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Der Landkreis Starnberg als Filmkulisse:Großes Kino

Eine neue Datenbank mit Drehorten soll Regisseure und Produzenten ins Fünfseenland locken. Der Landkreis war schon Schauplatz großer Produktionen und kultiger Serien - ob "Ludwig II.", "Raumpatrouille Orion" oder "Snowden" von Oliver Stone.

Commander Cliff Allister McLane war schon da, König Ludwig II. natürlich auch, von diversen Tatort-Kommissaren gar nicht zu reden. Und wer erinnert sich noch an "Die Drei von der Tankstelle", einen Kinofilm mit Adrian Hoven, Walter Giller und Walter Müller, der an der damaligen Texaco-Tankstelle in Starnberg gedreht wurde? Das Fünfseenland war schon oft Schauplatz aufwendiger und erfolgreicher Kinoproduktionen wie im Jahr 2016 von "Colonia Dignidad": Oscar-Preisträger Florian Gallenberger drehte in der ehemaligen Gärtnerei der Asklepios-Klinik mit Emma Watson.

Dazu kommt eine Vielzahl von Fernsehserien, von "Tatort" bis "Hubert und Staller". Für die Vorabendserie wurde im Starnberger "Undosa" ein Tanzkurs gefilmt, bei dem ein Lautsprecher von der Decke fällt und jemanden tödlich verletzt. Mord oder Unfall? Nun ja. Dass das Fünfseenland ein beliebter Schauplatz für alle möglichen Dreharbeiten ist, verwundert indes nicht, denn hier gibt es alles, was das Publikum bezaubern kann: blaue Seen, weite grüne Flur, dunkle Wälder, schöne Villen und ab und an auch mal einen Friedhof.

Starnberg,  Alexandra Högner GWT

Sammelt Schauplätze: Alexandra Högner.

(Foto: Georgine Treybal)

"Seit vielen Jahrzehnten ist die Filmbranche eng mit der Region verbunden", weiß auch Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg (GWT). Um weitere Regisseure und Produzenten in die Gegend zu locken, baut die GWT nun eine Datenbank mit Drehorten für Filme aller Art, eine Sammlung von Filmlocations, wie es auf Denglisch heißt. Das ist die Aufgabe der neuen Regionalmanagerin Alexandra Högner, einer jungen Frau aus Unterbrunn. "Ob traditioneller Bauernhof oder modernes Firmengebäude, Parkbank mit Bergblick, Bootshaus, Tante-Emma-Laden oder urige Werkstatt - wir sammeln besondere Gebäude und Orte der Region, die als Drehorte interessant sein könnten", erklärt Högner.

Doch für Winkelkötter hat das Projekt Filmlocations noch einen anderen, für ihn genauso wichtigen Aspekt. "Wir wollen nicht nur einen Service für Filmschaffende aufbauen, sondern auch die Historie und Gegenwart unserer Region visualisieren und so für die Einheimischen eine Art Heimat-Bilderbuch schaffen", sagt Winkelkötter. Dazu gehören auch die Videoclips, die Högner mit einem professionellen Kameramann für den Youtube-Kanal der GWT drehen wird. Das Projekt wird beim in Kürze beginnenden Fünfseen-Filmfestival vorgestellt.

Matthias Helwig, Betreiber der Breitwand-Kinos in Gauting, Starnberg und Seefeld und Leiter des Festivals, bezeichnet die geplante Datenbank für Drehorte als eine "eher wirtschaftliche Sache". Aber sie könne Aufnahmeleitern und Produzenten natürlich die Suche nach bestimmten Drehorten erleichtern.

Helwig hat schon eine ganze Reihe von Filmen, die teilweise oder ganz im Fünfseenland spielen, in seinen Kinos aufgeführt. Die Dreharbeiten waren teilweise sehr aufwendig, ganze Straßenzüge mussten gesperrt werden. "Von Beschwerden der Anwohner habe ich aber noch nie etwas gehört", sagt Helwig. In der Region Starnberg-Ammersee, wie sie neuerdings heißt, wohnt eben ein kunstsinniges Publikum.

Raumpatrouille Orion

COMMANDO SPATIAL LA FANTASTIQUE AVENTURE DU VAISSEAU ORION RAUMPATROUILLE DIE PHANTASTISCHEN ABE

Tee für den Commander: Vivi Bach und Dietmar Schönherr in "Der Kampf um die Sonne".

(Foto: Imago)

Wo heute Golfer ihre Runden drehen, ist schon mal ein Raumschiff gelandet: mitten auf dem Feldafinger Golfplatz, auf einer Wiese südlich des alten Clubhauses: die Raumpatrouille Orion mit Kommandant Cliff Alister McLane alias Dietmar Schönherr. Es war allerdings eine Attrappe, die Mitte der Sechzigerjahre von den Filmleuten im Lennepark platziert wurde. Die "Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion" war die erste deutsche Science-Fiction-Serie im Fernsehen. Die fünfte Folge heißt "Der Kampf um die Sonne" und spielt auf dem grünen Planeten Croma, der von Frauen regiert wird. Selbstverständlich schafft es Commander McLane, auch im Matriarchat alle Probleme zu lösen. Zu sehen ist, wie das Raumschiff anfliegt, also Luftaufnahmen vom Lenné-Park und der Roseninsel bis hin zur Landung auf dem Golfplatz unterhalb der Maffei-Kapelle. Kurz danach sieht man, wie die Orion im Park landet. Szenen der Folge "Hüter des Gesetzes", die den öden Planetoiden Pallas darstellen sollen, sind auf der Abraumhalde des Bergwerks in Peißenberg gefilmt worden.

Ludwig II.

helmut berger und romy schneider beim Visconi-film Ludwig II. foto: SZ.Archiv

Romy Schneider und Helmut Berger in "Ludwig II".

(Foto: SZ-Archiv)

Für die Originalschauplätze am Starnberger See entscheidet sich Luchino Visconti 1972, als er seinen Film "Ludwig II." mit Romy Schneider und Helmut Berger in den Hauptrollen dreht. Allerdings machen ihm die Wittelsbacher einen Strich durch die Rechnung: Denn sie verweigern den Zutritt zu Schloss Berg, wo der unglückliche König als Gefangener die letzten Stunden seines Lebens verbringt, bevor er am 13. Juni 1886 in unmittelbarer Nähe des Schlosses ums Leben kommt. Als Profi weiß sich Visconti schnell zu helfen und verlegt das tragische Geschehen kurzerhand ins damals noch unrenovierte Schloss Possenhofen. Dem Gebäude werden Zinnen aus Styropor verpasst und ein neuer Anstrich, den der Regen allerdings postwendend wieder abwäscht. Auch auf der Roseninsel darf die Crew drehen. Die Königstreuen reagieren entsetzt. Sie sehen das Ansehen des Monarchen in Gefahr. Gegner der Filmaufnahmen drohen laut Boulevardzeitungen sogar damit, die Roseninsel in die Luft zu sprengen.

Snowden

Tutzing Udo Hahn Evangelische Akademie Tutzing Regisseur Oliver Stone

"Snowden"-Regisseur Oliver Stone und Akademiedirektor Udo Hahn (re.).

(Foto: EAT-Archiv)

In einer Geheimoperation drehte US-Filmregisseur Oliver Stone in der Evangelischen Akademie Tutzing Szenen für seinen Film "Snowden". Schloss und Park fungierten im Drama über den wohl bekanntesten Whistleblower der Welt, den US-Amerikaner Edward Snowden, als Set für einen eleganten Empfang. Den hatte der amerikanische Botschafter tatsächlich in seiner Residenz in Genf gegeben. Der Dreh in Tutzing lief 2015 unter absoluter Geheimhaltung, das gesamt Filmprojekt unter dem Codenamen "Sasha". Bis zuletzt befürchteten Stone und Produzent Moritz Bormann, die Filmarbeiten könnten von der NSA überwacht und ausspioniert werden. Akademiedirektor Udo Hahn, der eine Komparsenrolle als deutscher General übernehmen durfte, erinnert sich an den großen Aufwand der internationalen Filmproduktion. Vor Ostern einen festlichen Sommerempfang zu inszenieren, sei nicht einfach gewesen. Auch Michael "Bully" Herbig nutzte den Schlosspark, er drehte dort für "Wechseljahre einer Kaiserin". Als Kulisse diente das Schloss ebenfalls für Fernsehproduktionen wie "Der Bulle von Tölz" oder "Forsthaus Falkenau".

Colonia Dignidad

Emma Watson als Lena in "Colonia Dignidad".

(Foto: Majestic / Vaz Palma)

"Das ist super geeignet. Das ist toll, wenn der Ort so viel Charakter mitbringt, das Echte, die Patina. Das ist schwer nachzubauen." So schwärmt der Filmproduzent Benjamin Herrmann aus Berlin heute noch von der Asklepios-Klinik in Gauting. Auf dem Gelände hat er vor fünf Jahren Szenen für den Film "Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück" gedreht. Für eine Woche standen die wichtigsten Hauptdarsteller dort vor der Kamera, unter anderem Emma Watson und Daniel Brühl. Regie führte damals Florian Gallenberger aus Planegg. Der Film spielt in der deutschen Auswanderer-Kolonie in Chile, in der es zu Zeiten des Pinochet-Regimes zu Folter, Kindesmissbrauch und zu Morden gekommen war. Watson und Brühl haben dort zum Beispiel in ihren Rollen als Lena und Daniel einen Fluchtversuch gedreht. Für die Dreharbeiten wurden leer stehende Gebäude im rückwärtigen Teil des Klinikgeländes und alte Holzbaracken genutzt. Für das Filmteam war es auch angenehm, dort ungestört arbeiten zu können, ohne auf Nachbarn Rücksicht nehmen zu müssen.

Der Untergang Trojas

Filmaufnahmen zu Troja 1923 in Schlagenhofen am Wörthsee

Eine Massenszene aus "Helena - Der Untergang von Troja".

(Foto: Filmmuseum München)

Die Kulisse hätte nicht besser sein können: ein Hügel, auf dem sich die Zinnen der 200 Meter langen und sieben Meter hohen trojanischen Stadtmauer in den blauen Himmel strecken, eine Wiese, auf der Hunderte Griechen und Trojaner mit Pfeilen und Speeren aufeinander losgehen, und im glasklaren türkisfarbenen Wasser des Wörthsees eine Seeschlacht mit 70 Schiffen und Flößen. Troja am Wörthsee? Ja, vor genau 96 Jahren wurde in Schlagenhofen der Monumentalfilm "Helena - Der Untergang Trojas" gedreht. Ein Riesenspektakel für die Seeanrainer, die sich lieber als Komparsen anstellen ließen anstatt auf den Feldern und in den Wirtshäusern zu arbeiten. Und eine Goldgrube für die Bauern und Wirte, die Grund verpachteten und die Schauspieler versorgten und unterbrachten.

Regisseur war Manfred Noa, die Hauptdarsteller hießen Edy Darclea (Helena) und Wladimir Gaidarow (Prinz Paris). Die Uraufführung des dreieinhalbstündigen Stummfilms, der aus den zwei Teilen "Der Raub der Helena" und "Die Zerstörung Trojas" bestand, fand Anfang 1924 in Berlin statt.

© SZ vom 31.08.2019
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