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Starnberg:Die Gutfrauen

Starnberg ,vier business Frauen, Start-up

Sie verschenken ihre Arbeit für einen guten Zweck (v.l.): Daniela Golik, Saghi Sayyar, Evelyn van Kempen und Christine Berliner.

(Foto: Georgine Treybal)

Vier Expertinnen aus der Werbebranche haben sich zusammengetan und verschenken eine Marketing-Kampagne. Die Bewerber müssen die Welt ein klein wenig besser machen

Man muss es nicht alleine schaffen. Zusammen geht es leichter und macht obendrein noch Spaß. Diese Erfahrung haben vier Unternehmerinnen aus der Region gemacht. Marketing-Expertin Christine Berliner, 53, Filmproduzentin Saghi Sayyar, 38, PR-Agentin Daniela Golik, 45, und Evelyn van Kempen, 49, Inhaberin einer Online-Agentur, unterstützen sich seit knapp einem Jahr gegenseitig, um beruflich weiterzukommen. Nun haben sie beschlossen, dieses Gefühl des Miteinanders weiterzugeben. Sie verschenken ein komplettes Marketing. "Wir wollen ein noch unbekanntes Unternehmen, ein Start-Up oder auch nur einer Idee dazu verhelfen, sichtbar zu werden", sagt die Münsingerin Evelyn van Kempen. Einzige Bedingung: Das Projekt muss die Welt ein Stück besser machen.

Die Idee kam spontan, entwickelte aber eine große Kraft und nahm sie alle gefangen. Weil soviel drinsteckt: Die Wohltat des Schenkens, das Fördern einer guter Tat, das berauschende Gefühl des Miteinanders. "Es ist unser Herzensprojekt", sagt Sayyar. Dass es auch noch perfekt in die Vorweihnachtszeit passt - geschenkt. Trifft man die Frauen, ist eine unglaubliche Energie zu spüren. Alle vier wollen nicht nur erfolgreich arbeiten, sondern mit ihrem Tun etwas bewirken. "Ohne die Tat ist alles nur Geplapper", zitiert Sayyar den Schamanen Galsan Tschinag. Es geht ihnen darum, einen Beitrag zu leisten in Zeiten von Klimaerwärmung und Artensterben. Und auch darum andere mitzureißen. Möglichkeiten gibt es viele - "wir machen, was wir können", sagt Evelyn van Kempen.

Alle Frauen eint, dass sie in der Werbe- und Marketingbranche Produkte ins Blickfeld rücken. "Wir verfügen da schon über eine manipulative Kraft", sagt Daniela Golik. Sie weiß, wie wichtig Marketing ist und wie viele gute Ideen auf der Strecke bleiben, weil ihnen niemand zu Aufmerksamkeit verhilft. Golik liebt ihre Arbeit am meisten, wenn sie nachhaltige Produkte bewerben darf.

Zuletzt hat sie für die Greenstyle-Messe in München gearbeitet, die nachhaltige Mode präsentiert und den Münsinger Schauspieler Thomas Darchinger bei seinem Projekt "Gut, Mensch" unterstützt. "Wir müssen bewusster wirtschaften, Erfolg nicht weiter mit Wachstum gleichsetzen", sagt Golik. Christine Berliner stimmt zu: "Als Marketing-Experten sind wir Teil des Problems. Wir machen den Leuten schließlich Appetit."

Aus dem Appetit soll Hunger werden, so viel steht fest - und zwar nach einem Produkt mit Sinn. In der ersten Woche, die das Angebot als Blogeintrag im Netz kursierte, haben sich bereits neun Menschen mit ihren Ideen beworben. Darunter sind Erfindungen ebenso wie bestehende regionale Angebote, denen es schlicht an Öffentlichkeit fehlt. Doch nicht nur Bewerber, sondern auch Unterstützer haben sich gemeldet, die ihre Idee mit ihrem Knowhow fördern wollen.

Ende des Jahres ist Bewerbungsschluss, im Januar will das Marketing-Quartett dann mit potenziellen Gewinnern Gespräche führen. Schließlich geht es an die Arbeit. Christine Berliner, die 30 Jahre lang für internationale Marken wie Clarins gearbeitet hat und inzwischen aus ihrem "Alpen-Office" in Bad Tölz agiert, plant einen Workshop zur Analyse. "Es gilt herauszufinden, wo der größte Hebel ist", sagt sie. Ob es schließlich Fotos und eine Website sind, Messeauftritte, Corporate Design oder eine Bewegtbildstrategie - "wir haben eine Art Bauchladen an Möglichkeiten", sagt van Kempen. "Zusammen können wir Großes machen."

Bewerber können sich bis 31. Dezember unter www.zomppp.de/2018/11/20/startklar-fuers-naechste-business-level/ mit ihren Projekten und Ideen anmelden