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Coronavirus im Landkreis Starnberg:Null Spritzen im Impfzentrum

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Eine Arztpraxis in Tutzing hat Impfstoff von Astra Zeneca übrig.

(Foto: ap)

Erstmals seit der Eröffnung verstreicht ein Tag ohne Immunisierungen, weil die Dosen fehlen. Das soll sich bald ändern - damit die nächste Priorisierungsgruppe an die Reihe kommen kann.

Von Carolin Fries

Ein Tag ohne eine einzige Corona-Impfung im Impfzentrum des Landkreises mit seinen vier Außenstellen - das gab es noch nie. Bis zum vergangenen Sonntag. Da meldete der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) eine nackte Null. "Wir hatten einfach keinen Impfstoff", erklärt Geschäftsführer Jan Lang. Die Lieferungen hatten im Juni zunächst bei etwa 600 Dosen täglich gelegen und sanken dann beständig. Seit dem Wochenende ist ein neuer Tiefpunkt erreicht: 100 Impfungen am Samstag, keine am Sonntag, 85 am Montag. Ist es an der Zeit, die Impfzentren zu schließen?

Lang glaubt, dass die Einrichtungen weiter benötigt werden. "Das sind Wellenbewegungen. Die Erfahrung der vergangenen Monate hat gezeigt, dass auf Phasen mit geringer Auslastung Phasen mit hohen Auslastung folgen", sagt er. Zudem seien im Landkreis noch nicht alle Menschen mit Priorisierung drei geimpft. "Je nach Wohnort befinden wir uns gerade in Prio 3 oder 4." Nach wie vor filtert die Software BayImco heraus, wer einen Termin bekommt. Doch auch telefonische Anmeldungen über das Callcenter würden berücksichtigt.

"Außerdem gehen wir gezielt auf Zielgruppen und Einrichtungen zu", so Lang. In den kommenden Tagen würden etwa Wohnungslose geimpft. Bald könnten mobile Impfteams in kleineren Betrieben impfen, die keinen Betriebsarzt haben, und womöglich Kinder und Jugendliche - je nachdem, ob es neue Empfehlungen gebe. Lang rechnet außerdem mit einer zunehmenden Impfbereitschaft der Menschen zur Reisezeit.

Gegen Ende des Jahres wiederum könnten Drittimpfungen erforderlich sein. Aktuell ist der Auftrag des Landkreises bis Ende September befristet. "Wir gehen davon aus, dass wir darüber hinaus eine Struktur aufrecht erhalten", wenn auch nicht mit vier Außenstellen und etwa 100 Mitarbeitern, wie Lang ergänzt.

Bereits in dieser Woche kann bereits wieder mehr geimpft werden. Dem Landratsamt wurden 2514 Dosen von Biontech (davon 114 für Erstimpfungen), 1200 von Moderna (davon 1025 für Erstimpfungen), 100 von Astra Zeneca (ausschließlich für Zweitimpfungen) und 100 Mal der Einmal-Impfstoff von Johnson &Johnson angekündigt.

Sonderaktion

Die Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald bietet an diesem Mittwoch von 17 bis 19 Uhr im Rathaus Sonderimpftermine mit Astra Zeneca an. Insgesamt stünden 70 Dosen zur Verfügung, die eine örtliche Arztpraxis übrig habe. "Wir wollen nicht, dass der Impfstoff verfällt", so die Bürgermeisterin. Das Angebot richte sich an Männer von 18 Jahren an und Frauen über 60 Jahre, der Wohnort spielt keine Rolle. Auch eine Anmeldung ist nicht erforderlich - wer zuerst kommt, wird zuerst geimpft, auch Zweitimpfungen sind möglich. Mitzubringen ist lediglich der Personalausweis sowie der Impfpass und die Versichertenkarte. Die Impfungen finden in der Rathaus-Tenne statt, der Zugang erfolgt über den Haupteingang (nicht barrierefrei). Im Gebäude muss eine FFP2-Maske getragen werden. Rückfragen zur Sonderaktion sind am Mittwochvormittag von 8 bis 12.30 Uhr unter der Telefonnummer 08158/2502-212 möglich. frie

Seit vergangener Woche können die Impfzentren ein Bestellportal nutzen, um die benötigten Mengen nach den jeweiligen Herstellern zielgerichtet anzufordern. Noch funktioniere das aber nicht, so Lang. "Es ist deutlich weniger als bestellt geliefert worden und auch was anderes." Grundsätzlich aber sei der Gedanke gut, um die Impftermine und das Personal besser planen zu können. Zuletzt sei es mitunter schwierig gewesen, die Zentren je nach Impfstoff-Lieferungen spontan hoch- und runterzufahren und dennoch zu gewährleisten, dass jede Dosis rechtzeitig verimpft wird. Jan Lang ist stolz: "Bislang ist keine Dosis verschütt gegangen."

Während die Infektionslage im Landkreis stabil niedrig ist, wird unter den wenigen Neuinfektionen immer häufiger die Delta-Variante des Coronavirus nachgewiesen. Bis Freitag registrierte die Kreisbehörde bereits sieben Fälle. Die Zahl wurde am Montag jedoch auf drei korrigiert, weil die WHO nur mehr einen Typus als besorgniserregend einstuft. Vorherrschend bleibt im Landkreis die Beta-Variante, die in 873 der insgesamt 901 Fälle von Mutanten nachgewiesen wurde.

© SZ vom 23.06.2021
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