Corona in Starnberg:Selbständig in Quarantäne

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Zu viele Fälle: Das Landratsamt schafft es nicht mehr, alle Infizierten zu kontaktieren. Diese müssen sich nun eigenständig isolieren und ihre Kontaktpersonen informieren.

Von Carolin Fries

Die Zahl der täglich neu mit dem Coronavirus infizierten Menschen ist so hoch, dass das Landratsamt nicht mehr mit der Bearbeitung der einzelnen Fälle hinterherkommt. In den vergangenen Tagen hat die Behörde im Schnitt täglich 220 neue Fälle registriert, hinzu kamen Hunderte Folge- und Nachmeldungen. Die Sieben-Tage-Inzidenz war so seit Wochenbeginn von 426,8 auf 1789 gestiegen. Am Freitag sprang der Wert auf 2302,9 - bayernweiter Rekord. Landrat Stefan Frey (CSU) rechnet damit, dass die Inzidenz am Wochenende auf 2700 weiter steigen wird. Am Freitag konnte die Behörde erstmals keine tagesaktuelle Zahl der neu Infizierten nennen. Es liefen noch Abstimmungen mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und dem Robert-Koch-Institut (RKI).

Das Gesundheitsamt arbeite auf Hochtouren - doch man sei nun an einem Punkt angelangt, an dem "die Kontaktaufnahme zu erkrankten Personen und die Anordnung der Quarantäne nicht mehr vollständig" zu bewältigen sei, so Frey. Das Landratsamt werde deshalb eine Priorisierung vornehmen und sich auf Risikopatienten und vulnerable Gruppen wie Personen in Alten- und Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Krankenhäuser fokussieren.

Das Gesundheitsamt werde zudem weiterhin versuchen, Einrichtungen wie Schulen, Kitas und Gemeinschaftsunterkünfte zu betreuen. Alle anderen betroffenen Personen, die an Covid-19 erkrankt sind oder engen Kontakt zu Infizierten hatten, werden gebeten, sich selbständig in Isolation zu begeben. Genauere Informationen und Anweisungen hat die Behörde am Freitag auf ihrer Homepage veröffentlicht. In vielen anderen Landkreisen sei dies schon seit längerer Zeit der Fall, heißt es. Nun treffe es auch den Landkreis Starnberg.

Landrat Stefan Frey betont, dass das Vorgehen der Kreisbehörde den Vorgaben des Gesundheitsministeriums entspreche. Nach den geltenden Regelungen müssten sich alle Personen, die positiv getestet wurden - egal ob mit Selbst-, Schnell- oder PCR-Test - unverzüglich in häusliche Quarantäne begeben. Bei einem positiven Antigentest oder Schnelltest gelte es, das Ergebnis durch einen PCR-Test abzusichern. Zu diesem Zweck dürfe die Wohnung verlassen werden. Erst wenn schließlich ein positiver PCR-Test vorliegt, gilt der Fall als bestätigt. Dann gelte es, sich unverzüglich in Isolation zu begeben, "das heißt, kein persönlicher Kontakt zu anderen Personen und die Wohnung nicht verlassen". Die Pflicht zur Isolation ergebe sich direkt aus der Allgemeinverfügung des Gesundheitsministeriums, ein Quarantänebescheid des Starnberger Gesundheitsamts sei nicht erforderlich. Wer sich nicht isoliere, begehe eine Ordnungswidrigkeit. "Diese kann als solche geahndet werden", teilt die Kreisbehörde mit. Die häusliche Isolation für bestätigte Fälle dauert zehn Tage (Tag eins ist der Tag nach der Testung). Nach sieben Tagen ist es möglich, sich mit einem PCR- oder Schnelltest freizutesten.

Ihre engen Kontaktpersonen müssen die Betroffenen selbst informieren. Hierbei soll ein Zeitraum bis zwei Tage vor dem positiven PCR-Abstrich beziehungsweise zwei Tage vor dem Auftreten von Symptomen berücksichtigt werden. Wer als Kontaktperson gilt und in Quarantäne muss, ist auf der Homepage veröffentlicht.

Am Freitag meldete die Kreisbehörde, dass es aktuell 18 Corona-Fälle in Seniorenheimen gibt, 21 in Kliniken, 222 in Schulen und 90 in Kitas. Die vielen Fälle machten sich nun auch wieder im Klinikbereich bemerkbar, so Frey. Covid-19-Patienten hätten am Freitag etwa 18 Prozent der Intensivbetten im Landkreis belegt. Insgesamt seien 38 von 45 Betten belegt. Acht Covid-Patienten würden intensivmedizinisch behandelt, davon würden sieben invasiv beatmet.

Corona-Lage im Landkreis

Aktuell (Vgl. Vortag)

Infizierte gesamt: Unbekannt (--)

Tote gesamt: 149 (--)

davon "mit" Corona: 62 (--)

Menschen mit 1. Impfung: 104.349 ( + 26)

Menschen mit 2. Impfung: 105.611 ( + 91)

Menschen mit 3. Impfung: 75.378 (+ 396)

Anteil freie Intensivbetten: 15,56 % (11,63%)

Sieben-Tage-Inzidenz: 2.302,9 (1.789,0)

Quelle: Landratsamt, BRK, Divi-Register

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