Starnberg:Der Bürgermeister übt sich in Demut

Starnberg: Erfolgreich im zweiten Anlauf: Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik bei seinem Rechenschaftsbericht auf der Bürgerversammlung.

Erfolgreich im zweiten Anlauf: Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik bei seinem Rechenschaftsbericht auf der Bürgerversammlung.

(Foto: Georgine Treybal)

Im zweiten Anlauf besuchen etwa 150 Interessierte die Bürgerversammlung in der Schlossberghalle. In fast vier Stunden werden viele Themen angesprochen, doch die Antworten zu den wichtigsten Fragen stehen noch aus.

Von Peter Haacke, Starnberg

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Zur großen Bürgerversammlung der Kreisstadt Starnberg fanden sich am Mittwochabend etwa 150 Interessierte in der Schlossberghalle ein, um den obligatorischen Rechenschaftsbericht von Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG, SPD, BLS) zur Kenntnis zu nehmen.

Zu Protesten oder Störaktionen kam es während der insgesamt fast vierstündigen Veranstaltung nicht, in vorwiegend sachlicher Atmosphäre wurden die jeweiligen Themen diskutiert. Unter den Zuhörern waren auch zwölf Stadträte aus sechs Fraktionen, einzig BLS und BMS glänzten mit kollektiver Abwesenheit. Einer der Schwerpunkte des Abends war, wie erwartet, das Thema "Seeanbindung".

Janik war bemüht, das selbst auferlegte Zeitlimit von einer Stunde für seinen Bericht einzuhalten. Erst zum Ende einer teils gehetzt wirkenden Rede ging er auf die Umstände ein, die Mitte September nach wenigen Minuten zum vorzeitigen Abbruch der Bürgerversammlung geführt hatten. "Ich war schlicht und ergreifend erschöpft", sagte Janik und verwahrte sich dagegen, dass er an "Depression oder anderen Erkrankungen" leide. Er stehe weiterhin zu der Absage, auch wenn die Vorgehensweise unglücklich gewesen sei.

Andererseits sei er froh, dass er nun offen darüber reden könne und stellte fest: "Faszinierend, wie sich Stigmatisierung anfühlt." Für seinen Auftritt bei der Veranstaltung tags darauf auf dem Kirchplatz bat er um Entschuldigung bei jenen, die seine Rede als respektlos empfunden hatten. "Ich war nicht sehr kommunikativ an diesem Abend", sagte er und ergänzte: "Mir ist bewusst, dass ich da ein ziemlich jämmerliches Bild abgegeben habe." Gleichwohl treibe ihn angesichts der AfD-Erfolge die Sorge um, dass die "Demokratie irgendwann dahinscheidet - und zwar nicht mit einem Krachen, sondern mit einem Schulterzucken". Nennenswerte Reaktionen seitens der Bürger auf die öffentlich vorgetragene Demut des Bürgermeisters gab es nicht.

Zuvor hatte sich Janik im Staccato an Haushaltszahlen, Personalkosten und der Kreisumlage abgearbeitet, um am Ende dieses Themenblocks angesichts ungewisser Zukunftsaussichten festzustellen: "Wir müssen lernen, damit zurecht zu kommen." Die Sorge um die finanzielle Überforderung der Stadt prägte auch den Komplex "Seeanbindung". An diesem Punkt wollte Janik jedoch vorerst nicht ins Detail gehen. "Mehr Klarheit werden wir erst am Jahresende haben", sagte er.

Dennoch sollte das Thema damit nicht abgehandelt sein: Einige Anwohner aus dem Oberfeld, die vom geplanten Umbau der Gleisanlagen unmittelbar betroffen wären, hatten zu vorgerückter Zeit noch eine Reihe weiterer Fragen. Erstaunen rief bei Verwaltung und Stadträten die Aussage eines Anwohners hervor, ihm liege seitens der Deutschen Bahn die Machbarkeitsstudie zum 170-Millionen-Euro-Projekt vor, die von der Stadt eisern unter Verschluss gehalten wird.

Der Blick in die Zukunft ist eher neblig

Wichtig erschien Janik die Würdigung städtischer Aktivitäten sowie die erheblichen baulichen Änderungen der 23 741 Einwohner zählenden Stadt: Dazu zählen Neubauten in der Kaiser-Wilhelm-Straße, das Gewerbegebiet "Moosaik", das laut Janik ein "ziemlich großer Wurf" werden kann, die Sanierung des Hotels "Bayerischer Hof", für die im kommenden Jahr die Ausschreibungsergebnisse erwartet werden. Und auch bei "diesem jämmerlich aussehenden Bahnhof sind wir auf einem guten Weg", erklärte der Bürgermeister.

Starnberg: Rund 150 interessierte Bürgerinnen und Bürger fanden sich in der Schlossberghalle zur Bürgerversammlung ein.

Rund 150 interessierte Bürgerinnen und Bürger fanden sich in der Schlossberghalle zur Bürgerversammlung ein.

(Foto: Georgine Treybal)

Der Blick in die nahe Zukunft geriet dagegen eher neblig: Abgesehen vom Klimaschutz beschäftigt die Verwaltung das Thema kommunale Wärmeplanung bis 2028. Janik versuchte die Erwartungen etwas zu dämpfen, zumal der Aufbau eines Fernwärmenetzes für die Stadt mit "gigantischen Kosten" verbunden und eine ökologische Lösung nicht immer auch die kostengünstigste sei. Mit Expertenhilfe wolle man das Machbare ausloten. Womöglich sei auch das "Ökosystem See" als Wärmequelle denkbar.

Weiterhin erinnerte Janik an den Bau der neuen Eisenbahnbrücke im Sommer mit ausgebliebenem Verkehrschaos und verwies darauf, dass die reine Bauzeit des B2-Tunnels etwa sieben Jahre betrage, sobald die Bundesregierung das Projekt endgültig abgesegnet habe - "und nur dann, wenn niemand dagegen klagt". Die Digitalisierung an Grund-und Mittelschulen sei abgeschlossen. Bedauerlich sei, dass derzeit knapp 80 Kinder keinen Betreuungsplatz hätten. Lob und Beifall gab es für die Mitarbeiter des Betriebshofs und der Feuerwehren, auch wenn angesichts von Personalknappheit und vielfältiger Aufgaben laut Janik "manches nicht so wunderbar ist".

Ebenfalls Applaus gab es für das städtische Kulturprogramm nebst "Nacht der langen Tafel", "Starnberg bewegt" (8. Oktober), Christkindlmarkt sowie die Städtepartnerschaft mit Dinard und der Patenschaft mit der U-Boot-Besatzung "Delta". Im Anschluss gab es die Gelegenheit, Anträge zu stellen und Fragen zu stellen.

Der Vortrag des Bürgermeisters soll unter www.starnberg.de auf die Homepage der Stadt Starnberg gestellt werden.

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