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"Am Wiesengrund":Wer beim Starnberger Einheimischenmodell bauen darf - und wer nicht

Nach der Kritik der Feuerwehrleute legt die Stadt die Bilanz der Vergabe offen. Fast jeder vierte künftige Bauherr lebt derzeit gar nicht in Starnberg.

So ein günstiges Angebot kommt so schnell nicht wieder: Beim Einheimischenmodell am Wiesengrund kostete der Quadratmeter für ein Reihenhaus nur 486 Euro - weniger als die Hälfte des Marktwerts. Bei Grundstücken zwischen 150 und 250 Quadratmetern ergibt das 73 000 bis 122 000 Euro. Kein Wunder, dass sich 318 Familien um die 51 Parzellen beworben haben. Doch nun ist eine Debatte über die Gerechtigkeit bei der Vergabe entbrannt. Feuerwehrleute ärgern sich, dass kein einziger der etwa zehn Bewerber aus ihrer Mitte zum Zug gekommen ist. Den dramatischen Mangel an Brandrettern könne das verschärfen.

Die Stadtverwaltung wehrt sich gegen diese Kritik und legt die Bilanz der Vergabe offen, die sich aus einem Punktesystem in mehreren Kategorien wie zum Beispiel Ehrenamt ergab. Elf der 51 künftigen Bauherrn engagieren sich demnach in der Stadt, drei bei Hilfs- und Rettungsdiensten, acht bei anderen Organisationen. Das Ehrenamt sei auch bei den Feuerwehrleuten berücksichtigt worden. Bei ihnen habe es an anderen Kriterien gelegen, wie die Stadtverwaltung mitteilt.

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Die meisten der zum Zug gekommenen Bewerber, nämlich 32, haben zwei Kinder, 18 haben drei, eine Familie vier Kinder. Fast jede vierte lebt derzeit gar nicht in der Stadt: Sechs Familien wohnen im Landkreis Starnberg, weitere sechs in München oder dem übrigen Umland. Die Stadtverwaltung betont allerdings, dass diese zwölf Bewerber in die Stadt zurückkehren. Die Hälfte von ihnen hat früher mehr als 20 Jahre in Starnberg verbracht, fünf bis zu 20 Jahre und einer bis zu fünf Jahre.

Auch das Gehalt spielte eine wichtige Rolle: 41 Bewerber haben laut Stadt ein anzurechnendes Jahreseinkommen von weniger als 60 000 Euro, sieben bis 80 000 Euro und drei mehr als 80 000 Euro. Allerdings konnten sich Paare mit einem Gehalt von zusammen mehr als 114 000 Euro nicht für ein Reihenhaus bewerben.

Feuerwehrkommandant Markus Grasl will keine Rangliste der Ehrenamtlichen aufstellen. Da aber gar kein Kamerad erfolgreich war, stellt er die Kriterien in Frage: "Stimmt da die Bewertung?" Starnberg müsse die engagierte Mittelschicht unbedingt in der Stadt halten. Jahrelang seien die Ehrenamtlichen auf das Einheimischenmodell vertröstet worden, ergänzt Feuerwehrmann Andreas Borrmann, der sich vergeblich beworben hatte und nun wegziehen will. Wieder ein Mann weniger für die Brandretter, dabei sind derzeit nur die Hälfte der etwa 120 Planstellen besetzt.

Die Stadtverwaltung verweist auf die städtischen Wohnungen, in denen derzeit sieben Feuerwehrleute wohnen. Seit vergangenem Dezember habe sich keiner auf Ausschreibungen beworben. Das will Grasl nicht gelten lassen: Kleine Wohnungen oder solche in fernen Ortsteilen helfen der Feuerwehr und deren Familien nicht.

Dass der Schulungsraum im Feuerwehrhaus an die Berufsschule vermietet wurde - ebenfalls ein Kritikpunkt der Ehrenamtlichen - , liege an deren Raumnot, rechtfertigt sich die Stadt. Zwischen 16 Uhr und dem Morgen stehe er der Feuerwehr zur Verfügung. Und für die drei geforderten Stellen für Ausbilder lägen keine formellen Anträge vor. Auch hier widerspricht Grasl: Er habe Verwaltung und Stadtrat ein Zukunftskonzept vorgestellt. Demnach sollen Lehrgänge künftig tagsüber stattfinden, weil viele Interessenten abends nicht abkömmlich seien.

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