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Corona-Impfungen:So funktionieren die neuen Impfzentren in Herrsching und Feldafing

Herrsching Impfzentrum und V

Waltraud Munz setzt eine der ersten Spritzen im Impfzentrum in Herrsching, das am Montag öffnete.

(Foto: Georgine Treybal)

Im Landkreis wären nun 10.000 Impfungen pro Woche möglich. Doch die Lieferungen sind begrenzt. Aber es gibt einen schnelleren Weg zur Spritze.

Von Carolin Fries

Am liebsten wäre es Stefan Frey (CSU), die Menschen im Landkreis würden in einem Pizza-Drive-in gegen Covid-19 geimpft. Starnbergs Landrat drückt aufs Tempo, will "aus allen Rohren impfen, was geht", wie er am Montag in Feldafing auf dem Gelände der Fernmeldeschule der Bundeswehr sagte. Dort sowie im Herrschinger Gewerbegebiet hat der Landkreis zwei neue Impfaußenstellen in Betrieb genommen. Wie in Gauting, Starnberg und Wörthsee sind hier bis zu 300 Impfungen täglich möglich, wöchentlich käme der Landkreis damit auf mehr als 10 000. Tatsächlich aber sind die Lieferungen für die Impfzentren gedeckelt, aktuell auf 3500 Dosen pro Woche, so Frey. Statt mit Vollgas muss im Landkreis also nach wie vor mit angezogener Handbremse geimpft werden.

Die neuen Außenstellen, die ebenfalls vom Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) betrieben werden, dienen aktuell vor allem einem Zweck: Die Bürger sollen für eine Spritze nicht durch den halben Landkreis fahren müssen. "Doch sollte irgendwann mehr Impfstoff kommen, wären wir vorbereitet", so Frey. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass Überraschungen durchaus möglich sind. Unverhofft erhielt der Landkreis unlängst knapp 17 000 Impfdosen binnen einer Woche. Eine Menge, die allein von den Impfzentren nicht so rasch aufzubrauchen gewesen wäre. Umso wichtiger sei die Unterstützung der Haus- und Fachärzte, so der Landrat. Diese impfen seit Anfang April mit, bislang ebenfalls kontingentiert auf maximal 50 Impfdosen pro Woche. "Man sieht schon jetzt, wie stark unsere Ärzte da im bayernweiten Schnitt sind", findet Frey.

Herrsching Impfzentrum und V

AstraZeneca nutzen vor allem die Hausärzte.

(Foto: Georgine Treybal)

Beeindruckend sind die Zahlen in der Tat. So haben die Ärzte in den vergangenen knapp drei Wochen 6527 Spritzen gesetzt und damit etwa ein Drittel dessen, was die Impfzentren in den vergangenen vier Monaten geleistet haben. In der vergangenen Woche hat der Landkreis 10 000 Dosen Astra Zeneca an die Praxen verteilt, der Großteil davon würde in dieser Woche verimpft. In den Impfzentren gibt es das Präparat, das womöglich in Zusammenhang mit Thrombosen in Hirnvenen steht, von dieser Woche an nur noch für Zweitimpfungen.

BRK-Kreisgeschäftsführer Jan Lang hat zumindest "das Gefühl, wie in einem Pizza-Drive-in" zu immunisieren - derart routiniert laufe das Procedere inzwischen in den Impfzentren ab. Von der Anmeldung geht es zum Aufklärungsgespräch und weiter zur Impfung, danach zur Nachbeobachtung. Bernhard Dersch ist der erste von insgesamt 48 angemeldeten Impflingen an diesem Montag in Feldafing. Er sucht sich über den schmalen Flur unauffällig seinen Weg von Zimmer zu Zimmer, vorbei an Mitarbeitern von Landratsamt, BRK und Pressevertretern. Die ehemaligen Büroräume der Fernmeldeschule, die ihre Verwaltung laut Brigadegeneral Rainer Simon längst in die Kaserne nach Pöcking verlagert hat, sind schmucklos, aber funktional.

Herrsching Impfzentrum und V

In den Zentren gibt es seit dieser Woche vor allem den Wirkstoff von Biontech.

(Foto: Georgine Treybal)

"In jedem Raum können wir die Fenster öffnen", sagt Maraike von Samson-Himmelstjerna. Sie leitet die Außenstelle, ihr Mann Patrick impft ebenfalls mit. Die beiden Transplantationsmediziner aus Berg haben sich spontan zur Verfügung gestellt, weil "in der Pandemie kaum transplantiert wird". Bernhard Dersch konnten sie glücklich machen. Der 58 Jahre alte Elektroinstallateur aus Söcking hat seinen Impftermin als aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr bekommen. Für ihn gab es das Vakzin von Biontech, "ich hätte aber auch was anderes genommen". Jetzt fühle er sich "ein bissl wohler", sagt er. Man sei bei Einsätzen ja doch immer mit anderen in Kontakt.

In den Impfzentren wird nach wie vor streng nach Priorisierung immunisiert, aktuell in der Gruppe zwei. Wer nicht als systemrelevantes Personal ein Angebot erhält, muss warten, dass ihn der Algorithmus vorschlägt. Landrat Frey schätzt, dass in Gruppe zwei etwa 18 000 Landkreisbürger fallen, "wie viele sich davon impfen lassen wollen, wissen wir natürlich nicht". Wer nicht länger warten wolle, dem empfiehlt der Landrat den Weg zu einem der impfenden Haus- oder Fachärzte im Landkreis.

"Wir sind flexibler bei der Priorisierung", sagt Richard Aulehner. Der Internist aus Krailling leitet als BRK-Chefarzt das Impfzentrum und impft in seiner Praxis. Ihm sei es egal, wer wo seine Spritze bekomme. Im Mai würde die Priorisierung ohnehin aufgehoben. Die offizielle Laufzeit der Impfzentren im Landkreis endet Ende September.

© SZ vom 20.04.2021
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