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Starnberg:Der schwere Weg zur Energiewende

Vorstellung der Berger Windräder, 2019

Nachhaltig, aber auch umstritten: Windräder zur Stromerzeugung.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Stadt hätte gern eigene Stadtwerke. Ein Gutachten soll nun die Bedingungen dafür klären

Von Peter Haacke, Starnberg

Die Hälfte der Zeit ist bereits abgelaufen, doch das Ziel ist noch in weiter Ferne: Auch die Stadt Starnberg hat sich im Jahr 2005 verpflichtet, bis 2035 auf fossile und nukleare Energien zu verzichten und stattdessen auf erneuerbare Energieträger zu setzen. 2016 trat die Kreisstadt zudem dem "Klimapakt" des Landkreises bei. Doch die bisherige Bilanz zur Energiewende ist eher ernüchternd. Die Starnberger SPD erhofft sich daher schon seit längerem wesentliche Impulse zur Energiewende durch die Gründung städtischer Stadtwerke. Doch im Stadtrat herrscht Skepsis, ob dieser Schritt der richtige ist. Nun soll ein gut 70 000 Euro teures Konzeptgutachten Klarheit über das weitere Vorgehen bringen.

Im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität ergab sich vor Kurzem eine ausschweifende Diskussion über Für und Wider des Vorhabens, das in anderen Städten und Gemeinden bereits umgesetzt wurde - freilich unter völlig anderen Voraussetzungen. Als Gäste der Sitzung berichteten Gilchings Bürgermeister Manfred Walter nebst Klaus Drexler, Leiter der künftigen Gilchinger Gemeindewerke, sowie Jan Hoppenstedt, Chef der Stadtwerke Fürstenfeldbruck, über ihre Erfahrungen. Doch schnell wurde klar, dass die Bedingungen in Gilching und Fürstenfeldbruck nicht mit Starnberg zu vergleichen sind.

Die 1892 gegründeten Stadtwerke in Fürstenfeldbruck blicken auf eine jahrzehntelange Tradition zurück und haben sich als regionaler Wasser-, Gas- und Stromversorger dank eines eigenen Strom- und eines kleinen Fernwärmenetzes mit einem jährlichen Umsatz von 90 Millionen Euro sehr breit aufgestellt. In Gilching hingegen leistet die Gemeinde Pionierarbeit: Mit der Planung eines neuen Gewerbegebietes fiel 2017 auch der Beschluss zur Gründung der Gemeindewerke Gilching, die nach Verabschiedung einer Satzung am 1. Januar 2021 an den Start gehen sollen. Bei der Umsetzung des Beschlusses "sind wir sehr, sehr schnell an unsere Grenzen gekommen", berichtete Walter. Kerngeschäft sollen die Wasserversorgung und Fernwärme durch Geothermie sein, mittelfristig geplant sind die Sparten Strom, Gas und Breitband. Entscheidend war laut Walter, dass für das neue Gewerbegebiet ein Anschlusszwang ans Nahwärmenetz beschlossen wurde. Auf Nachfrage gestand Walter aber auch, dass man vorerst defizitär arbeiten werde; in den nächsten 25 bis 30 Jahren sind keine Gewinne zu erwarten.

Wasser, Gas, Fernwärme, Strom, alles aus einer Hand - oder besser: Alles von einem kommunalen Unternehmen in städtischem Eigentum. Das ist auch die Idealvorstellung der SPD, die in kommunalen Stadtwerken den "Gestalter der Energiewende" für eine energie- und wärmeautarke Stadt sieht. Neben der Wasserversorgung sollen als weitere Geschäftsbereiche die Erzeugung regenerativer Energien, Fernwärmeerzeugung, der Aufbau einer öffentlichen Lade-Infrastruktur für die E-Mobilität sowie - in ferner Zukunft - die Übernahme des Strom- und Gasnetzes hinzukommen. Darüber hinaus soll die Integration des Seebades sowie der Bau und das Betreiben von Parkhäusern zumindest geprüft werden.

Allerdings gestand auch Tim Weidner (SPD) ein, dass angesichts leerer städtischer Kassen derzeit kaum finanzieller Spielraum besteht. Zwar habe sich der Stadtrat selbst die Zielsetzung zur Energiewende verordnet, doch 15 Jahre seien bereits "versandelt" worden. Auch eine Übernahme der Strom- und Gasnetze war nicht erfolgt, "dieser Zug ist definitiv abgefahren", sagte Weidner. Gleichwohl forderte er eine Grundsatzentscheidung. Unterstützung kam von Franz Sengl (Grüne), der im Hinblick auf den Vorschlag der Verwaltung feststellte: "Zurückgestellt heißt St.-Nimmerleins-Tag". Wenig Begeisterung kam dagegen bei CSU, WPS, BLS und Bürgermeister Patrick Janik auf. "Stadtwerke sind kein Selbstzweck und bringen keine Energiewende", befand Janik. Anke Henniger (FDP) setzt derweil Hoffnung aufs Zukunftsprojekt "Moosaik". Die Abstimmung im Gremium, dass sich Starnberg grundsätzlich für die Gründung von Stadtwerken zur Verwirklichung der Energiewende einsetzt, fiel entsprechend knapp aus mit 7:6 Stimmen.

© SZ vom 26.10.2020
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