Erinnerungskultur:Gedenken an den Todesmarsch

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Häftlinge des KZ Dachau laufen im Frühjahr 1945 auf dem Todesmarsch durch Percha. (Foto: Benno Gantner)

Zum 79. Jahrestag gibt es zahlreiche Veranstaltungen in der Region, die an die Verbrechen der Wachmannschaften aus dem KZ Dachau erinnern.

Von Linus Freymark, Starnberg

Mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen wird im Fünfseenland an die Opfer der Todesmärsche aus dem Konzentrationslager Dachau erinnert. Entlang der Route, auf der die SS Tausende Gefangene in Richtung Süden trieb, finden in vielen Gemeinden des Landkreises Starnberg wieder Gedenkfeiern statt.

In Starnberg organisiert Rainer Hange, Gründungsmitglied des Starnberger Dialogs und Mitglied des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie", seit 2012 alljährlich eine Veranstaltung. In diesem Jahr beginnt diese am Samstag, 27. April, um 14 Uhr am Mahnmal vor dem Landratsamt. Sprechen wird unter anderem Kreisarchivarin Friedrike Hellerer.

Die Gemeinde Tutzing erinnert bereits am Freitag, 26. April, um 12 Uhr an das Leid der Häftlinge, und zwar am Mahnmal auf dem Neuen Friedhof. In Tutzing blieb ein Teilzug der Häftlingstransporte im Frühjahr 1945 nach Bombardierungen liegen. Die Gedenkfeier soll dazu beitragen, "ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen", teilt die Rathausverwaltung mit.

In Seeshaupt hat sich für die Gedenkveranstaltung am Dienstag, 30. April, um 18 Uhr prominenter Besuch angekündigt: Christian Kopp, der neue Landesbischof der Evangelischen Kirche in Bayern, wird am Mahnmal in der Bahnhofstraße eine Ansprache halten. Das Datum ist mit Bedacht gewählt: Am 30. April 1945 befreiten US-Soldaten fast 2000 KZ-Häftlinge aus einem Güterzug am Seeshaupter Bahnhof. Mehr als 70 Menschen konnten nur noch tot geborgen werden, 21 Gefangene starben in den darauffolgenden Tagen in Seeshaupt.

Alljährliches Erinnern: Rainer Hange spricht auf der Gedenkfeier im April 2022 am Denkmal des Bildhauers Hubertus von Pilgrim in Starnberg. (Foto: Nila Thiel)

Mit den Todesmärschen hatte die SS kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945 Tausende Häftlinge aus den Konzentrationslagern vor sich hergetrieben. Die Wachmannschaften hetzten die Gefangenen aus dem KZ Dachau und den Außenlagern durch zahlreiche Ortschaften, darunter Gauting und Starnberg, in Richtung Süden.

Auf dem Weg starben viele Häftlinge an Krankheit, Unterernährung und Schwäche oder wurden von der SS ermordet. Entlang der Strecke erinnern heute 22 Denkmäler des Pullacher Bildhauers Hubertus von Pilgrim an den Todesmarsch. Ein weiteres Mahnmal des Künstlers befindet sich in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel.

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