StarnbergEier mit Expertise

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Heimische Landwirte und Vermarkter rechnen mit besserem Geschäft, aber auch mit schärferen Kontrollen. Sie setzen auf Transparenz und freiwillige Selbstauskunft.

Christine Setzwein

Garantiert frei von Dioxin sind die Eier dieser Hühner eines Bauernhofs im Starnberger Ortsteil Hadorf. Denn sie brauchen keine künstlich hergestellte Kraftnahrung, sondern dürfen sich nach guter alter Hühnerart ihr Futter auf dem Misthaufen und im Garten zusammensuchen. Landleben wie aus dem Bilderbuch eben. fxf/Foto: Fuchs
Garantiert frei von Dioxin sind die Eier dieser Hühner eines Bauernhofs im Starnberger Ortsteil Hadorf. Denn sie brauchen keine künstlich hergestellte Kraftnahrung, sondern dürfen sich nach guter alter Hühnerart ihr Futter auf dem Misthaufen und im Garten zusammensuchen. Landleben wie aus dem Bilderbuch eben. fxf/Foto: Fuchs Sta

Ausgerechnet vor Ostern. Ausgerechnet vor jenem Fest, an dem die meisten Eier verspeist werden, verunsichert ein neuer Lebensmittelskandal die Verbraucher. In Niedersachsen sind Millionen Eier fälschlich als Freiland- oder Bio-Eier verkauft worden. Dieser Betrug hat auch Auswirkungen auf die Landwirte und Direktvermarkter im Fünfseenland: Zum einen rechnen sie mit mehr Geschäft, zum anderen werden wohl auch bei ihnen die Kontrollen wieder verschärft. "Ausbaden müssen wir es alle", damit rechnet Biobauer Michael Friedinger aus Farchach.

Es wird getrickst und getäuscht, ob es um Pferdefleisch in der Fertig-Lasagne und Hackfleischbällchen geht oder um Bio-Eier, die gar keine sind. Dabei ist weder Pferdefleisch noch ein konventionell produziertes Ei per se schlecht, meint Friedinger. Aber Lebensmittel falsch deklarieren, "das ist einfach nicht richtig".

Im Landkreis Starnberg gibt es 189 Betriebe, die Legehennen halten. Der größte steht in Unering. Landwirt Werner Haas beliefert seit 2003 Starnberger Land mit Eiern aus Bodenhaltung. In seinem Stall hat er Platz für 3600 Hennen, momentan legen rund 3000 Vögel etwa 2000 Eier pro Tag. Auch die Justizvollzugsanstalt Rothenfeld gehört mit 1300 Hühnern zu den fünf großen Eiererzeugern. Zehn Betriebe haben zwischen 100 und 1000 Hennen, alle anderen liegen darunter, sagt Stefan Diebl, Sprecher des Landratsamtes. Die Höfe mit mehr als 1000 Legehennen werden einmal pro Jahr kontrolliert: Auf Salmonellen, auf Hygiene, ob die Sitzstangen ausreichen, wie viele Trinkmöglichkeiten es gibt, ob die Hühner genug Auslauf haben. Die biozertifizierten Betriebe werden außerdem von ihren Verbänden kontrolliert.

Prompt reagiert auf den Eier-Skandal hat die Solidargemeinschaft "Unser Land". Alle Geflügelbauern wurden aufgefordert, exakte Angaben über die aktuelle Zahl ihre Legehennen zu machen, sagt Werner Haas. Diese Selbstauskunft ist vor allem für die Supermärkte gedacht, in denen Unser Land-Eier verkauft werden. "Die Kunden fragen den Filialleiter, ob mit diesen Eiern alles in Ordnung ist. Der kann dann auf unsere Erklärungen verweisen." Über den jüngsten Skandal wundert sich Haas nicht. Der Anteil der Bio- und Freilandeier liege in Deutschland bei 20 Prozent, sagt er. In den Regalen der Supermärkte aber seien nahezu die Hälfte der Eier so deklariert.

"Wie soll das gehen?", fragt sich der Uneringer Landwirt. Umso glaubwürdiger müssten die Direktvermarkter sein, sagt Haas - und ist sich damit einig mit Michael Friedinger. Der führt seinen "Löfflerhof" in Farchach nach den strengen Demeter-Richtlinien. In seinem neuen Stall hält er 600 Legehennen, macht am Tag etwa 450 Bio-Eier. Erlaubt sind sechs Hennen pro Quadratmeter Stallinnenfläche. Aber die Hühner dürfen auch in den "Wintergarten": eine überdachte Außenfläche, wo sie genügend Bewegungsfreiheit in frischer Luft haben. Schon vor 20 Jahren hat Friedinger auf biologisch-dynamische Bewirtschaftung umgestellt. "Das war eine Bauchsache", erinnert er sich. Er wollte keine Pflanzenschutzmittel einsetzen und alles anders machen. Heute ist er froh, dass er den Schritt gemacht hat. Auf dem Hof verlangt er 35 Cent für ein Bio-Ei, sie werden aber auch in Naturkostläden in Starnberg und Icking verkauft.

Wegen des Trends zu Bio-Eiern und solchen aus Bodenhaltung, zu regionalen Produkten und wegen des Eier-Skandals wird das Geschäft bei den Direktvermarktern wieder anziehen, erwarten Werner Haas und Michael Friedinger. Deswegen kann es vor Ostern - wie schon zu Weihnachten - zu einem Engpass bei frischen Eiern kommen. Vorbestellen ist ratsam. Aber: Wer im Osternest gern bunte, selbstgefärbte hat, sollte ohnehin Eier kaufen, die sechs Tage alt sind, rät Landwirt Haas. Die ganz frischen lassen sich nämlich sehr schlecht schälen.

© SZ vom 27.02.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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