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Starnberg:Feuerwehr in Not

Markus Grasl, 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Starnberg, fordert auf der Mitgliederversammlung drei Hauptamtliche zur Unterstützung.

(Foto: Arlet Ulfers)

67 Aktive fehlen - dabei sind B2-Tunnel und Gewerbegebiet noch nicht berücksichtigt

Die Neuausrichtung der Freiwilligen Feuerwehr Starnberg ist nach zwei Jahren weitgehend abgeschlossen. "Wir sind so weit, dass wir die Feuerwehr im Wesentlichen umorganisiert haben", sagte Kommandant Markus Grasl auf der Jahreshauptversammlung am Freitag in der Schlossberghalle. Der 37-Jährige hatte zu seiner Wahl vor zwei Jahren ein detailliertes Konzept vorgelegt, wonach die Mitglieder der Führungsebene Entscheidungen gemeinsam treffen. Es gibt drei Bereiche mit insgesamt 18 Teams. Entsprechend langwierig gestalteten sich die Rechenschaftsberichte.

Sorge macht dem Kommandanten, dass der Verein mit derzeit 71 Feuerwehrleuten viel zu wenig Aktive hat. Denn darunter sind auch 15 so genannte Zweitmitglieder, die bei einer anderen Wehr aktiv sind, aber tagsüber zur Verfügung stehen, weil sie in Starnberg arbeiten. Laut den Vorschriften müssten jedoch 123 Planstellen besetzt werden. Es fehlen also 67 Feuerwehrleute und dabei sind die Stellen, die für den B2-Tunnel oder das Gewerbegebiet benötigt werden, noch gar nicht mit eingerechnet. Man versucht sich derzeit mit den Nachbarwehren gegenseitig auszuhelfen. Zudem werden große Anstrengungen unternommen, um am Tag der offenen Tür oder im Internet Nachwuchs anzuwerben. Der Erfolg sei allerdings dürftig, wie allgemein festgestellt wurde.

293 Mal ist Feuerwehr im Jahr 2019 ausgerückt, zu Unfällen, Bränden und um Amtshilfe bei einer Torpedosprengung zu leisten. In Aufregung versetzte die Retter ein Atomalarm in der Gemeinde Berg. Er entpuppte sich aber als harmlos. Ein blinkendes LED-Lämpchen hatte ihn ausgelöst. 87 Fehlalarme - darunter zwölf im Klinikum Starnberg und 17 im neuen Seebad - verärgerten die Wehr.

Ein großes Thema ist derzeit, ein belastungsfähiges Brandschutz-Konzept für den B2-Tunnel zu schaffen. "Wir müssen uns ganz intensiv ins Zeug legen", sagte Grasl. Seiner Meinung nach wäre eine Mitteltrennwand die einfachste Lösung. Die sei jedoch nicht möglich. Ihm zufolge soll stattdessen eine Löschanlage gebaut und die Rettung über ein etwa zwölf Stockwerke hohes "Entfluchtungsbauwerk" und drei Aufzüge abgewickelt werden. "Wir sehen den Tunnel als Last und Chance zugleich", erklärte Grasl vor dem Hintergrund, dass mit den Planungen gleichzeitig auch das drängende Personalproblem gelöst werden könnte. Denn bis 2030 soll die Wehr so gut aufgestellt sein, dass sie für den Tunnel-Brandschutz gerüstet ist. Dafür müssen die Aktiven auch eine entsprechende Ausbildung absolvieren. Im Feuerwehrbedarfsplan wird deshalb gefordert, drei Hauptamtliche einzustellen. Das Papier soll laut Bürgermeisterin Eva John bis Ende des Jahres fertig sein, dann soll der Stadtrat darüber entscheiden. Wie John berichtete, soll das Gremium in den kommenden Wochen auch über den Kauf eines Feuerwehrbootes befinden. 15 Bootsführer wurden im vergangenen Jahr bereits ausgebildet. Die Entscheidung, wo das geplante, neue Gerätehaus hin soll, steht ebenfalls an. "Ich kann nicht sagen, es ist in trockenen Tüchern, aber wir sind auf gutem Weg", äußerte sich John dazu optimistisch.

© SZ vom 13.01.2020
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