Ein Fahrschullehrer, der leidenschaftlich gern radelt "Das ist Stressabbau"

Autofahren ist sein Beruf, Radeln seine Leidenschaft: Helmut Heilmann wechselt täglich die Rollen.

(Foto: Nila Thiel)

Helmut Heilmann ist Fahrlehrer, fährt aber lieber Rad

Interview von Christiane Bracht, Starnberg

Fahrschullehrer lieben das Autofahren, möchte man meinen. Das Klischee trifft aber nicht auf alle zu: Helmut Heilmann hat zwar schon zahlreichen Starnbergern beigebracht, wie man richtig einparkt oder in drei Zügen wendet. Insgeheim schlägt sein Herz aber fürs Radeln. Die SZ sprach mit ihm über das Stadtradeln, an dem er seit Jahren mit einem eigenen Team teilnimmt. Und über seine beiden Rollen, als Auto- und als Radfahrer.

SZ: Wie viele Kilometer haben Sie heuer schon fürs Stadtradeln gesammelt?

Helmut Heilmann: Ungefähr 800.

Das ist viel. Wie schaffen Sie das, wenn Sie doch den ganzen Tag im Auto sitzen?

Ich bin für jede Sekunde froh, die ich auf dem Rad sitze. Wissen Sie, viele Fahrlehrer schieben einen dicken Bauch vor sich her. Als ich erste Tendenzen dazu an mir bemerkt habe, bin ich aufs Rad gestiegen. Seither radle ich jeden Tag von Gilching nach Starnberg zur Arbeit. Oft mache ich sogar Umwege. Das ist für mich Stressabbau. Und auch in der Freizeit nutze ich jede Möglichkeit, in die Pedale zu treten.

Und wie begeistern Sie ihre Schüler vom Stadtradeln? Die meisten sind doch sicher froh, wenn sie am Steuer sitzen können und nicht mehr aufs Rad steigen müssen.

Beim ersten Mal haben an die 30 Fahrschüler mitgemacht. Aber jetzt erreiche ich mit meinen Motivationsversuchen kaum noch jemanden. Die meisten treiben keinen Sport, die übrigen haben Freizeitstress. Ich freu' mich schon, wenn die Schüler mit dem Rad zur Fahrschule kommen. Die meisten werden von den Eltern gebracht. Das Fahrschulteam ist aber aktiv.

Als Fahrlehrer erziehen Sie die Jugendlichen ja auch zum Autofahren.

Es macht mir viel Spaß, ihnen das Fahren beizubringen, aber ich versuche sie zu motivieren, das Rad zu nutzen. Zum Geburtstag schenke ich ihnen etwas fürs Rad.

Regen Sie sich eigentlich manchmal über die Radler auf, wenn Sie im Auto sitzen?

Ich schimpfe, wenn sie bei Rot über die Ampel fahren oder auch, wenn sie zu mehreren nebeneinanderfahren. Manchmal lass' ich auch das Fenster runter und zeige ihnen, wo der Radweg ist. Manche nicken, andere zeigen mir den Stinkefinger. Und auf der Maximilianstraße muss man nicht in der Mitte fahren, aber wehe du hupst. Da regen sie sich fürchterlich auf.

Und wie ist es, wenn Sie im Sattel sitzen?

Dann ist es umgekehrt. Dann schimpfe ich auf die Autofahrer. Ich fahre zum Beispiel ungern in der Nähe von Starnberg Rad. Dort fahren die Autos besonders nah an einem vorbei. Manche stellen sogar extra die Scheibenwischanlage an, wenn sie neben einem sind. Ein toller Spaß. Nicht nur, dass man nass wird, das Zeug stinkt fürchterlich. Gefährlich ist es in der Badesaison in Kempfenhausen, wenn die parkenden Autos rückwärts rausfahren, ohne auf den Radverkehr zu achten. Oder wenn die Leute ihre Badetasche gedankenlos einfach mitten auf den Radweg stellen.

Verwandeln Sie sich auf dem Rad gelegentlich auch in einen Verkehrsrowdy?

Nein, ich bleibe bei Rot stehen, fahre nicht auf den Gehweg oder über eine Fußgängerampel. Da bin ich eisern. Ich trage beim Radeln immer das Trikot der Fahrschule und wäre für jeden Polizisten sofort erkennbar. Außerdem habe ich eine Vorbildfunktion. Das hält mich davon ab.

Was würden Sie sich wünschen?

Das Miteinander sollte nicht so klein geschrieben werden. Auf der Straße tobt ein Kampf, jeder gegen jeden. Es wäre gut, wenn die Autofahrer mehr Rücksicht nehmen würden und sich alle mehr an die Verkehrsregeln halten würden.