Wenn ein Gast das "Lani 1893" durch den hölzernen Eingangsbereich betritt, blickt Cornelia Nikel meist direkt auf. So wie am Dienstagnachmittag, zwei Anwohner betreten das Café in der Achheimstraße. Kopf hoch, eine kurze Begrüßung, dann suchen sich die Besucher einen Platz in der Nische links neben der Eingangstür. "Weißbier, glaub ich. Oder?", fragt Nikel sich laut.
Erinnert die Besitzerin sich etwa an die letzte Bestellung der beiden? Offensichtlich. Weißbier und Weißwein wandern kurze Zeit später an den Tisch. Dabei kennt Nikel die Gäste nur flüchtig, sie waren erst einmal im Lani 1893. Schließlich gibt es den Laden ja erst seit Kurzem.

Newsletter abonnieren:SZ Gerne draußen!
Land und Leute rund um München erkunden: Jeden Donnerstag mit den besten Freizeittipps fürs Wochenende. Kostenlos anmelden.
Anfang Januar hat Nikel das Bistro in der Achheimstraße 8 offiziell übernommen. Dass sie die geschichtsträchtige Gastronomie führen will, war für sie bei der ersten Besichtigung klar. "Ich bin überhaupt nicht esoterisch", sagt sie. Aber beim Betreten habe sie die Geschichte des Hauses direkt gespürt. Für die 42-jährige Nikel hat das Fachwerkhaus mit seinen kleinen Dächern und Balkonen etwas Mystisches. Fast 130 Jahre alt ist das Häuschen, es hat Kneipen und Cafés beherbergt, zuletzt war ein Bio-Restaurant drin. Jetzt wandern mittags und abends Pomodori- oder Salami-Pinsa, selbstgebackene Kuchen und Überraschungen über den Tresen.
Überraschungen? Ja, so steht es tatsächlich auf der Wochenkarte. Das Dienstagsgericht etwa heißt einfach "Lassen Sie sich überraschen". Nikel lässt ihrem Koch Davide delle Vedove, dem ehemaligen Küchenchef der Bar Comercial in München, bei den warmen Speisen freie Hand. An diesem Dienstag serviert er unter anderem Linguine mit Kräutersaibling und ein Gericht mit Dorade.


Damit, dass die Besucher die Überraschungen auch wörtlich nehmen würden, hat Nikel nicht gerechnet. Letzte Woche habe eine Kundin die Tageskarte gar nicht sehen wollen, sondern direkt die Überraschung bestellt. Auf die anschließende Nachfrage Nikels, ob sie das blinde Bestellen bereue, lautete die klare Antwort: "Absolut gar nicht." Das dürfte Koch delle Vedova gerne gehört haben.
Nikels persönliche Spezialität aber sind die Kuchen, die rechts vom Eingang in einer Vitrine auf Besucher warten. Haselnuss-Bienenstich, New-York-Cheesecake, Süßkartoffel-Mandel-Kuchen - Standard-Rezepte sind hier kaum zu finden. Für ihre Kreationen backt die 42-Jährige meist eine Version nach Rezept. Dann wird so lange verfeinert und probiert, bis die perfekte Mischung gefunden ist. Da werden aus Mandeln auch mal Haselnüsse, das Mehl verschwindet und die Schokoglasur wird ergänzt.
"Die Leidenschaft zum Kochen ist immer da gewesen"
Seit knapp zehn Jahren backt Nikel ihre Kuchen. Angefangen damit hat sie für ihr erstes, 2013 eröffnetes Café in Unterhaching. Einige Zeit zuvor hatte die Gastronomin ihren Job in der Filmbranche an den Nagel gehängt. Dass sie in die Gastronomie gegangen ist, scheint im Nachhinein logisch, diese liegt ihr wohl im Blut. "Gerade bei der Papa-Seite" sei in ihrer Familie die Freude am Kochen "immer da gewesen", sagt Nikel. Die Leidenschaft zum Beruf gemacht hat sie allerdings als einzige unter den Hobbyköchen in ihrer Familie - mittlerweile mit zwei eigenen Läden.
Während im Café in Unterhaching mithilfe ihrer Mitarbeiter der normale Gastro-Alltag weitergeht, gräbt sich Nikel in Starnberg aktuell noch durch die Aktenstapel. Die Neugründung ist auch beim zweiten Mal kein Selbstläufer. Behördengänge und Steuerbelege bestimmen den Alltag. Dazu kommen die Fragen: Wie tickt der Starnberger Café-Gast? Welche Öffnungszeiten passen? Und welche Kuchen und Gerichte kommen am besten an?

Der Aufbau des Cafés sei noch in vollem Gange, so Nikel. Ein paar Ideen für den Sommer schweben ihr auch bereits vor, eine Weinprobe oder ein Achheimfest zum 130. Geburtstag des Hauses etwa. Doch zunächst freut sich Nikel auf die Zeit, in der sich hinter dem Bürokratieberg der Gastro-Alltag ausbreitet und sie sich vollständig auf die Bedienung ihrer Gäste konzentrieren kann.
Wenn die Zeit es zulässt, setzt sie sich auch gerne für einen kurzen Plausch zur Kundschaft. Familiär und direkt, "so soll das hier sein", sagt sie. "Ich will meine Gäste kennen - zumindest die, die öfter als einmal kommen." Das scheint anzukommen: Die beiden Besucher, denen Nikel Weißbier und Weißwein serviert hat, wollen demnächst öfter kommen. Ihr Urteil: "Angenehm - schöne Atmosphäre, nette Wirtin, guter Service."

