten im Krankenhaus in Tutzing. Dafür steckt sie gerade mitten in den Vorbereitungen.

In ihrer Freizeit interessiert sie sich sehr für Sport, oft im Fernsehen, gerne aber auch selbst auf dem Platz. Außerdem spielt sie Klavier, "alles von Mozart bis Queen", malt, liest und backt gerne. Die Traumnote 1,0 kam für die 18-Jährige "ziemlich überraschend". Ihr Schnitt habe sich durch die Abiturprüfungen noch einmal verbessert, erzählt sie. Das Ergebnis war dann auch ausschlaggebend für ihren jetzigen Studienwunsch. Später würde sie gerne im sportmedizinischen Bereich arbeiten, sagt Pauline Schneider.

© SZ vom 17.07.2021
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