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Fünfseen-Filmfestival:Wüste, Wasser, Wind

Eröffnungsabend des fsff im Seebad; Am Eröffnungsabend des Fünfseen-Filmfestivals

Zur Eröffnung des Fünfseen-Filmfestivals hat Ehrengast Klaus Doldinger die Gäste mit einem Saxophonsolo unterhalten. Von links: Georg Scheitz (Dritter Landrat), Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik, Schauspieler Rainer Bock, Festivalchef Matthias Helwig, Schauspielerin Julia Roy, Regisseur Peter Payer und Schauspielerin Johanna Bittenbinder.

(Foto: Franz Xaver Fuchs; Franz Xaver Fuchs)

Das Programm hat auch im Genre Umweltfilm einiges bieten: Dokus über eine 2467 Kilometer lange Flussreise gegen die Wasserverschmutzung, die Gewalt des Bora-Windes und das vielleicht ehrgeizigste Klimaschutzprojekt unserer Zeit.

Von Lea Kropff

Das Wasser, der Wind und die Wüste. Das Genre Umweltfilm, das besonders von starken Bildern und eindrucksvollen Schauplätzen profitiert, ist auch auf dem 14. Fünfseen-Festival mit einigen Produktionen vertreten. Eine der Dokus, "2467 km", läuft zwar schon seit einiger Zeit in den Kinos, das aber vor allem, weil sie nach wie vor aktuell ist und eine wichtige Nachricht birgt.

63 Tage und 2467 Kilometer auf einem 4,2 mal 0,8 Meter großen SUP-Board. Die Zahlen können kaum ausdrücken, was für eine Reise Pascal Rösler hingelegt hat: "Es war mein persönlicher Jakobsweg". So als hätte er sich selbst und seine innere Bestimmung auch finden können, wirkt der 47-jährige an diesem Vormittag. Wettergebräunt und in bayrischer Tracht, die er nur selten mit anderer Kleidung vertauscht, sitzt er entspannt im Foyer des Kinos in Starnberg, bald läuft ein paar Kilometer weiter in Gauting und Seefeld sein Film auf dem Fünfseen-Festival. 2467 Kilometer, das ist die Strecke, die er 2017 mit seinem Stand-Up-Board von München über die Isar und die Donau bis ans Schwarze Meer zurückgelegt hat. Und so heißt auch der Film, der dabei entstanden ist und im Februar 2018 in München Premiere hatte. Seitdem hat ihn der gebürtige Breitbrunner gut 70 Mal in ganz Europa gezeigt.

"Mein persönlicher Jakobsweg: Pascal Rösler begegnet auf seiner Flussreise einem riesigen Tanker. Ihn schockierte, dass täglich vier Tonnen Plastik von der Donau ins Schwarze Meer gelangen.

(Foto: Pure Water for Generations, FSFF)

Um noch mal vier Jahre zurückzuspulen: Damals begann Röslers Reise mit einem Moment der Erkenntnis: In seinem Beruf als Chef eines selbst gegründeten Unternehmens fühlte er sich nicht mehr erfüllt. Das Wasser spielte für den Windsurfer schon immer eine zentrale Rolle in seinem Leben, irgendwann erkannte er: "Ich wollte einfach mehr auf dem Wasser sein als im Büro." Dann kam ihm auf dem Stand-Up-Board inmitten des Starnberger Sees die Idee, sich mit dem Paddel auf den Flussweg in Richtung Süden zu machen. 2016 paddelte er in zwölf Tagen von München nach Wien, und weil das noch nicht reichte, im Jahr darauf vom gleichen Startpunkt aus noch viel weiter: 2467 km bis zum Schwarzen Meer. 30 Tage davon begleitete ihn ein zweiköpfiges Kamerateam und nahm atemberaubende Bilder von Isar, Donau und ihren Ufern auf. Aber eben auch von dem Problem, das Pascal Rösler seitdem beschäftigt wie kaum etwas anderes: die Verschmutzung des Wassers. "Täglich gelangen vier Tonnen Plastik von der Donau ins Schwarze Meer", erklärt der 47-Jährige mit festem Blick. Die schiere Menge und die Bestürzung darüber, wie wenig Wertschätzung das Wasser bekommt, obwohl es doch schlichtweg das wichtigste Element für alles Leben ist, veranlasste Rösler nach seiner ersten Reise dazu, den gemeinnützigen Verein "Pure Water for Generations" zu gründen. Der verfolgt die Vision, die Donau bis 2042 trinkbar zu machen. Bereits mit seinem ersten Trip nach Wien sammelte der Breitbrunner 8500 Euro Spenden für lokale Wasserschutzprojekte. Mit dem Verein und der Aufklärungsarbeit, die er mit seinem Film betreibt, hat Pascal Rösler seine Aufgabe gefunden. Dieses Jahr ist er außerdem Mitglied der Jury des Fünfseen-Festivals in der Kategorie Dokumentationen. Seinen Favoriten will er noch nicht verraten.

Ein Bild aus der Doku "Bora - Geschichten eines Windes".

(Foto: FSFF)

Umweltfilme wie der von Pascal Rösler bekommen seit einigen Jahren vermehrte Aufmerksamkeit. Eine weitere Doku aus dieser Kategorie ist der Natur- und Musikfilm "The Great Green Wall". Er zeigt in bildstarken Momenten das ehrgeizige Projekt, durch die Anpflanzung eines 8000 Kilometer langen Gürtels aus Bäumen die Ausbreitung der Wüste über den afrikanischen Kontinent aufzuhalten. Ähnlich eindrucksvoll: "Bora - Geschichten eines Windes", ein Film über den Bora-Wind, der mit seiner Kraft das Leben der Bewohner der Adriaküste vor Kroatien und Montenegro bestimmt. Die Naturgewalt ist gleichsam Gegenstand von Wissenschaft, Kunst und Literatur. Die drei Filme sind von 29. August an zu jeweils zwei Terminen in Gauting, Starnberg und Seefeld zu sehen.

Pascal Rösler auf dem Festival.

(Foto: Arlet Ulfers)

"2467 km", am 29. August in Gauting und am 08. September in Seefeld. "The Great Green Wall", OmU, am 29. August in Gauting und am 09. September in Starnberg. "Bora - Geschichten eines Windes" am 29. August in Starnberg und am 30. August in Gauting.

© SZ vom 27.08.2020

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