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Starnberg:Ein weiter Weg

Zwar erhält das Fünfseenland als erster Landkreis in Bayern die Auszeichnung "fahrradfreundlich". Doch es gibt noch viele Lücken im Radwegenetz. Innenminister Herrmann bezeichnet die Ehrung auch als Ansporn

Erling Fahradfahrer

So schön kann Radfahren im Landkreis Starnberg sein - wenn es abseits der viel befahrenen Straßen durch die Erlinger Hügellandschaft geht.Foto: Treaybal

(Foto: Georgine Treybal)

Ein E-Bike steht an diesem Donnerstagmittag etwas verloren im Sitzungssaal des Landratsamtes herum. Nach und nach trudeln die Gäste ein, die neue CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig aus Feldafing hat angerufen, sie komme etwas später, weil sie mit ihrem Auto in Starnberg im Stau steht. Da hat es Bayerns Innenminister Joachim Herrmann schon leichter, schließlich ist auf dem Dach seiner schweren, schwarzen Limousine ein Blaulicht befestigt. Auf den letzten Schritten, hinauf in den Sitzungssaal, begleitet ihn Bernd Matuschek, Vize-Chef der Starnberger Polizei. Und der Hausherr, Landrat Karl Roth, ist sowieso schon da, wie auch eine Schar anderer Ehrengäste, die irgendwie etwas mit dem Thema Fahrrad zu tun haben. Das wird immerhin durch das E-Bike vorne neben dem Mikrofon deutlich.

Grund für die Feierstunde ist die Auszeichnung, die das Fünfseenland "als erster Landkreis in Bayern", wie Minister Herrmann betont, entgegennehmen darf. Der Landkreis wird als "fahrradfreundlich" ausgezeichnet, und zwar von der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern" (AGFK), einem Verein, dem immerhin schon 38 Städte und Gemeinden angehören. "Bei uns kann man nicht einfach Mitglied werden, wir prüfen nach einem strengen Kriterienkatalog", sagt die AGFK-Vorsitzende Marlene Wüstner. Offenbar hat der Landkreis das "zweistufige Bewertungsverfahren" erfolgreich durchlaufen.

In der Praxis sah das so aus: Im März hatte eine "Vorbereisung" stattgefunden, an der neben dem AGFK-Geschäftsführer auch Susanne Münster, die Verkehrsmanagerin im Landratsamt, teilgenommen hatte. "Zuerst haben wir die Fahrrad-Aktivitäten des Landkreises vorgestellt", sagt Münster. Dann sei die dreiköpfige Gruppe mit der S-Bahn nach Planegg gefahren und von dort ins Kraillinger Gewerbegebiet KIM geradelt, eine Strecke von nicht viel mehr als fünf Kilometern. Im KIM betreibt die Firma Nextbike in Kooperation mit der Gemeinde Krailling eine Fahrradverleihstation, die laut Roth "Vorbildcharakter für andere Gemeinden hat". Gilching will in Zusammenarbeit mit dem DLR bald nachziehen. Im April folgte dann die "Hauptbereisung" mit einer größeren Gruppe, die nach einem Gespräch im Landratsamt wiederum von Planegg zur KIM radelte - und dann mit dem Bus weiterfuhr zum im Bau befindlichen Maxhof-Kreisel. "Denn auch Radwegebau und die Frage, wie bei Großbaustellen der Radverkehr berücksichtigt werden, spielen bei der Bewertung eine Rolle", erklärt Münster. Danach votierte die Jury unter der Leitung des Landtagsabgeordneten Erwin Huber, dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, einstimmig dafür, den Landkreis als fahrradfreundlich zu bewerten.

"Die Förderung des Radverkehrs ist eine Daueraufgabe", mahnte Innenminister Herrmann, in dessen Ministerium nun alle Kompetenzen für Planung und Bau von Radwegen zusammenlaufen. Was auch Landrat Karl Roth so sieht. Ihm sei das Radeln ohnehin eine "Herzensangelegenheit". Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden müsse weiter ausgebaut werden, schließlich kann der Landkreis nur entlang von Kreisstraßen oder in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Bauamt auch an Bundesstraßen Radwege bauen. Für die innerörtlichen Routen sind ausschließlich die Kommunen zuständig. In Bayern will Herrmann den Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen von momentan rund 16 Prozent bis zum Jahr 2020 auf 21 Prozent steigern. "Ein ehrgeiziges Ziel", wie er selbst sagt.