Nachwuchsmangel:Das Fischerhandwerk stirbt aus

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Nachwuchsmangel: Der Auszubildende Karl-Christian Rincke (Mitte) und Fischwirtschaftsmeister Andreas Streicher fangen laichbereite Bachforellen in den Teichen der Starnberger Fischzuchtanstalt.

Der Auszubildende Karl-Christian Rincke (Mitte) und Fischwirtschaftsmeister Andreas Streicher fangen laichbereite Bachforellen in den Teichen der Starnberger Fischzuchtanstalt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

29 Fischwirte und -wirtinnen haben in diesem Jahr ihre Ausbildung in Bayern abgeschlossen. Die Zunft ist vom Austrocknen bedroht. Was treibt jene an, die gerade erst anfangen?

Von Tim Graser

Hechte, Zander, Renken oder Barsche - all diese Fische können in den Seen des Landkreises gefangen werden. Auch andere Arten lassen sich hier aus dem Wasser fischen, als besonders köstlich gelten die seltenen Seesaiblinge. Fisch wurde im Fünfseenland schon immer gern gegessen, am liebsten frisch aus dem eigenen See oder zumindest von einer regionalen Fischwirtschaft. Fischer bekommen jedoch nur spärlich Nachwuchs.

Bei der zweiwöchigen Prüfung des Instituts für Fischerei der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Starnberg haben vor Kurzem 29 neue Fischwirte und -Wirtinnen erfolgreich ihre Prüfung ab und ihre Zeugnisse erhalten. Das Institut in Starnberg ist die größte von nur drei Fischereischulen in ganz Deutschland, an denen man diesen Abschluss erwerben kann. 2020 schlossen im ganzen Bundesgebiet noch 63 Absolventen die Ausbildung ab. Doch die Tendenz ist sinkend.

Der Wassermangel bedroht auch die Fischzucht

Zwei der 29 diesjährigen Absolventen haben ihren Ausbildungsbetrieb in Rheinland-Pfalz, einer in Hessen, einer in Österreich und zwei in der Schweiz. Die anderen 25 wurden in allen Ecken Bayerns ausgebildet. Die frischgebackenen Fischer und Teichwirte - diese kümmern sich um künstliche Fischzuchten - stehen vor großen Herausforderungen: das veränderte Konsumverhalten, die Konkurrenz der Großindustrie, der Klimawandel. Und dann gab es kürzlich noch die Umweltkatastrophe an der Oder, die zu einem Massensterben im Fluss führte und einigen Fischern die Existenzgrundlage raubte. Auch die sommerliche Dürre hat Folgen für die Zunft: See- sowie Grundwasserpegel sind im Landkreis beträchtlich gesunken.

Karl-Christian Rincke ist einer der 29 frisch gebackenen Fischer, im Juli hat er nach drei Jahren Ausbildung seine Prüfung abgelegt. Die Zukunft bereitet dem jungen Mann große Sorgen. "Mit Blick auf den Klimawandel ist das eine gefährliche Sache, wo wir uns bewegen", sagt Rincke. "Ich hab da schon Angst davor, überall fehlt Wasser". Der Wassermangel mache es seiner Branche, die so existenziell von der Ressource abhängt, besonders schwer. Rincke glaubt aber auch weiterhin daran, seinen Lebensunterhalt in Zukunft mit der Fischerei bestreiten zu können.

Auch Michael Schubert, stellvertretender Leiter des Starnberger Fischerei-Instituts, sieht große Herausforderungen, die es für den Nachwuchs zu bewältigen gilt. Eine davon: das richtige Marketing. "Früher wurde der frische Fang direkt am Straßenrand verkauft, bis die Kiste leer war", sagt Schubert. Heute müsse man die Fische erst selbst filetieren, dann räuchern, um sie schließlich in verschiedenen Hofläden zu fairen Preisen an die Kundschaft bringen zu können. Für die Fischer bedeutet das deutlich mehr Arbeit.

Während der Pandemie sei das Bewusstsein für regionale Produkte und die Bereitschaft, dafür Geld in die Hand zu nehmen, bei den Menschen gestiegen, meint Rincke. Das gebe ihm Hoffnung, dass sich auch weiterhin Geld mit der Fischwirtschaft verdienen lässt. Zudem gebe es heutzutage auch neue Technologien. Aquakulturen und Wasserkreisläufe machen die Fischzucht wesentlich effizienter und ressourcenschonender. Vor allem wegen des Wassermangels ist das essenziell. "Da muss mehr Indoor passieren", sagt auch Schubert, der stellvertretende Institutsleiter.

Nachwuchsmangel: Wasserkreisläufe und Aquakulturen: Wie die Indoor-Fischwirtschaft in Zukunft aussehen könnte, erforschen Wissenschaftler des Dartmouth College.

Wasserkreisläufe und Aquakulturen: Wie die Indoor-Fischwirtschaft in Zukunft aussehen könnte, erforschen Wissenschaftler des Dartmouth College.

(Foto: Devin S. Fitzgerald/picture alliance/dpa)

Die harte Arbeit, die das Fischereihandwerk mit sich bringt, scheut Karl-Christian Rincke nicht. In der Hauptsaison im Winter muss man da schon mal 12 bis 13 Stunden arbeiten, um über die Runden zu kommen. "Geld kann man woanders leichter verdienen", sagt auch Schubert. Aber darum geht es dem Jungfischer Rincke nicht. Ihm ist Tradition wichtig. Außerdem ist er stolz auf sein Handwerk, das mittlerweile zu etwas Besonderem geworden ist: Bundesweit haben sich 2021 nur noch 60 Auszubildende für Rinckes Beruf entschieden. "Wenn ich erzähle, dass ich Fischer bin, machen viele große Augen", sagt Rincke.

Für den jungen Fischwirt geht es nach der Ausbildung in Starnberg im September wieder zurück in seine sächsische Heimat, wo er die Arbeit in einer lokalen Fischwirtschaft aufnehmen will. In zwei Jahren soll es für den Meisterabschluss wieder nach Starnberg gehen. Danach will sich der gebürtige Sachse irgendwann selbständig machen. Dazu wird jedoch erst einmal Geld gespart und Erfahrung gesammelt. Vor allem Letzteres hält Rincke für besonders wichtig, der trotz aller Herausforderungen optimistisch bleibt: "Meiner Meinung nach hat man Zukunft in diesem Job, man muss es bloß richtig anstellen."

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