StarnbergUrnenbestattungen in Starnberg werden im kommenden Jahr für die Angehörigen teurer. Denn die Stadt hebt die Gebühren an. Das liegt zum einen an ihrer klammen Haushaltslage. Zum anderen wurden hohe Investitionen getätigt, die nach dem Kostendeckungsprinzip wieder umgelegt werden sollen. Eine von der Verwaltung vorgeschlagene Kostendeckung von 100 Prozent konnte sich der Hauptausschuss am Dienstag jedoch nicht vorstellen. Nach längerer Debatte einigte sich das Gremium schließlich auf den Kompromissvorschlag von Winfried Wobbe (UWG), wonach 90 Prozent der Kosten auf die Bürger umgelegt werden sollen.
Was unangetastet bleibt: Nach wie vor werden keine Gebühren für Kindergräber sowie am Grabfeld für still geborenes Leben erhoben. Auch die Gebühren für Familiengräber werden etwas günstiger. Im Gegenzug jedoch sollten die Kosten für Urnennischen nach dem Verwaltungsvorschlag zunächst um fast das Siebenfache von bislang 15 Euro auf 102 Euro im Jahr angehoben werden - nun sollen es 92 Euro sein. Ludwig Jägerhuber (CSU) beurteilte die vorgeschlagene Gebührenerhöhung als "eine gewisse Härte" und Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) bezeichnete sie als "nicht vermittelbar". Wobbe ging sogar noch weiter: Eine Erhöhung auf hundert Prozent sei, als wenn man mit dem Holzhammer draufhaue, sagte er. So eine "gewaltige Steigerung" sollte die Stadt trotz der angespannten Haushaltslage vermeiden. Seiner Ansicht nach genügt es, wenn die Kostendeckung auf 90 Prozent reduziert werde. Der Vorschlag Jägerhubers, bei 80 Prozent zu bleiben, fand aber keine Mehrheit. Seine Anregung indes, für Kindergräber nach wie vor keine Gebühren zu erheben, weil die Eltern unter dem "unerträglichen Schicksal" genug zu leiden hätten, stieß unisono auf Zustimmung.
Amtsleiter Ludwig Beck verteidigte die Gebührenerhöhung, die von einem Fachbüro berechnet worden war. Die letzte Erhöhung hatte es 2018 gegeben. Damals hatte der Stadtrat eine Kostendeckung von 80 Prozent beschlossen. Nach den Berechnungen des Fachbüros hatte die Stadt unterm Strich aber nur 77 Prozent abgerechnet. Dadurch standen den Einnahmen in Höhe von 440 482 Euro letztendlich Ausgaben von mehr als 571 000 Euro gegenüber, was einer Kostenunterdeckung von mehr als 130 000 Euro pro Jahr entspricht. "Es belastet den Verwaltungshaushalt wahnsinnig", erklärte Beck.
Während die Grabgebühren nach der neuen Berechnung mit künftig 83 Euro jährlich für Einzelgräber und 122 Euro für Familiengräber auf allen städtischen Friedhöfen gleich sein sollen, unterscheiden sich die Kosten für Urnengräber zum Teil deutlich. Am Waldfriedhof wurden 78 Euro jährlich für die Urnenerdgräber kalkuliert und für die Grabkammern 87 Euro. Auf den anderen Friedhöfen soll ein Urnenerdgrab 76 Euro kosten und eine Urnennische 92 Euro. Das liegt laut Beck daran, dass die Gebühren für die Nischen bislang mit 15 Euro viel zu niedrig angesetzt waren und darüber hinaus eine neue Urnenwand gebaut werden musste. Im Vergleich zur Erdbestattung wolle man zudem eine gewisse Gerechtigkeit erreichen, sagte Beck. Für die neuen Gebühren war eine entsprechende Änderung der Friedhofssatzung erforderlich. Sie wurde einstimmig beschlossen.
