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Starnberg:Der falsche Mann

Wer hat in einem Möbelhaus einen gestohlenen Einkaufsgutschein eingelöst? Ein Beweisvideo fördert Erstaunliches zutage

Kolumne von Andreas Junkmann

Wie im falschen Film dürfte sich jüngst ein Starnberger vorgekommen sein, der sich vor dem Ebersberger Amtsgericht wegen Betrugs verantworten musste. Das lag in erster Linie daran, dass der Mann selbst in gar keinem Film zu sehen war - obwohl Staatsanwaltschaft und Polizei zunächst davon ausgingen, er sei darin zu sehen. Klingt verwirrend? Ist es auch.

Folgende Ausgangssituation lag dem kuriosen Prozess in der Kreisstadt zu Grunde: Dem 45-Jährigen wurde vorgeworfen, er habe gemeinsam mit seiner Frau in einem Möbelhaus in Parsdorf einer anderen Kundin den Geldbeutel gestohlen. Darin habe sich neben Bargeld auch ein Einkaufsgutschein über 450 Euro befunden. Mit diesem habe das Ehepaar laut Anklage an der Kasse schließlich seine eigenen Waren im Wert von 387 Euro bezahlt - was im juristischen Sinne als Betrug gilt, denn der Gutschein lief ja auf einen anderen Namen.

Gut nur, dass größere Geschäfte über Videoüberwachung verfügen, und sich dadurch solcherlei Gaunereien vermeintlich leicht aufdecken lassen. Auf der Filmaufnahme, die Richterin Vera Hörauf während des Prozesses abspielte, war dann tatsächlich das fragliche Ehepaar zu erkennen. Nur der Mann in dem Film war eben nicht der Mann auf der Anklagebank. Die Nase passte nicht so richtig, auch die Augenbrauen waren etwas anders geformt, der Haaransatz ein bisschen lichter und eine Brille trug der Verdächtige im Video auch keine. Das ließ die Richterin ins Grübeln kommen: "Der Angeklagte sieht schon ein bisschen anders aus", so ihr Fazit.

Dagegen eindeutig zu identifizieren war die Frau des Beschuldigten, die offenkundig mit einem anderen Partner auf Diebestour unterwegs gewesen war - und dafür auch bereits verurteilt wurde. Wer denn nun aber der Mann im Film tatsächlich ist, ließ sich vor Gericht nicht klären. Der Starnberger jedenfalls wurde freigesprochen. Der falsche Film hatte zumindest für ihn also ein Happy End.

© SZ vom 19.04.2021
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