Starnberg Fäulnis und grauenvolle Kälte

"Das Dorf des Schweigens" spielt in Bad Gastein - laut Werbung der österreichische Weltkurort mit einem besonderen Flair, mitten im Nationalpark Hohe Tauern im Salzburger Land, mit wunderschönen Bauten aus der Belle Epoque, Heilstollen, Thermalquellen und spektakulärem Wasserfall. "Ein unglaublicher Ort, überall so eine Fäulnis! Der tosende Wasserfall macht alles nass, lässt alles verrotten", sagt Regisseur Hans Steinbichler bei der Präsentation des Films beim Fünfseen-Filmfestival. Seit er vor 20 Jahren das erste Mal in den Ort kam, habe er dort einen Film drehen wollen und zu dieser dramatischen Familiengeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, passte er genau. Wobei Ort und Natur als Spiegelung der extremen Verhältnisse fungieren.

Nach 30 Jahren Abwesenheit kommt Lydia (Ina Weiss) aus Amerika zurück, für die Hochzeit ihrer Schwester Eva (Petra Schmidt-Schaller). Lydia gilt als schizophren und als sie ihr überraschendes Auftauchen nutzt, um Christian (Simon Schwarz), Evas Verlobten, zu beschuldigen, sie vergewaltigt zu haben als sie 14 war, reagiert die Hoteliers-Familie mit Wut und Unverständnis. Selbst der alte Vater - die letzte Rolle von Helmuth Lohner - der seine Stieftochter Lydia besonders gern hatte, glaubt ihr nicht. Nur Eva, die Angst hat, verrückt zu werden, beginnt an den Beteuerungen Christians und ihres Bruders (Harry Prinz) zu zweifeln. Auch von ihrer Mutter (Hildegard Schmahl) hört sie nur Lügen. Die Wahrheit schließlich, die unbegreiflich und böse ist, hinterlässt eine grauenvolle Kälte.