Wer kann schon Nein sagen, wenn es um Kinder geht? Die Starnberger Stadträte zehn Monate vor der Kommunalwahl jedenfalls nicht: Einhellig hat der Haupt- und Finanzausschuss am Montag auf Antrag von Anke Henniger (FDP) eine Erhöhung der Entschädigung für Schülerlotsen (Jugendliche) und Schulweghelfer (Erwachsene) beschlossen. Statt acht Euro pro Stunde soll es vom Schuljahr 2025/26 an künftig acht Euro pro Einsatz (halbe Stunde) geben, was einer Verdoppelung der jährlichen Gesamtkosten für die Stadt auf 30 000 Euro entspricht. Reich werden kann man damit nicht. Doch die Entlohnung für eine volle Stunde toppt sogar den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 12,82 Euro.
Der Wert der Arbeit der aktuell 173 Starnberger Schulweghelfer ist über jeden Zweifel erhaben: Seit Jahren hat es im Bereich der vier Grundschulen keinen Unfall mit Kindern gegeben, ohne den Einsatz der Schülerlotsen bei Wind und Wetter wäre kein sicherer Schulweg möglich. Bewährte Helfer sind Senioren, Mütter und Väter, Schülerinnen und Schüler. Auch Landrat Stefan Frey schwingt seit 2018 regelmäßig freitags die Kelle, um die Kinder der Schlossbergschule zwischen 7.30 und 8 Uhr sicher über die Straße zu leiten. Gleichwohl ist die Tätigkeit grundsätzlich freiwillig, ehrenamtlich – und unbezahlt. In welcher Form die Tätigkeit gewürdigt wird, obliegt allein der jeweiligen Kommune.
In Starnberg wird der Schulweghelferdienst schon seit 1989 entlohnt. Anfangs gab es zehn Mark, zweimal wurde die Entschädigung seither erhöht, zuletzt 2017 auf acht Euro pro Stunde. Legt man also reale Einsatzzeiten mit 30 Minuten Dauer zugrunde, erhöht sich der Stundenlohn auf 16 Euro. Dabei haben die Helfer die Möglichkeit, ihren Obulus dem Förderverein der jeweiligen Schule zu überlassen oder selbst einzustreichen. Circa ein Drittel der Schülerlotsen und Schulweghelfer spendet ihre Entschädigung, den meisten geht es um die gute Sache.
Die Stadt Starnberg gleicht die Vergütung damit den Tarifen der Stadt München an. Schulweghelfer erhalten in der Landeshauptstadt für jede angefangene Stunde eine Aufwandsentschädigung von acht Euro, die jedoch auf 20 Euro pro Tag beschränkt ist. Die Stadt Nürnberg dagegen stellt die Schulweghelfer in einem Beschäftigungsverhältnis nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes in Entgeltgruppe 2 ein – das entspricht einem Lohn von 15,23 Euro pro Stunde und gilt als Nebeneinkommen. Viele kleinere und klamme Kommunen aber zahlen ihren Schülerlotsen erheblich weniger oder gar nichts.
In die Debatte um die Erhöhung der Vergütung für die Starnberger Schulweghelfer mischten sich allerdings auch kritische Stimmen. Finanzreferent Thomas Beigel (CSU) etwa mahnte angesichts der Verdoppelung der Ausgaben: „Ich sehe uns jetzt schon wieder am Haushaltsentwurf herumschnitzen.“ Eine Erhöhung der Tarife finde er zwar ebenso wie seine Kolleginnen und Kollegen im Stadtrat „ganz nett“, aber das Gremium müsse sich auch Gedanken darüber machen, „wie wir das Ganze finanzieren“.
Als Mann des Kompromisses präsentierte sich wieder einmal Winfried Wobbe (UWG), der einen Stundenlohn von zwölf Euro im Ehrenamt als ausreichend ansah. Am Ende aber stimmte das Gremium dennoch geschlossen für eine Verdoppelung der Vergütung. Im Haushalt für das Jahr 2026 sollen 30 000 Euro zur Verfügung stehen. Dazu gehört dann auch halbjährlich ein „Dankesessen“, das es bislang nur einmal im Jahr gab.

