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Evangelische Kirche:Starnberger Pfarrer wird Unternehmensberater

Pfarrer Koch verlässt Starnberg; Pfarrer Stefan Koch geht

"Wenn ein Wechsel, dann jetzt", sagt der scheidende Starnberger Pfarrer Stefan Koch, der sich in Berlin neuen Aufgaben stellt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Corona, Stellenabbau, Scheidung und Meinungsverschiedenheiten mit den anderen Geistlichen: Stefan Koch schmeißt hin und wird in Berlin "Senior Manager".

Von Sylvia Böhm-Haimerl

Einige Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde haben es schon geahnt: Pfarrer Stefan Koch verlässt Starnberg. Dass er gleichzeitig den Beruf wechselt, kommt dagegen völlig überraschend. Koch wird Senior Manager bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG in Berlin. Beim Sonntagsgottesdienst hat er die Gläubigen informiert. "Dass sich ein Pfarrer beurlauben lässt, um in die freie Wirtschaft zu gehen, kommt nicht sehr oft vor", räumte er danach ein. Er sei gerne in Starnberg gewesen. "Ich gehe mit zwei weinenden und einem lachenden Auge."

Eigentlich hätte Koch noch die zwölf Jahre bis zu seiner Pensionierung in Starnberg bleiben können. Mit seinen 55 Jahren sei er vor der Entscheidung gestanden: "Wenn ein Wechsel, dann jetzt." Für den Entschluss, nach 26 Jahren als Pfarrer etwas komplett Neues zu machen, gab es nach seinen Angaben viele Gründe.

In der Kirchengemeinde gibt es drei Pfarrer, die im Team gleichberechtigt zusammenarbeiten. Vor sieben Jahren sprang Koch für seinen erkrankten Vorgänger Hans Martin Schroeder ein. Später wurden die anderen Pfarrstellen frei und Koch musste sieben Monate lang eine Doppelvakanz meistern. Das sei "an die Grenze des Einsatzes" gegangen, zumal er als Pfarrer das Ziel habe, "möglichst nah am Menschen" zu sein.

Für die etwa 3800 Mitglieder der Pfarrgemeinde wollte er nicht nur telefonisch erreichbar sein. In den ersten zwei Jahren hat Koch etwa 500 Gläubige besucht. "Das Richtige ist, dass man den Pfarrer kennt." Dieses Motto bezeichnet Koch als seinen "Starnberger Weg". Als die freien Stellen mit dem Pfarrerehepaar Anna Stempel-de Fallois und Johannes de Fallois besetzt wurden, hat es nach Angaben des scheidenden Pfarrers unterschiedliche Auffassungen gegeben. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass man richtig sieht, was zu tun ist." Das habe ihn irritiert.

Zudem sollen in der Diakonie Weilheim fünf Stellen abgebaut werden. Koch hat Erfahrung mit Kürzungen; bevor er nach Starnberg kam, war er acht Jahre in der Kirchenleitung tätig. Er gehe davon aus, dass "es auch Starnberg trifft". Wenngleich der promovierte Theologe der Meinung ist, dass "es in einem Betrieb etwas anderes gibt als die reinen Stellen", akzeptiert er die Veränderungen. "Doch das muss nicht ich machen", ist er überzeugt.

Ein weiterer Grund, um über eine Umorientierung nachzudenken, war der Auszug seiner Ehefrau während der Pandemie im April 2020 und die anschließende Scheidung. Für die Gemeinde sei es nicht leicht gewesen, damit umzugehen, sagt Koch.

Im Februar hat er Bewerbungen geschrieben. Mit KPMG sei es sehr schnell konkret geworden. Im Mai habe er den Dekan informiert, danach die Landeskirche und im Juni den Kirchenvorstand. Es habe niemand versucht, ihn umzustimmen, aber man habe seine Entscheidung akzeptiert und großen Respekt gezeigt, sagt Koch. Der Kirchenvorstand sei "betroffen" gewesen, die Gläubigen hätten es bedauert. Den Arbeitsvertrag will er an diesem Montag unterschreiben. Der Theologe ist sich sicher, dass eine interessante Arbeit auf ihn wartet. Er soll bei der Beratung oder Wirtschaftsprüfung von Kirchen tätig sein.

Seine Starnberger Stelle ist zunächst für sechs Monate vakant und wird in dieser Zeit ausgeschrieben. Es sei noch offen, ob einer der beiden anderen Pfarrer einspringe, ein neuer Pfarrer geschickt oder die Stelle ganz gestrichen werde. Koch nimmt im August seinen restlichen Urlaub, im September zieht er um nach Berlin, am 25. September wird er offiziell in Starnberg verabschiedet. "Es ist kein Rücktritt aus Protest", stellt Koch klar. "Ich bleibe ja Pfarrer."

© SZ vom 12.07.2021
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