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Kommunalwahl in Starnberg:Einer für alle

Starnberg: SPD BM Kandidat Patrik Janik

Händeturm für den Parteifreien: Tim Weidner, Christiane Kern, Christiane Falk, Frank Hauser (von links) und der Kandidat Patrick Janik (Mitte).

(Foto: Nila Thiel)

Auch die SPD wählt Patrick Janik zum Bürgermeisterkandidaten für Starnberg. Doch bei der Aufstellung gibt es Kritik.

Die Mitgliederversammlung des Starnberger SPD-Ortsvereins hat Patrick Janik als Bürgermeisterkandidaten bei den Kommunalwahlen 2020 bestätigt. Weitere Bewerber gab es nicht. Acht der insgesamt zehn Stimmberechtigten votierten am Dienstagabend auf Vorschlag des Ortsvorstands für den 43-jährigen Rechtsanwalt, der als parteifreier Kandidat zuvor schon von UWG und CSU als Herausforderer der Starnberger Amtsinhaberin Eva John nominiert worden war.

Anders als bei den vorherigen Nominierungsversammlungen traf Janiks Kandidatur jedoch auf Widerspruch. Ausgerechnet Holger Knigge, langjähriger Stadtrat und Ur-Gestein der SPD, sowie seine Frau Gloria äußerten Vorbehalte - allerdings nur aus grundsätzlichen Erwägungen: Trotz großer persönlicher Wertschätzung für Janik sei es ein Armutszeugnis für die Sozialdemokraten, wenn die älteste politische Gruppierung Starnbergs erstmals in ihrer Geschichte keinen eigenen Kandidaten aufstellt, argumentierten die Knigges. Der Verzicht auf einen Bewerber aus den eigenen Reihen sei eine "historische Entscheidung" und stelle eine Zäsur dar. Es bestehe zudem die Gefahr, dass die derzeit mit nur zwei Stadträten vertretene SPD im Jahr 2020 ein weiteres Mandat verlieren könne.

Der Ortsvorsitzende Frank Hauser zeigte Verständnis für die Einwände und bedankte sich auch für die "ehrliche Diskussion", verwies aber auf die besondere Situation in Starnberg. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagte er. "Wir sind aber in einer Situation, in der wir die Stadt befrieden und die Arbeitsfähigkeit des Stadtrates sichern müssen."

Hauser verwies auf die seiner Meinung nach viel zu häufigen, oft spontan anberaumten Sitzungen in Überlänge, hoffnungslos überfrachteten Tagesordnungen sowie den zunehmenden Vertrauensverlust in die Arbeit von Stadtverwaltung und Amtsinhaberin. Wichtigstes Ziel für die Sozialdemokraten im Verbund mit CSU, UWG und Bürgerliste sei daher ein Wechsel an der Rathausspitze. Keinen Zweifel daran ließ auch stellvertretender Landrat Tim Weidner, der die wichtigsten politischen Ziele und Erfolge der SPD benannte.

Janik betonte in seiner Vorstellungsrede die Herausforderungen und Chancen seiner Kandidatur. Er skizzierte die Handlungsfelder seiner Politik: Einzelhandel, Verkehr, die Abstufung des Autobahnzubringers A 952 nebst Abfahrt Buchhof, den Ausbau des ÖPNV und des Bahnhofs Nord zum Drehkreuz, sozialer Wohnungsbau und eine maßvolle Weiterentwicklung des Gewerbegebiets Schorn. Einig weiß sich Janik mit der SPD auch in Sachen Bahnvertrag: Eine Klage soll möglichst vermieden und der Vertrag erfüllt werden. "Es wäre ein Jammer, wenn wir die Grundstücke nicht bekämen und bei der Gestaltung des Bahnhofsumfeldes nicht mitreden können." Zum Abschluss gab Janik der Versammlung ein Versprechen: "Wenn die Mehrheit im Stadtrat anderer Meinung ist als ich", sagte er, "werde ich die Beschlüsse trotzdem umsetzen".

© SZ vom 01.08.2019

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