GastronomieStarnbergs älteste Gaststätte wird abgerissen

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186 Jahre alt ist der „Gasthof in der Au“, eines der ältesten Gebäude in Starnberg. Die Eigentümer planen den Abriss des Hauses sowie der dahinter liegenden Nebengebäude. Stattdessen sollen vier neue Gebäude entstehen, einer davon soll gastronomisch genutzt werden.
186 Jahre alt ist der „Gasthof in der Au“, eines der ältesten Gebäude in Starnberg. Die Eigentümer planen den Abriss des Hauses sowie der dahinter liegenden Nebengebäude. Stattdessen sollen vier neue Gebäude entstehen, einer davon soll gastronomisch genutzt werden. (Foto: Franz Xaver Fuchs)
  • Der 186 Jahre alte Gasthof in der Au in Starnberg soll abgerissen und durch vier Neubauten ersetzt werden.
  • Der Stadtrat verzichtet auf ein langwieriges Bebauungsplanverfahren, beharrt aber auf einer Gaststätte an gleicher Stelle.
  • Auch der beliebte Biergarten mit seinem alten Baumbestand soll erhalten bleiben.
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Der Gasthof in der Au, eine gastronomische Institution, soll vier Neubauten weichen. Allerdings soll es an alter Stelle wieder ein Lokal mit Biergarten geben.

Von Peter Haacke, Starnberg

Die Tage sind offenbar gezählt, eines der traditionsreichsten Wirtshäuser mit großem Biergarten wird auf absehbare Zeit verschwunden sein: Der Gasthof in der Au, seit Jahrzehnten eine gastronomische Institution in Starnberg, soll abgerissen werden. Die Eigentümer planen eine Neubebauung des Areals mit vier Wohngebäuden nebst Tiefgarage. Der Stadtrat verzichtet zwar auf ein langwieriges Bebauungsplanverfahren, beharrt aber auf einer Gaststätte mit Biergartenbetrieb an gleicher Stelle.

Schon 2019 gab es erste Gerüchte, dass die langjährigen Pächter des historischen Ensembles, das Ehepaar Marija und Bozo Ledic, den Gaststättenbetrieb aufgeben wollen. Sie hatten das Geschäft 1991 übernommen und ihre Gäste seither mit kroatischen und bayerischen Schmankerln versorgt. Eine der Hauptattraktionen war im Sommer der Biergarten, der unter alten Kastanienbäumen zum Verweilen einlud und insbesondere bei fußballerischen Großereignissen für viele Fans Treffpunkt zum „Public Viewing“ wurde.

Damit ist es schon lange vorbei. In der Corona-Zeit gingen die Umsätze drastisch zurück, 2022 folgte im Biergarten zudem ein Grillverbot: Nachbarn hatten sich über den Duft von Würsteln und Cevapcici beklagt, die Grillbude ohne Fettabscheider und Filteranlagen hatte keine Baugenehmigung. Für die Wirtsleute, die das Lokal in der Josef-Jägerhuber-Straße mit Kastanienbiergarten, 350 Außen- und 120 Terrassenplätzen betrieben, war das ein Rückschlag.

Im Stadtrat läuteten nach Bekanntwerden der Neubaupläne die Alarmglocken. Bereits 2019 hatte der Bauausschuss die Aufstellung eines Bebauungsplans für den gesamten Bereich zwischen Bahnlinie, Münchner Straße (B2), Leutstettener Straße und Josef-Jägerhuber-Straße erwogen. Die Ziele des damaligen Beschlusses gelten im Grundsatz noch heute: Wirtshaus, Biergarten und Baumbestand sollen weitgehend erhalten bleiben.

Skizze zum neuen „Gasthaus in der Au“: So oder so ähnlich könnte der Nachfolger aussehen,  der Biergarten und die alten Kastanienbäume sollen erhalten bleiben.
Skizze zum neuen „Gasthaus in der Au“: So oder so ähnlich könnte der Nachfolger aussehen,  der Biergarten und die alten Kastanienbäume sollen erhalten bleiben. (Foto: Zeichnung: BJS)

Der Gasthof in der Au ist eines der ältesten Gebäude in Starnberg. Es wurde 1839 – 15 Jahre vor Eröffnung der Bahnlinie – von Posthalter Michael Jung als Gasthof zur Neuen Post errichtet. Nach 1881 ließ der neue Besitzer Hugo von Maffei Nebengebäude im rückwärtigen Hof errichten. Doch unter Denkmalschutz steht das Ensemble nicht. Das schlichte, dreigeschossige Haus „hat sich zwar in seiner Kubatur gut erhalten, jedoch vor allem im Inneren stark eingreifende Veränderungen des historischen Baubestandes erfahren“, teilte das Landesamt für Denkmalpflege 2022 auf Anfrage mit. Auch große Teile der historischen Ausstattung waren annähernd vollständig erneuert worden.

Aufgrund dieser baulichen Veränderungen hat das Gebäude aus Sicht des Landesamtes weder geschichtliche, künstlerische, städtebauliche, noch wissenschaftliche oder volkskundliche Bedeutung.

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Unter diesen Voraussetzungen blieben dem Stadtrat nur zwei Optionen: Entweder ein Bebauungsplanverfahren, das mindestens drei Jahre in Anspruch genommen hätte, oder eine maßvolle Neubebauung, die sich unter städtebaulichen Auflagen an der Umgebung orientiert. Man entschied sich für die zweite Variante. Antragsteller Ante Ledic, Sohn der bisherigen Pächter, soll mitsamt dem Bauantrag für vier Gebäude einen Vertragsentwurf vorlegen, der den Erhalt des Biergartens mit Baumbestand, eine gastronomische Nutzung und ein angemessenes Straßen- und Ortsbild zusichert.

Das Verfahren ist nun auf dem Weg, der Bauausschuss wird sich voraussichtlich schon bald konkret mit dem Vorhaben befassen müssen. Wann in der beliebten Gaststätte die Lichter endgültig ausgehen und die Abrissbagger anrollen, bleibt vorerst unbekannt.

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