Es ist noch nicht allzu lange her, da saß Matthias Helwig im gut gefüllten Saal seines Gautinger Kinos und sagte: „In dieser Weise hat es keine Zukunft.“ Es – das ist das Fünfseen-Filmfestival (FSFF), das Helwig Jahr für Jahr organisiert und das auch diesmal wieder fast 20 000 Besucher anlockte. Und die Zukunft sah Mitte Mai tatsächlich nicht gerade rosig aus. Weil die Stadt Starnberg und die Gemeinde Gauting die Zuschüsse für das Filmfest aufgrund leerer Kassen gekürzt hatten, musste die diesjährige Ausgabe in abgespeckter Version stattfinden: keine Eröffnungsfeier im Seebad, keine Ankunft der Ehrengäste per Boot am Seeufer. All das hat Helwig zu schaffen gemacht. Hinzu kommt: Er ist jetzt Mitte 60 – und so allmählich beabsichtigt er, sich zurückzuziehen.
Um das Filmfest zu bewahren, ist seit dem Frühjahr jedoch einiges passiert: Damit die Organisation auf mehrere Schultern verteilt werden kann, hat sich ein Freundeskreis gegründet, Sponsoren haben ihre Förderungen erhöht. Und jetzt hat sich auch die Starnberger Kommunalpolitik klar zu dem Kulturereignis bekannt, auch wenn sie in Zeiten leerer Kassen immer öfter vor der Frage steht: Wen wollen wir wie fördern? Immerhin fehlt das Geld, das in das Filmfest fließt, an anderer Stelle, wo es bestimmt auch gut gebraucht werden könnte.
Dennoch hat der Starnberger Stadtrat nun mit 19:7 Stimmen dafür gestimmt, die Förderung wieder zu erhöhen – und das gleich für die nächsten zwei Jahre. Für 2025 und 2026 erhält das FSFF jeweils 20 000 Euro, die allerdings lediglich als Defizitausgleich ausgezahlt werden. Zudem übernimmt die Stadt in den kommenden zwei Jahren einen Teil der Technikkosten von 10 000 Euro und stellt die Schlossberghalle kostenlos zur Verfügung. Das sind an Zuschüssen zwar 7000 Euro mehr als in diesem Jahr, in der Vergangenheit aber hatte die Stadt das Filmfest mit höheren Beträgen unterstützt: In den Jahren 2021 und 2023 etwa betrug der Zuschuss noch 35 000 Euro.
Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik (UWG, CSU, SPD, BLS) gilt das Filmfest als „Flaggschiff der Kulturpolitik“, dessen Fortbestehen im Interesse der Stadt liege und gesichert werden müsse. Gleichzeitig erkannte Janik an, dass das Filmfest unter den diesjährigen Kürzungen „enorm gelitten“ habe. Und weil sich die Organisatoren des Festivals gerade neu aufstellen, müsse man deren Wunsch nach längerfristiger Planungssicherheit nachkommen und die Förderungen direkt für die kommenden zwei Jahre festzurren – auch wenn dafür noch gar kein Haushalt steht.
Janik stieß im Stadtrat damit überwiegend auf Zustimmung – unter anderem bei SPD, Grünen und WPS. Die größte Skepsis schlug den Befürwortern der Filmfest-Förderung aus Reihen der CSU entgegen: Es sei „unglücklich“, bereits jetzt Förderungen zu beschließen, wenn es noch gar keinen Haushalt gebe, erklärte Finanzreferent Thomas Beigel. Tatsächlich weicht diese Praxis vom üblichen Prozedere ab. Janik aber begründete dies mit der Neustrukturierung des Filmfests. „Ich kann verstehen, dass die Organisatoren Klarheit wollen“, erklärte der Rathauschef.
Mit der Entscheidung sendet Starnberg gleich zwei Signale: Zum einen baut sie die Kulturförderung aus. Helwig, aber auch viele andere Kulturschaffenden hatten sich seit der Corona-Pandemie wiederholt über Kürzungen beklagt. Dabei war es neben monetären Aspekten auch immer um fehlende Wertschätzung der Politik für Kulturbetriebe und ihre Bedeutung für Gesellschaft und Demokratie gegangen. Starnberg wirkt diesem Vorwurf nun – zumindest auf absehbare Zeit – entgegen.
„Ich bin dankbar für die Förderung durch die Stadt Starnberg“, sagt FSFF-Chef Helwig
Zum anderen ist das frühzeitige Votum für die Förderung auch eine Botschaft an andere Kommunen, die das Filmfest unterstützen und als Austragungsort vom FSFF profitieren. Auch in Gauting etwa wird man in Kürze wieder vor der Frage stehen, welche Förderungen man zugestehen kann und will – oder ob das Geld nicht an anderer Stelle dringender gebraucht wird. Seitens des Landkreises kann Helwig wohl Unterstützung erwarten: Landrat Stefan Frey (CSU) hatte auf der Abschlussfeier des diesjährigen Filmfests erklärt, der Landkreis Starnberg sei seit 2007 ein „verlässlicher Partner“ und werde dies auch in Zukunft bleiben. Helwig selbst wollte sich nur kurz zu den jüngsten Ereignissen äußern: „Ich bin dankbar für die Förderung durch die Stadt Starnberg in den nächsten beiden Jahren“, teilte er mit. Bei einem Treffen am 15. Oktober werde man Trägerschaft und Freundeskreis des Festivals weiterentwickeln. Dabei wird man wohl auch auf die Strukturen zu sprechen kommen.
Und wie geht es mit Helwig persönlich weiter? Welche Rolle wird er beim kommenden Filmfest einnehmen? „Das wird man sehen“, erklärte er am Montag. Das dürfte wohl auch damit zusammenhängen, wie sich die Akquisition weiterer Förder- und Sponsorengelder gestaltet. Zumindest die Stadt Starnberg hat für Helwig nun Klarheit geschaffen – und das sogar für zwei Jahre.

