StarnbergDie Kriegsgöttin kehrt zurück

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Die Minerva-Statue war einst Heckfigur auf dem Prunkschiff Bucentaur, nun findet sie neue Heimstatt im Museum Starnberger See.

Otto Fritscher

Sie ist aus Lindenholz geschnitzt, zwei Meter hoch, vergoldet - und fast 350 Jahre alt: Minerva, die römische Kriegsgöttin, ist an den Starnberger See zurückgekehrt. Einst zierte die Skulptur das Heck des Prunkschiffs Bucentaur, auf dem Kurfürsten und ihr Hofstaat rauschende Feste auf dem See feierten. Jetzt hat das Bayerische Nationalmuseum die Statue als Leihgabe dem Museum Starnberger See, dem vormaligen Heimatmuseum, zur Verfügung gestellt. Dort ist sie nun ein Teil der Dauerausstellung über die "Höfische Seefahrt". Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger nannte die Minerva "unser neues Glanzstück".

Die Minerva steht nun im Starnberger Museum. Foto:  Treybal
Die Minerva steht nun im Starnberger Museum. Foto:  Treybal (Foto: Georgine Treybal)

Warum zierte ausgerechnet eine Kriegsgöttin den Bucentaur, den Kurfürst Ferdinand Maria im Jahr 1662 für seine Frau Henriette Adelaide in Auftrag gegeben hatte? Zumal es auf dem Starnberger See nie kriegerische Handlungen gegeben hat. "Das ganze Schiff ist voller mythologischer Anspielungen und Deutungen. Eine Sprache, die wir heute nicht mehr verstehen", erklärte Kreisheimatpfleger Gerhard Schober den Gästen bei der Präsentation des neuen Schätzchens. Auf dem Bug stand ein stolzer Neptun, der Gott des Meeres.

Versuche, die Minerva, ein Werk des Hofbildhauers Balthasar Ableitner, zurück an den Starnberger See zu holen, hat es bereits mehrfach gegeben. Auch Schober hat es schon mal probiert, die Statue beim Bayerischen Nationalmuseum "loszueisen", wie er sagte. "Aber damals hat mir die Minerva einen Korb gegeben." Sehr engagiert habe sich auch Gerhard Köstler für die Sache eingesetzt. "Der hat offenbar mehr Charme als ich", sagte Schober an Astrid Scherp gewandt, die Vertreterin des Nationalmuseums. Es war ein launiger und gutgelaunter Abend, dem unter anderem Starnbergs Altbürgermeister Heribert Thallmair beiwohnte. Auch Prinz Christoph von Bayern war mit seinem Sohn Korbinian ins Museum gekommen. "Die Wittelsbacher haben bei der Rückkehr eine wichtige Rolle gespielt", sagte Pfaffinger vieldeutig. Auch die Politik meldete ihre Verdienste an. Sie habe an Kultusminister Heubisch (CSU) geschrieben und sich für die Minerva eingesetzt, ließ Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), zudem Abgeordnete für den Wahlkreis Starnberg, aus dem fernen Berlin verlauten.

Es war eine lehrreiche Wiederkehr der Minerva, denn es gibt kaum einen besseren Kenner der Höfischen Schifffahrt als Gerhard Schober. Er versteht die Sprache der Mythologie noch. So erklärte er, warum Neptun und Minerva die beiden Enden des Bucentaur zierten. "Die beiden waren miteinander in Verbindung. Sie haben um Attika gekämpft, und Pallas Athene, wie die Griechen Minerva nannten, war siegreich." Vom Bucentaur sind als Originale noch die Deckengemälde und die Hecklaterne erhalten. Diese mussten jetzt der Minerva Platz machen.

© SZ vom 23.04.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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