Der Wahlkampf für die Kommunalwahlen am 8. März 2026 nimmt zusehends Fahrt auf, eines der beherrschenden Themen ist die „Alternative für Deutschland“ (AfD). Im Landkreis Starnberg spielt die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei bislang zwar in keinem kommunalpolitischen Gremium der insgesamt 14 Gemeinden eine Rolle. Lediglich im Kreistag ist sie mit nur einem Mandatsträger – dem Kreisvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Ingo Hahn – vertreten.
Doch die Ankündigung der AfD, von 2026 an in möglichst vielen Gremien des Fünfseenlandes präsent sein zu wollen, weckt den Kampfgeist der demokratischen Parteien. Paul Friedrich aus Tutzing, FDP-Kreisvorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der Jungen Liberalen Oberbayern, hatte eine besonders originelle Idee: Er sicherte sich die Internet-Adresse „afd-tutzing.de“, um so den weiteren medialen Auftritt der Rechten zu erschweren.
Wer die Adresse aufruft, stößt bei YouTube auf ein fünfzehnminütiges Video von Friedrich, in dem er einzelne Positionen der AfD mit der tatsächlichen Faktenlage vergleicht. „Mir war es wichtig, nicht nur den Moralapostel zu spielen“, sagt Friedrich, „sondern aufzuzeigen, dass die Vorschläge der AfD rein sachpolitisch keinen Sinn ergeben und die Verantwortlichen der AfD oftmals schlicht die Unwahrheit erzählen.“ Er hofft darauf, dass er mit dem Video vor den Wahlen „den ein oder anderen wachrütteln, wenigstens zum Nachdenken, anregen kann“.
Derzeit ist allerdings noch völlig ungewiss, wo und mit wem die AfD im Landkreis Starnberg antreten wird. Neben dem seit 2014 existierenden Kreisverband wurde zuletzt im Juli der Ortsverband Würmtal um die Gemeinde Gilching erweitert. Ende Mai gründete sich der Ortsverband Starnberger See, der neben der Stadt Starnberg auch die Gemeinden Berg, Feldafing und Tutzing umfasst. Die Veranstaltung hatte an einem unbekannten Ort unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Später teilte Kreisvorsitzender Hahn mit, der neue Ortsverband habe 32 Mitglieder. Vorsitzende seien Ulrich Haase und sein Stellvertreter Anton Bauer, beide aus Starnberg. Die Presse war nicht eingeladen.
„Hi, hier bist du nicht bei der AfD Tutzing“
Nachdem die AfD angekündigt hat, auch in Tutzing für den Gemeinderat kandidieren zu wollen, folgte prompt die Reaktion. Denn FDP-Mitglied Paul Friedrich gefällt das gar nicht: Seiner Meinung nach fällt die AfD auf „mit destruktivem und plumpem Populismus, sie stellt Hass und Ressentiments über die Lösung realer Probleme, an Problemlösung hat sie schlicht kein Interesse und träumt von einer monoethnischen, das Individuum ignorierenden und intoleranten Gesellschaft“. Mit einer AfD im Gemeinderat, da ist sich der 22-jährige Student sicher, werde die Lösung der konkreten Probleme in Tutzing nur erschwert. Das Diskussionsklima im Gemeinderat und der Gemeinde als solcher würde dramatisch leiden, fürchtet er. „Ich kämpfe deshalb für ein AfD-freies Tutzing.“
Um es der AfD im anstehenden Wahlkampf nicht zu leicht zu machen, sich in Tutzing bekannt zu machen, hat sich Friedrich deshalb die Internet-Adresse „afd-tutzing.de“ gesichert. Dort begrüßt er seine Follower mit der Botschaft: „Hi, hier bist du nicht bei der AfD Tutzing, da muss ich dich enttäuschen.“ Im Anschluss widerlegt er – von sanfter Musik in Dauerschleife unterlegt – die politischen Kernthesen der Rechten und erklärt wortreich, warum die AfD eben keine Alternative für Deutschland ist.

