Es ist ein gewaltiges Paket, das den Stadträten im Bauausschuss serviert wurde: An einer der prominentesten Stellen der Kreisstadt - quasi der Keimzelle Starnbergs - sollen drei große Gebäudekomplexe entstehen. Projektentwickler Ehret und Klein, der das seit Jahrzehnten brachliegende Areal zwischen Bahnlinie, Heimatmuseum und Bahnhofstraße erworben hat und seit Monaten mit der pinkfarbenen " Wiege von Starnberg" verschönt, plant dort einen multifunktionalen Bau mit Gewerbeeinheiten, Gastronomie, Büros und Wohnungen.
Das Grobkonzept des "Museumsquartiers" - der Siegerentwurf des Architekturbüros Beer Bembé Dellinger im Team mit der Stadtplaner GmbH und den Landschaftsarchitekten Burkhardt, Engelmayer und Mendel wurde jetzt erstmals öffentlich präsentiert- nahm der Ausschuss zwar einhellig "zustimmend zur Kenntnis". Doch es regte sich auch Kritik: Zu hoch seien die geplanten Gebäude, das höchste immerhin sechs Stockwerke. Mancher Stadtrat befürchtet gar das Entstehen eines Hochhaus-Tunnels, es fiel das Wort "Starnhattan". Womöglich soll ein Phantomgerüst die Dimensionen des Projekts verdeutlichen.
Stadtbaumeister Stephan Weinl machte den Stadträten das Vorhaben dennoch schmackhaft und präsentierte den Ausschussmitgliedern in schönstem Architekten-Deutsch die Eckpunkte: Drei Baukörper "mit eigener Wertigkeit" über vier, fünf und sechs Stockwerke, Tiefgarage, Terrasse mit See- und Stadtblick, "viel öffentlicher Raum". Eine "Platte" verbindet die jeweiligen Häuser, kleinere Ladengeschäfte und Gastronomie sollen das Ganze beleben und dafür sorgen, "dass da immer was los ist". Gleichwohl verwies er auf den aktuellen Stand: "Die Architekten sind noch lange nicht fertig mit ihrer Planung".
Das übergeordnete Ziel des Vorhabens dagegen ist bereits definiert: "Im Bewusstsein der exponierten Lage in der Stadtsilhouette und der besonderen Bedeutung der Neuplanung als Auftakt- oder Endpunkt der Innenstadt sowie in der Nähe des Seeufers", heißt es in der Beschlussvorlage, "stellt die städtebauliche Einbindung der Neuplanung im Spannungsfeld Museumsareal, benachbarter Geschosswohnungsbau, urbane Innenstadt, villenartiges Wohngebiet die oberste Priorität dar".

Was immer das bedeuten mag: In der Konsequenz verschwindet mitten in der Kernstadt eines der letzten unbebauten Grundstücke, auf dem bis in die Fünfzigerjahre ein Bauernhof, der dann abgerissen wurde und in Sichtweite an der Possenhofener Straße Starnbergs erstes Hochhaus mit Garagenkomplex und Flachbauten entstand, das vielen Starnbergern als eine der ersten Bausünden der Stadt gilt. Ob sich die geplanten Neubauten ausgerechnet in Nachbarschaft zum ältesten Starnberger Gebäude, dem Lochmann-Haus aus dem frühen 16. Jahrhundert, tatsächlich harmonisch als "neue attraktive Möglichkeit für den öffentlichen Raum" (Weinl) einfügen, bleibt abzuwarten. Ludwig Jägerhuber (CSU) jedenfalls warnte in städtebaulicher Hinsicht vor allem wegen der geplanten Gebäudehöhen vor einem "absoluten Totschlag für dieses Quartier".

Wann das ambitionierte Projekt starten könnte, ist aber ungewiss. Stadtbaumeister Weinl erwähnte nicht unabsichtlich ein weiteres Mal fehlende personelle Kapazitäten angesichts einer Vielzahl unerledigter Aufgaben. Zwar gilt das "Museumsquartier" im Bauamt als Vorhaben der ersten Priorität. Doch bis die ersten Maschinen dort anrollen, wo derzeit die pinkfarbene Tribüne steht, dürften noch Jahre vergehen.

Zumal im Hinblick auf viele weitere große städtebauliche Projekte in der Kernstadt eine gewisse Zurückhaltung durchaus angebracht wäre: Die Ausschreibungen für das benachbarte marode Hotel "Bayerischer Hof", das wegen Baufälligkeit seit eineinhalb Jahren geschlossen ist, sollen noch dieses Jahr auf den Weg gebracht werden. Das Schuhhaus Linse in der Wittelsbacherstraße - das Bebauungsplanverfahren ist bereits eingeleitet - soll einem Neubau weichen; gebaut werden soll auch an der Kaiser-Wilhelm-Straße. Die "Seeanbindung", die im Fall einer Realisierung mit erheblichem Aufwand rund um den Bahnhof See verbunden wäre, fiele absehbar wohl auch in den Zeitraum. Bei einer CSU-Versammlung konstatierte Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG, SPD, BLS) daher für Starnberg durchaus zutreffend: "Wir stehen vor dicken Klöpsen mit erheblicher Bedeutung für die Stadt." Soll heißen: Mittel- bis langfristig wird das Gesicht der Kreisstadt vor allem von Bautätigkeiten geprägt sein.


