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Starnberg:Ein Clip für die Klappe

Team des Herzkathederlabors ; Am Kreisklinikum Starnberg

Das Team des Herzkathederlabors im Klinikum Starnberg mit dem Leiter Professor Florian Krötz (links).

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Mit einer minimalinvasiven Methode behandelt das Klinikum Patienten mit schweren Herzfehlern

Max Indinger aus Gauting ist wieder guten Mutes. Der frühere Oberamtsrat kann wieder anständig atmen und kommt mit seinen 81 Jahren auch die Treppen hoch. Das war lange Jahre nicht so. Indinger litt unter einem Herzklappenfehler, dessen Folgen wie Atemnot oder Wasser in der Lunge mit Medikamenten behandelt wurden. Medikamente muss Indinger nach seiner Operation am Herzen immer noch nehmen, aber er sagt: "Ich kann wieder gut atmen."

Seinen besseren Gesundheitszustand hat der Gautinger Senior einem Ärzteteam am Starnberger Klinikum zu verdanken, das sich unter der Leitung von Professor Florian Krötz auf die Korrektur von Herzklappenfehler spezialisiert hat. Bei dem minimalinvasiven Eingriff wird mit einem Clip die schadhafte, nicht mehr richtig schließende Herzklappe abgedichtet, sodass das Blut nicht mehr zurück in die Lunge fließen kann. Was sich so einfach anhört, ist in Wirklichkeit eine hochkomplexe Angelegenheit. "Wir müssen dies am schlagenden Herzen machen", erläuterte Krötz im Rahmen eines Pressegesprächs die Vorgehensweise. Das Team arbeite im Dunkeln, nur unterstützt von einem zwei-dimensionalen Ultra-Schall-Bild. An diesem müssen sich die Ärzte orientieren und es für sich als dreidimensional übersetzen.

Seit einem Jahr wird dieser Eingriff im Klinikum angeboten. Damit gehören die Starnberger zu sieben Krankenhäusern in Oberbayern, die diesen Eingriff vollziehen. Nicht jede Klinik darf diese Methode anwenden, da sie viel Erfahrung braucht und hochkomplex ist. Der gemeinsame Bundesausschuss aus Vertretern der Krankenkassen, Ministerien und Selbstverwaltungsorganen hat einen Kriterienkatalog zusammengestellt, den eine Klinik erfüllen muss, um operieren zu dürfen.

In Starnberg wurden im vergangenen Jahr 25 Herzklappenfehler erfolgreich behoben. "Wir können mit dieser Methode Patienten behandeln, die eigentlich als inoperabel wegen der Begleiterkrankungen wie Rheuma und Gebrechlichkeit galten", meinte Krötz. Frühere Herzoperationen hatten den Nachteil, dass der Brustkorb geöffnet werden musste und der Patient mit einer Herz-Lungen-Maschine versorgt wurde. Gerade dieses Verfahren ist für ältere Patienten besonders problematisch, da der Eingriff schwer und der Heilungsprozess lange dauert. Entsprechend hoch ist die Sterblichkeitsrate nach der Operation. Der minimalinvasive Eingriff reduziert das Risiko erheblich.

Das Team gehört zum Herzkatheterlabor der Klinik, das seit fünf Jahren besteht. "Es ist eines der größten in Oberbayern mit mehr als 2000 Operationen", sagte Professor Krötz. Klinikgeschäftsführer Thomas Weiler sprach von einem "erweiterten Portfolio", das die Klinik mit der minimalinvasiven Herzklappen-Methode anbiete. Professor Peter Trenkwalder, Chefarzt der Medizinischen Klinik, hatte damals die Abteilung gegründet, indem er Kardiologen nach Starnberg holte und eine Kooperation mit niedergelassenen Ärzten schuf. "Wir haben uns spezialisiert auf schwere und sehr schwerkranke Patienten", erläuterte Ludwig Zwermann, Oberarzt im Herzkatheterlabor. Das sind Patienten, die vorher einen Herzinfarkt hatten oder Kalkablagerungen an den Gefäßen.

Max Indingers Fazit nach der Operation lautet jedenfalls so: "Sie haben mir ein neues Leben geschenkt." Vorher sei er nur schwach und matt gewesen und musste viele Male in der Klinik behandelt werden.

© SZ vom 30.01.2017
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