bedeckt München

Schnellradweg:Eine Autobahn für Radler vom Würmtal zum Starnberger See

Erster Radschnellweg in Hessen

Vorfahrt auf dem Radschnellweg: Solche Routen sind als Alternative zum Autofahren gedacht.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Auf der vier Meter breiten Trasse würde sich die Fahrtzeit von einer Stunde auf 40 Minuten verkürzen. Doch es müssten gut 1000 Parkplätze geopfert werden.

Von Michael Berzl

Auf einem durchgehend drei bis vier Meter breiten, gut ausgebauten Weg von Planegg bis zum Starnberger See: So komfortabel könnte die Zukunft des Radfahrens aussehen. Fachleute haben ausgerechnet, dass für die Strecke dann nicht mehr eine Stunde sondern nur noch gut 40 Minuten zu veranschlagen wären. Das geht aus einer Machbarkeitsstudie hervor, die der Landkreis bei dem Kölner Planungsbüro Via in Auftrag gegeben hat. Die wichtigsten Ergebnisse hat die Verkehrsingenieurin Lena Erler am Dienstag im Mobilitätsausschuss des Kreistags vorgestellt. Selbst mit dem Auto würde man nach dieser Studie für die Strecke knapp eine halbe Stunde benötigen. Dazu kommt dann manchmal noch die Suche nach einem Parkplatz und der Fußweg von dort zum eigentlichen Ziel, das mit dem Fahrrad in der Regel direkt zu erreichen ist.

Das Büro hat mehrere mögliche Routen untersucht und schlägt nun eine 15,5 Kilometer lange "Bestvariante" vor. Die Trasse verläuft von Starnberg über den Riedener Weg auf das Gelände des Golfplatzes um das Gut Rieden im Norden der Kreisstadt und von dort weiter durch den Wald und westlich der Bahnlinie entlang bis Königswiesen und ein kurzes Stück auf der Hauser Straße.

Von dort geht es auf einer bereits als Fahrradstraße ausgewiesenen Fahrbahn parallel zu den Gleisen bis Gauting, über die Bahnhofstraße und auf der Hangstraße zum Grubmühlerfeld. Der dort bereits existierende Weg nach Stockdorf soll auf fünf Meter verbreitert werden. In Stockdorf führt der Weg über Würmstraße, Waxensteinstraße, Zugspitzstraße und Mitterweg nach Krailling und dort auf der Margaretenstraße und der Luitpoldstraße bis zur Planegger Ortsgrenze. Die Würmbrücke zwischen Waxensteinstraße und Schulerweg in Stockdorf müsse ausgebaut werden, teilte Erler mit.

Die Route verläuft zum Teil auf Forstwegen, die noch ausgebaut werden müssten, zum Teil aber auch auf Ortsstraßen. Dort müssten in großer Zahl Parkplätze geopfert werden, um Platz zu schaffen für den Radweg. Nach einer überschlägigen Berechnung des CSU-Kreisrats Martin Frey geht es um etwa "1000 Fahrzeuge, die da nicht mehr parken können". Verkehrsexpertin Erler bestätigte diese Zahl und nannte sie "gut kalkuliert".

Die Kosten für den Radschnellweg veranschlagt die Kölner Planerin auf knapp 19 Millionen Euro, wobei vom Bund eine Förderung von bis zu 75 Prozent zu erwarten ist. Angesichts der verbleibenden finanziellen Belastung für den Kreis warnte der Feldafinger Bürgermeister und FW-Kreisrat Bernhard Sontheim, der selbst viele Strecken mit dem Rad zurücklegt: "Natürlich ist das sinnvoll, aber wir können uns das einfach nicht mehr leisten."

Mit großer Mehrheit stimmte der Ausschuss aber dafür, das Projekt weiter voranzutreiben und dabei die Stadt Starnberg, die Gemeinden Gauting und Krailling sowie den Freistaat einzubinden. Sontheim votierte als einziger dagegen. Was die Trägerschaft für so eine Radlroute angeht, sieht die Verkehrsmanagerin des Landkreises, Susanne Münster, ohnehin den Freistaat in der Pflicht. In Kategorien wie beim Straßennetz gedacht, handle es sich bei der geplanten Schnellverbindung h um eine Autobahn.

Gleichzeitig mit der nun vorliegenden Studie für eine Route nach Starnberg wurden vier weitere Korridore von Innenstadtring in München nach Dachau, Markt Schwaben, Oberhaching und Fürstenfeldbruck vertiefend untersucht. Auch innerhalb von Landkreis und Stadt München gibt es Trassenvorschläge, die aber noch nicht vorgestellt wurden.

Die Radschnellverbindungen sind in erster Linie für Berufs- und Ausbildungspendler gedacht. Durch den Umstieg aufs Rad "sollen Staus und Kapazitätsengpässe im Bereich des motorisierten Individualverkehrs verringert werden". Ein wichtiges Kriterium beim Vergleich möglicher Varianten waren die Kosten. Eine Rolle spielten auch eine Reihe Faktoren wie die Zahl von Schulen und Arbeitsplätzen an dem Korridor, die Fahrtzeiten im Vergleich mit Auto und S-Bahn, ob viele Umwege nötig sind und ob es Knotenpunkte mit Zeitverlust gibt, aber auch, wie viel Fläche für die Trasse versiegelt werden muss.

© SZ vom 26.11.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema