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Mobilität:Mit dem Leihrad durch den Landkreis

Die Verleihräder sind in München und dem Umland schon an vielen Stellen stationiert - hier in Garching.

(Foto: Robert Haas)

Bis 2022 soll ein flächendeckendes Netz mit festen MVG-Stationen entstehen. Für die Nutzer betragen die Kosten acht Cent pro Minute. Die Gemeinden müssen mehrere tausend Euro beisteuern.

Am Bahnhof in Tutzing ankommen, sich unkompliziert per Handy ein Fahrrad an einer Verleihstation freischalten und es nach einem Tagesausflug oder der Arbeit wieder dort oder an einer anderen Station abstellen: Das ist das Konzept des Verleihsystems MVG-Rad. Der Landkreis Starnberg will das System, hinter dem die Münchner Verkehrsgesellschaft steht, im Fünfseenland etablieren. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Kreisausschuss im März gefasst. Dazu gehört auch eine Zweckvereinbarung mit der Stadt München. Kreis-Verkehrsmanagerin Susanne Münster stellte das Konzept im Verkehrsausschuss in Tutzing nun erstmals öffentlich in einer Gemeinde vor. Im vergangenen Jahr hatte das Landratsamt informell bei den Kommunen vorgefühlt, ob überhaupt Interesse besteht.

Die Leihräder sollen das Angebot im öffentlichen Nahverkehr ergänzen, sagte Münster, etwa für die "letzte Meile", für die Pendler sonst vielleicht das Auto nehmen. Vorgesehen sind feste Stationen, die sich im Probebetrieb in München bewährt haben. "Kein Freefloating-System, keine wild abgestellten Leihräder", versprach Münster. Man habe aus dem Chaos mit herumliegenden Rädern in München gelernt.

Damit das System funktioniert, sollten pro Gemeinde drei bis vier Stationen installiert werden. Als mögliche Standorte gelten in Tutzing der Bahnhof, die Evangelische Akademie oder die Schiffsanlegestelle sowie Kampberg mit dem Unternehmen W.A.F. Als Ziel wird eine landkreisweite Abdeckung bis 2022 genannt: Jedes Jahr sollen vier Gemeinden das Netz vergrößern.

Für Nutzer soll das System möglichst einfach sein. Man registriert sich über eine App, kann über sie ein Rad leihen, abgeben und abrechnen. Auch Reservierungen sind möglich. Die Kosten betragen acht Cent pro Minute. Mit einer Isarcard sinkt der Preis auf fünf Cent pro Minute. Im Jahrespaket zahlt man 48 Euro, in einem Abo 36 Euro inklusive 30 Freiminuten pro Tag, danach fünf Cent für jede Minute. Der maximale Tagespreis beträgt zwölf Euro. Die Räder selbst gelten Münster zufolge als robust. Elektrofahrräder sind noch nicht zu haben, seien aber später denkbar.

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Um dabei zu sein, müssen die Kommunen mit bezahlen. Eine kleine Station mit acht Ständern und fünf Rädern kostet 19 000 Euro, eine mittlere mit zwölf Ständern und zehn Rädern 25 000 Euro, eine große Station mit 15 Ständern und zwölf Rädern 35 000 Euro, jeweils samt solarbetriebener Stele. Dazu kommen jährliche Betriebskosten von 5000 bis 10 000 Euro, wobei jede Kommune die Einnahmen für sich reklamieren darf. Als Anreiz zum Einstieg spendiert der Landkreis jeder Kommune eine mittlere Station, vorausgesetzt, sie selbst finanziert mindestens eine weitere Station beliebiger Größe. Der Freistaat übernimmt Kosten für die Fundamente.

In Tutzing stößt das MVG-Rad prinzipiell auf Wohlwollen. Bürgermeisterin Marlene Greinwald (FW) hofft allerdings auf lokale Kooperationspartner aus Wirtschaft und Gewerbe. FW-Gemeinderat Toni Aigner, selbst passionierter Radler, befand, dass Tutzing dringend etwas für Fahrradfahrer tun müsse. Ein Schutzstreifen im nördlichen Bereich der Hauptstraße ist immer noch nicht markiert; die Vermessung stehe vor dem Abschluss, heißt es von der Verwaltung. Stefanie von Winning (CSU) äußerte Bedenken angesichts der Topografie in Tutzing mit steilen Anstiegen, ob Räder ohne Elektromotor genutzt würden. Ihr Kollege Thomas von Mitschke-Collande sieht Anlass zu prinzipieller Kritik. Wenn die Leihräder das System der MVG ergänzten, fragte er sich, warum sie dann nicht auch alle Kosten trägt. Das wirtschaftliche Risiko auf die Kommunen abzuwälzen, sei "enttäuschend". Potenzial für Fahrräder sieht Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste), wenn im nächsten Jahr der Takt der Ausflugsschiffe auf dem Starnberger See erhöht wird, die in Tutzing anlegen. Die Gemeinderäte lassen noch offen, ob sie sich beteiligen und wollen darüber in den Haushaltsberatungen entscheiden.

Das MVG-Rad wird nun Thema in weiteren Gemeinden im Landkreis Starnberg. In Gauting diskutiert der Verkehrsausschuss am kommenden Dienstag über die Einführung des Verleihsystems in den kommenden beiden Jahren.

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