Starnberg 3D-Drucker nach Maß

Die Firma Eos platzt im Kraillinger Gewerbegebiet KIM aus allen Nähten. Deshalb baut das Unternehmen nun in Starnberg Spezialanlagen für Kunden in aller Welt - und schafft so bis zu 100 Arbeitsplätze

Von Otto Fritscher, Starnberg

Ganz einfach ist es nicht zu erklären, was hier im ehemaligen Firmengebäude der Rofin-Baasel-Lasertech im Starnberger Gewerbegebiet passiert. "Additive Manufacturing Customized Machines" (AMCM) heißt die neue Firma, die nach dem Wegzug von Rofin-Baasel ins Gilchinger Gewerbegebiet die Räumlichkeiten in Beschlag genommen hat. Sie gehört zur Eos-Firmengruppe, die im Kraillinger Gewerbegebiet KIM aus allen Nähten platzt und deshalb Standorte in der Umgebung sucht. In Starnberg ist Eos nun fündig geworden.

Das Unternehmen, gegründet von Hans J. Langer, beschäftigt sich mit industriellem 3D-Druck, also sogenannten Additiven Fertigungsverfahren. Hierbei wird von einem Rohmaterial nichts weggefräst, abgesägt oder sonst wie weggenommen, sondern aus Pulver wird durch Laserenergie Schicht für Schicht aufgebaut, bis das gewünschte Stück, ein Zahnimplantat etwa oder ein Lampenschirm mit kleinsten Öffnungen und filigraner Oberfläche, entstanden ist. Also, was passiert hier genau?

Was man mit industriellen 3D-Druckern alles machen kann, demonstriert Eos-Gründer Hans J. Langer.

(Foto: Nila Thiel)

"Wenn wir uns mit der Autobranche vergleichen, dann sind wir das, was Alpina für BMW oder AMG für Mercedes sind - also die Tuning-Firmen für besondere Aufgaben", erklärt Martin Bullemer, Geschäftsführer von AMCM. Oder: "Wir sind der Sonderanlagenbau von Eos." Ein Beispiel: Ein Kunde möchte ein Bauteil herstellen, das zehn Zentimeter größer ist, als es in den Schacht eines serienmäßigen 3D-Druckers von Eos hineinpasst. "Dann konstruieren wir diese Anlage so um, bis sie auf die Kundenbedürfnisse passt und auch ein größeres Bauteil erstellt werden kann", erklärt Armin Pollak, Technik-Chef von AMCM.

Klingt einfach, kann aber sehr kompliziert sein. Etwa, wenn schwer zu bearbeitende Werkstoffe wie Aluminium- oder Reinkupferlegierungen geschweißt werden sollen, aus denen dann unter anderem Bauteile für Satelliten oder Raketentriebwerke werden. "Für manche Aufgaben braucht man ganz spezielle Laser", erklärt Pollak, es gibt verschiedenste Wellenlängen, blaue, rote oder grüne Laser, um es einfach zu sagen.

Zurück zu dem Lampenschirm, den Bullemer als Demonstrationsobjekt in seinem Büro bereithält. "Wenn sie das mit konventioneller Fertigungstechnik herstellen, dauert das ewig und man verliert beim Zerspanen 95 Prozent des Materials", erklärt er. Beim Lasersintern, also beim Schichtweisen hinzufügen des pulverförmigen Werkstoffs unter Laserstrahlen, in diesem Fall Titan, wird kein Material vergeudet. Und es geht deutlich schneller.

Die Belegschaft der neuen Eos-Schwester AMCM ist schon in die Räume der ehemaligen Rofin-Baasel-Lasertech eingezogen, ganz links Geschäftsführer Martin Bullemer.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Seit vergangenem Oktober nun werden die Räumlichkeiten hergerichtet, gut 20 Mitarbeiter hat AMCM bis jetzt. Doch die Belegschaft werde schnell wachsen, sagt Bullemer. In zwei, drei Jahren könnten es 80 bis 100 Mitarbeiter sein, sagt der Geschäftsführer. Und das neue Unternehmen werde "in sehr kurzer Zeit profitabel sein". Die Belegschaft von AMCM besteht bislang fast ausschließlich aus Männern, zumeist Ingenieure oder Techniker. "Es handelt sich nicht um einen Umzug aus dem KIM, sondern um ein neu gegründetes Unternehmen", sagt Hans J. Langer, Chef der Eos Group, die quasi die Holding über der Eos GmbH und deren neuem Schwesterunternehmen AMCM GmbH darstellt. Starnberg sei "eine ideale Lage" für die neue Firma, da man etwa mit der Eos GmbH in Krailling eng zusammenarbeiten werde. Die AMCM GmbH hat nach Angaben von Bullemer übrigens weltweit kaum eine Konkurrenz zu fürchten. "Was wir hier machen, ist ziemlich einmalig", ist er überzeugt.

Eos wird übrigens noch mehr Räume im selben Gebäude, in dem auch die Master Payment GmbH untergebracht ist, in Beschlag nehmen. Der neue, firmeninterne Schulungscampus wird hier im Frühjahr eingerichtet, in dem etwa neu eingestellte Mitarbeiter die Firma kennenlernen.

Für Bullemer und Pollak ist die Neugründung indes eine Art Deja-vu-Erlebnis. Beide haben schon bei der damaligen Baasel-Lasertech gearbeitet, Pollak vor 30 Jahren sogar in dem selben Büro, in dem er jetzt mit AMCM neu angefangen hat, und Bullemer war vor 15 Jahren bei Baasel beschäftigt. Über die Rückkehr freuen sich Bullemer und Pollak deshalb besonders: "Wir führen hier die Laser-Tradition fort, die Carl Baasel hier in Starnberg begründet hat."