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Starnberg:Padel-Tennis für sportliche Quartetts

Richard von Rheinbaben hat an der Tennisanlage Starnberg über 150 000 Euro in die beiden Courts für Padel-Tennis investiert.

(Foto: Arlet Ulfers)

Unternehmer Richard von Rheinbaben will die neue Disziplin auf der modernisierten Tennisanlage Starnberg etablieren.

Von Peter Haacke

Wer unbedingt will, kann es mitten in der Nacht, zu unchristlicher Zeit am frühen Morgen oder auch rund um die Uhr tun: 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag hat die Tennisanlage Starnberg in der Gautinger Straße geöffnet. Dabei ist das Angebot jedoch nicht allein auf Tennis und Vereinsmitglieder beschränkt. Seit einem Monat kann hier ohne Mitgliedschaft unter freiem Himmel ein Sport betrieben werden, der aktuell zu den am schnellsten wachsenden Disziplinen der Welt zählt: Padel-Tennis, eine Mischung aus Tennis und Squash, findet auch in Deutschland immer mehr Fans. In Starnberg entstanden zwei Plätze, "die in Qualität, Ausstattung und Statik das Beste sind, das es derzeit im Padel-Tennis weltweit gibt", wie Richard von Rheinbaben sagt, der mit seinem Unternehmen fürs diesjährige Finale des Starnberger Wirtschaftspreises nominiert ist.

Rheinbaben übernahm die Tennisanlagen im Mai 2018, nachdem der bisherige Betreiber Insolvenz angemeldet hatte; Rheinbabens Pachtvertrag mit der Stadt Starnberg und der Bayerischen Hausbau läuft bis 2032. Schnell war dem 60-jährigen Internet-Unternehmer klar, dass er das jahrzehntealte Tennispark-Konzept überarbeiten muss. In die Modernisierung der Tennishalle mit sechs Hallenplätzen und fünf Außen-Sandplätzen steckte er "viel Zeit, Geld und Liebe". Im Sommer 2019 wurden die Hallenplätze renoviert, seit Januar 2020 erhielten die Plätze neues Granulat. Ein Tennisplatz wurde zum Paintball-Spielfeld. Die Sanitäranlagen wurden erneuert, ebenso die Küche der Sportgaststätte "La Sportiva". Hier übernahm der sizilianische "Pizzagott" Francesco Attardo, der schon im Starnberger "StaSera" am Ofen stand, das Kommando. In die Sanierung floss laut Rheinbaben bisher rund eine halbe Million Euro.

Spieler schätzen an der Sportart die Dynamik und einfache Regeln.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die neueste Errungenschaft sind die beiden Padel-Tennis-Plätze: Eine Investition über 150 000 Euro, die sich schon bald amortisieren soll. Die beiden eingezäunten Courts mit durchsichtigen Plexiglaswänden an den Stirnseiten erinnern an Squash-Käfige, das mittig gespannte Netz und die Linien auf blauem Kunstrasen an Tennisplätze - allerdings erheblich kleiner. Gespielt wird zu viert. Die Spielregeln sind simpel, selbst Anfänger verstehen die Grundlagen schnell und machen Fortschritte. Aufgrund der Dynamik macht das Rückschlagspiel aber auch gestandenen Tennisspielern Spaß: Eine "riesige Anziehungskraft" hat Rheinbaben für Padel ausgemacht, aus der Region und München sind seit Juli rund 50 Aktive registriert.

Die Courts erinnern an Squash-Käfige.

(Foto: Arlet Ulfers)

Rheinbaben, der lange Zeit in Mexiko lebte und seit seinem achten Lebensjahr Tennis spielt, ist überzeugt vom Erfolg seines neuen Angebots, das er in Starnberg etablieren will und entsprechend bewirbt: Bis Ende September gibt es für jede Padel-Tennis-Stunde bei der nächsten Buchung eine zusätzliche Einheit kostenlos, auch auf Zehner-Kartenbuchungen. Die Platzmiete für 45 Minuten kostet 24 Euro, jeder Spieler zahlt also sechs Euro. Vier Schläger und Bälle können für 20 Euro gemietet werden. Und selbst mitten in der Nacht kann im Herbst und Winter unter energiesparendem LED-Licht gespielt werden.

Ursprung aus Mexiko

Einen Ball mittels Schläger über ein Netz zu spielen oder schlicht gegen die Wand zu dreschen, ist wahrlich keine neue Erfindung der Menschheit. Dennoch hat Padel-Tennis als Sportart in Deutschland bislang Exoten-Status - ganz im Gegensatz zu vielen süd- und mittelamerikanischen Ländern. Von Mexiko aus trat Padel Ende der 1960er Jahre seinen Siegeszug nach Brasilien und Spanien an und erreichte auch die USA und Kanada. In Argentinien wurde Padel gar zur zweitbeliebtesten Sportart des Landes.

Padel-Tennis wird grundsätzlich nur zu viert (zwei Doppel) gespielt und weist dabei Elemente von Tennis und Squash auf. Das umzäunte Spielfeld ist mit 10 x 20 Meter kleiner als ein Tennisplatz, hat aber vergleichbare Markierungen. Das zehn Meter lange Netz mit etwa 90 Zentimeter Höhe teilt das Spielfeld mittig in der Länge. Die Spielfeldoberfläche besteht aus porösem Beton, Zement, künstlichem Rasen oder einem synthetischen teppichähnlichen Belag. Der Ball ist kaum zu unterscheiden von einem Tennisball, hat aber geringeren Luftdruck und ist dadurch langsamer. Die Schläger mit kurzem Griff sind ohne Bespannung. Die Konstruktion besteht zumeist aus einem Schaumstoffkern mit glatter oder angerauter Kunststoffhaut mit Löchern; höherwertige Schläger sind auch mit Kohlenstofffasern verstärkt. Die Preise beginnen bei etwa 20 Euro, Profi-Material kostet bis zu 400 Euro.

Der Aufschlag erfolgt nur von unten. Bei den Ballwechseln können auch Rück- und Seitenwände bespielt werden. Der Ball darf - ähnlich wie beim Squash - im jeweiligen Feld nur einmal aufspringen. Die Zählweise ist mit Ausnahme der Tie-Break-Regel komplett identisch mit Tennis. phaa

Die Gründung eines Padel-Tennis-Vereins ist nicht unwahrscheinlich. Bislang verabreden sich die Aktiven in einer Whats app-Gruppe. Höhepunkt für die neue Disziplin ist das erste Starnberger Padel-Turnier am 12./13. September: Im Rahmen der "German Padel Tour" findet ein Wettbewerb in den Kategorien Herren 2 und 3, Damen und Mixed statt. Das Startgeld beträgt 50 Euro pro Zweierteam, in jeder Kategorie gibt es ein Preisgeld in Höhe von 100 Euro. Anmeldungen sind bis 5. September möglich unter Telefon 0172/274 1188 oder im Internet unter www.german-padel-tour.com (Turnierkalender).

Tennisanlage-Starnberg: Gautinger Straße 39, 82319 Starnberg. Onlinebuchungen unter www.tennisanlage-Starnberg.de. Telefon 08151/8499; E-Mail info@tennisanlage-starnberg.de

© SZ vom 24.08.2020

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