GastronomieAbschied von der „Au“ auf Raten

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Der 1839 erbaute „Gasthof in der Au“, die älteste Gaststätte Starnbergs, wird zugunsten von vier Neubauten abgerissen, Biergarten und Kastanienbäume sollen aber erhalten bleiben.
Der 1839 erbaute „Gasthof in der Au“, die älteste Gaststätte Starnbergs, wird zugunsten von vier Neubauten abgerissen, Biergarten und Kastanienbäume sollen aber erhalten bleiben.
Peter Haacke
  • Der „Gasthof in der Au", Starnbergs älteste Gaststätte von 1839, schließt am 16. August 2026 nach 35 Jahren unter Familie Ledic endgültig.
  • Das 187 Jahre alte Gebäude wird für vier Neubauten abgerissen, der Biergarten mit den Kastanienbäumen soll jedoch erhalten bleiben.
  • Ab 11. September nehmen die Betreiber bis Jahresende nur noch Reservierungen für Gruppen ab 30 Personen entgegen.
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Starnbergs ältestes Gasthaus schließt am 16. August für immer seine Türen. Nur für Gruppen mit mehr als 30 Personen nehmen die Betreiber noch bis Jahresende Reservierungen  entgegen.

Von Peter Haacke, Starnberg

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Der „Gasthof in der Au“ ist eines der traditionsreichsten Wirtshäuser Starnbergs, doch seine Tage sind offenkundig gezählt. Vor dem 187 Jahre alten Gebäude in der Josef-Jägerhuber-Straße hängt seit Kurzem im Schaukasten eine Botschaft, die manch treue Besucher traurig stimmen dürfte: „Liebe Gäste“, steht auf einem Plakat, „nach 35 Jahren schließt der Gasthof in der Au seine Türen. Unser letzter Arbeitstag ist der 16. August 2026“.

Es ist kein Geheimnis, dass das ortsprägende Ensemble mit dem letzten großen Biergarten der Stadt am Rand der Bahnlinie über kurz oder lang verschwinden wird. Zuletzt im November hatte der Bauausschuss dem geplanten Neubau von vier Gebäuden nebst Tiefgarage seine Zustimmung erteilt. Und eines war den Stadträten besonders wichtig: Es soll auch weiterhin Gastronomie mit Biergarten unter den großen, schattenspendenden Bäumen geben.

Schon 2019 waren erste Gerüchte aufgekommen, dass die langjährigen Pächter Marija und Bozo Ledic, die das Haus 1991 übernommen hatten, den Betrieb aufgeben wollen. Eine anhaltende rechtliche Auseinandersetzung brachte zwar Sand ins Getriebe, doch am Vorhaben hielten die Gastronomen fest. Dann kamen die Corona-Jahre. Und 2022 untersagte das Landratsamt den Wirtsleuten mangels Baugenehmigung den Betrieb der Grillstation ohne Fettabscheider und Filteranlagen, nachdem sich Nachbarn über den Duft von Würstchen und Cevapcici beschwert hatten. Die Umsätze im Biergarten mit seinen 350 Sitzplätzen gingen zurück. Dort, wo früher bei Fußball-Großereignissen Hunderte die Spiele beim „Public Viewing“ auf Großleinwand unter alten Kastanien verfolgten oder an lauen Sommerabenden ihr Bier genossen, herrschte fortan weitgehend Tristesse.

Eine Institution als Anlaufstation für Familienfeste, Vereine und allerlei sportlich, politisch oder sozial motivierte Gruppierungen blieb die „Au“ in der überschaubaren Starnberger Gastro-Szene dennoch. „Natürlich ist man etwas traurig“, sagt Ante Ledic, der Sohn der Betreiber, beim Rückblick. Er ist hier aufgewachsen, hat viele Höhen und Tiefen der Familie rund um die Gaststätte miterlebt. Doch das 1839 erbaute Haus mit seinen Nebengebäuden, ursprünglich eine Pferdepost-Station mit Gastzimmern, ist nicht mehr rentabel zu betreiben.

„Wir bedanken uns herzlich für Ihre Treue, Ihr Vertrauen und die vielen schönen gemeinsamen Momente“: Familie Ledic geht in die Sommerpause, danach werden nur noch Gruppen bewirtet.
„Wir bedanken uns herzlich für Ihre Treue, Ihr Vertrauen und die vielen schönen gemeinsamen Momente“: Familie Ledic geht in die Sommerpause, danach werden nur noch Gruppen bewirtet.
Peter Haacke

Möglicherweise schon nächstes Jahr kommen die Abrissbagger, um Platz zu machen für die neuen Häuser. Das Areal mit seinen rund 4750 Quadratmetern Fläche gilt als städtebauliches Filetstück und hat einen Wert, der auf 14 bis 16 Millionen Euro taxiert wird. Für das Haus, eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude Starnbergs, gilt das allerdings nicht. Im Laufe der Jahrzehnte war zu vieles umgebaut worden, unter Denkmalschutz steht der Gasthof zur Au jedenfalls nicht. Das schlichte dreigeschossige Haus habe „sich zwar in seiner Kubatur gut erhalten“, urteilte das Landesamt für Denkmalschutz, „jedoch vor allem im Inneren stark eingreifende Veränderungen des historischen Baubestandes erfahren“. Das Gebäude habe weder geschichtliche, künstlerische und städtebauliche noch wissenschaftliche oder volkskundliche Bedeutung.

Familie Ledic geht nun erst mal in die Betriebsferien, vom 17. August bis 10. September bleibt der Gasthof geschlossen. Doch es ist ein Abschied auf Raten, die Betreiber haben sich selbst noch so etwas wie eine Nachspielzeit eingeräumt: „Ab dem 11. September nehmen wir aufgrund der großen Nachfrage bis Ende des Jahres nur noch Reservierungen für Gruppen ab 30 Personen entgegen“, ist im Schaukasten zu lesen. Im Klartext: „Wir sind noch da, aber nur in reduziertem Umfang“, sagt Ante Ledic. „À la carte ist vorbei.“ Anfragen und Reservierungen nehmen die Betreiber per E-Mail entgegen.

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