Starnberg:Fürstliche Herberge

Der höfische Charme des Bayerischen Hofs lässt sich noch heute erahnen. Doch das Schmuckstück ist marode, die Sanierung für die Stadt zu teuer, der Verkauf schwierig. Und der Stadtrat ist sich, wie so oft, uneins

Sabine Bader

Bayeriescher Hof in Starnberg um 1890

Bayeriescher Hof in Starnberg um 1890

Man stelle sich vor: Elisabeth von Österreich entsteigt ihrer Kutsche, schreitet mit Gefolge die große Freitreppe hinauf und betritt die Halle des Hotels Bayerischer Hof. Der Portier geleitet sie in den Speisesaal, dort lässt sie sich bei Kerzenschein zum Dinieren nieder. Hinter dem Hotel, in der Remise, versorgen Stallburschen einstweilen die Pferde des prominenten Gastes. Insgesamt 24 Mal soll die Kaiserin im Hotel logiert haben - meist auf der Durchreise von und nach Possenhofen oder Feldafing. Eine beschauliche Szenerie mag das gewesen sein. Zu jener Zeit hieß das Hotel noch nicht "Bayerischer Hof", sondern "Gasthof zum Harffen", nach seinen ersten Pächtern Johann und Theresie Harffen. Das nach der Kaiserin benannte Sisi-Stüberl gibt es noch heute, den Eiskeller, in dem die Eisblöcke aus dem See lagerten, hingegen längst nicht mehr. Im einstigen Kohlenkeller ist jetzt eine griechische Taverne. Auch der Bayerische Hof geht mit der Zeit.

Bayeriescher Hof in Starnberg um 1890

Bayeriescher Hof in Starnberg um 1890

Und doch prägt das um 1864 vom Architekten Leo von Klenze entworfene Hotel, das einst den Wittelsbachern gehörte, das Starnberger Stadtbild heute wie kaum ein anderes Gebäude. Dabei stand das historische Haus in den 1980-er Jahren schon einmal kurz vor dem Abriss. Nur auf Druck empörter Bürger lenkte die Stadtspitze schließlich ein und entschloss sich 1990 zum Kauf das Hauses. Seither hat die Stadt mit der Immobilie in Bestlage auch einen Klotz am Bein - zumal Hotel und Remisen seit dem Jahr 1998 unter Denkmalschutz stehen und der ehrwürdige Putz seither kräftig bröckelt: Das Fundament senkt sich ab, an den Balken nagt der Holzwurm, und einige Decken sind einsturzgefährdet. Etliche Zimmer in den oberen Etagen dürfen darum nicht mehr genutzt werden. Und doch hat das Gebäude nichts von seinem einstigen Charme verloren: Pächter Nicolas Schrogl hat die Gästezimmer ebenso liebevoll renoviert wie die Treppenhäuser und Säle. Der Bayerische Hof ist ein Schmuckstück, wenn auch ein rapide verblassendes.

Das wissen auch die Stadträte und sehen sich zum Handeln gezwungen. Denn seit längerem wird in der Bürgerschaft und den städtischen Gremien erneut eine überaus emotionale Debatten darüber geführt, wie es weitergehen könnte mit dem Bayerischen Hof. Im November 2012 beschloss der Stadtrat dann, das Hotel grundsätzlich zu erhalten und das Areal am Bahnhofplatz - zusammen mit der Alten Oberschule, in dem die VHS untergebracht ist - gewinnbringend in einem Investorenwettbewerb zu veräußern. Seit kurzem weiß man jedoch, dass mit dem Bayerischen Hof nicht das große Geld zu machen ist. Denn ein Hotel in der jetzigen Größe lässt sich nicht rentabel betreiben. Nach einer Machbarkeitsstudie von Lutz Heese, dem Präsidenten der Bayerischen Architektenkammer, und nach ersten Schätzungen müsste ein Investor etwa 20 Millionen Euro hinblättern, wollte er auf dem 8500 Quadratmeter großen Gelände ein Hotelkonzept auf Vier-Sterne-Niveau und 115 Zimmern verwirklichen. Und das würde sich für den Betreiber nur rechnen, wenn er das Grundstück für einen symbolischen Euro quasi geschenkt bekommt. Eine problematische Situation, zumal auf einem kleinen Teil des Areals auch noch eine alte Grunddienstbarkeit zugunsten eines Nachbargrundstücks lastet, die der Bürgermeister in Verhandlungen löschen lassen will.

Seit Montagabend ist die Zukunft des Hotels wieder völlig offen. Der Stadtrat hat das Thema in nichtöffentlicher Sitzung zurückgestellt. Eigentlich hatte man vorgehabt, einen Wettbewerb auszuloben, um festzustellen, ob sich überhaupt ein Interessent für das Hotel-Projekt finden ließe - und wenn ja, zu welchen Konditionen. Dies zu erfragen, macht aber keinen Sinn, solange sich die Fraktionen völlig uneins darüber sind, was nun wirklich mit dem historischen Bau und mit der benachbarten alten Oberschule passieren soll. Die einen wollen das Ensemble verkaufen und mit dem Erlös die geplante Seeanbindung finanzieren, die anderen sagen, das Hotel muss bleiben.

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