Gastronomie Bangen um den letzten Biergarten in Starnberg

Wirtin Marija Ledic betreibt seit 28 Jahren mit ihrer Familie den stadtbekannten "Gasthof in der Au" in Starnberg. Nun scheinen aber die Tage des Wirtshauses mit Terrasse und großem Biergarten gezählt zu sein.

(Foto: Nila Thiel)

Das Wirtspaar des Gasthofs in der Au kündigt seinem Miteigentümer, mit dem die Eheleute eine Gesellschaft gegründet hatten. Ein Stadtrat will das Lokal retten.

Von Christian Deussing

Der traditionsreiche "Gasthof in der Au" steht offenbar vor dem Aus. Damit würde auch der letzte große Biergarten in Starnberg verschwinden. Das Wirtsehepaar Marija und Bozo Ledic hat jetzt seinem Miteigentümer Bernhard Widmann entnervt gekündigt. Offenbar herrscht zwischen den Ledics und dem Finanzdienstleister schon seit längerem Funkstille.

Mit dem Schondorfer Geschäftsmann hatten die Wirtsleute vor einigen Jahren eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet. Doch wegen offenkundig unterschiedlicher Pläne kam es zum Zerwürfnis zwischen den ungleichen Partnern - die Familie Ledic ist nach eigenen Angaben nur mit einem Prozent an dem Gasthof-Areal an der Josef-Jägerhuber-Straße beteiligt. Nun will die UWG-Fraktion (Unabhängige Wähler-Gemeinschaft) zusammen mit anderen Starnberger Stadträten die Gaststätte und den Biergarten mit seinen etwa 350 Plätzen retten.

So beantragte UWG-Stadtrat Otto Gaßner, mit einem Bebauungsplan die Gasthaus- und Biergartennutzung festzuschreiben. Das sei städtebaulich zulässig, betont er. Der Gaststätte habe mit ihrer zentraler Lage eine bedeutende Funktion, sei leicht zu Fuß und mit dem Rad zu erreichen und ein "Pfeiler der Vitalität Starnbergs", so Gaßner.

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Der Jurist ist besorgt über die neueste Entwicklung. Er hofft, mit seinem überparteilichen Anliegen möglichst viele Mitstreiter dafür zu gewinnen, das alte Gebäude und die Wirtshauskultur an dieser Ecke der Kreisstadt zu erhalten.

Das Filetgrundstück hat eine Fläche von 4750 Quadratmetern, wobei sich der deutlich größere Teil im hinteren Bereich des Areals befindet. Wenn dort Wohnungen gebaut würden, könnte man sich den Ärger der neuen Anwohner über den Lärm im angrenzenden Biergarten und dessen geringe Zukunftschancen schon ausmalen, glaubt Gaßner. Marija Ledic ist gespannt, wie der Miteigentümer auf ihre Kündigung mit sechsmonatiger Frist reagieren und ob er das Gespräch suchen wird. "Er kann ohne uns jedenfalls nichts machen", meint die Gastronomin. Konsequenz einer ordentlichen Kündigung ist laut Industrie- und Handelskammer die Auflösung einer GbR.

Mit ihrem Ehemann betreibt sie den Gasthof seit 28 Jahren - davon die meiste Zeit als Pächterin der Paulaner Brauerei, die die Ledics im Oktober 2011 für ihre Treue und Leistungen mit einer Urkunde ausgezeichnet hatte. Derzeit sei "alles offen", sagt die Wirtin. Der Betrieb könne noch bis November laufen, aber auch schon vorher schließen. Sie wisse es leider nicht, das müsse sie auch immer den besorgt fragenden Gästen sagen. Doch eines merkt Ledic dann schon an - dass die Personalkosten hoch seien und die Sanierung des Gebäudes sehr teuer werden würde.

Auch deshalb befürchten mittlerweile viele Starnberger, dass das ortsbildprägende Haus eines Tages abgerissen wird - und somit ein Traditionslokal in der Stadt verloren geht. Miteigentümer Widmann beteuerte allerdings noch vor drei Monaten, keine konkreten Planungen zu verfolgen. Es stehe "noch alles in den Sternen", erklärte damals der Diplom-Kaufmann, der hauptberuflich Niederlassungsleiter eines Leasing-Unternehmens ist. Die Firma wirbt mit dem Slogan, "vertrauensvoller Finanzierungspartner" zu sein. Widmann war trotz mehrfacher Anfrage am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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