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Kommunalwahl im Landkreis Starnberg:Immer mehr Kreuzchen am Küchentisch

Das Coronavirus hat den Wahlsonntag im Griff. In Gauting sind 30 Helfer kurzfristig abgesprungen. Die Briefwahl ist begehrt wie nie - in etlichen Gemeinden liegt die Beteiligung bereits bei mehr als 40 Prozent.

Von SZ-Autoren

Starnberg: Kreistagsstimmzettel

Wer seinen eigenen Stift zur Wahl mitbringen will, darf dies tun - allerdings nur in den Farben schwarz oder blau. So lautet die Vorschrift.

(Foto: Nila Thiel)

Wahlpartys sind abgesagt. Wahlhelfer springen ab, weil sie sich um ihre Gesundheit sorgen. Das Landratsamt sagt die Präsentation der Kommunalwahl-Ergebnisse ab, zu der traditionell viele Kandidaten mit Freunden und Unterstützern kommen. Das Coronavirus hat auch die Kommunalpolitik im Griff. Trotzdem: Die Kommunalwahl am kommenden Sonntag findet statt. In den Wahllokalen stehen Desinfektionsmittel bereit. Jeder Wähler darf auch seinen eigenen Kugelschreiber - schwarz oder blau - mitbringen. Manche Gemeinden, wie Wörthsee, stellen Einweghandschuhe bereit. Und wer partout nicht in die Wahlkabine will, kann noch bis Sonntag, 15 Uhr, Briefwahlunterlagen beantragen. Die müssen allerdings bis 18 Uhr im Briefkasten der Gemeinde liegen. Auch das Innenministerium hat reagiert: In den Wahl- und Briefwahllokalen sind kleinere Teams erlaubt, aber es müssen mindestens drei Mitglieder sein: der Wahlvorsteher, der Schriftführer - oder deren Stellvertreter - und ein Beisitzer.

Die Kommunalwahl ist die persönlichste aller Wahlen. Wer bestimmt in den kommenden sechs Jahren, wo ein Gehweg gebaut wird, wie viele Kita-Plätze geschaffen werden, wie die Energiewende vorangebracht werden kann, wo neues Gewerbe angesiedelt und Wohnungen errichtet werden oder welcher Verein finanziell unterstützt wird? 105 000 Wahlberechtigte im Landkreis Starnberg dürfen am kommenden Sonntag und zwei Wochen später bei der Stichwahl entscheiden, wer Bürgermeister und Landrat wird und wer sie im Gemeinderat und Kreistag vertritt. Diese Politik vor der Haustür geht alle an.

Die Kommunalwahl ist allerdings auch die komplizierteste: Es darf kumuliert und panaschiert werden. Allein für die 60 Sitze im Kreistag kandidieren 354 Männer und Frauen in acht Parteien. Für den Landratsposten treten zwei Frauen und vier Männer an. Dazu kommen in den 14 Kommunen des Landkreises hunderte Gemeinderatsbewerber. In zwölf Gemeinden wollen 46 Kandidaten und Kandidatinnen Bürgermeister werden - oder bleiben. Tutzing und Krailling haben zuvor gewählt.

Im Landkreis Starnberg gibt es 224 Stimmbezirke, die Wahllokale haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet. In den Gemeinden werden zunächst die Bürgermeister ausgezählt, dann der Landrat. Mit den Ergebnissen rechnet Kreiswahlleiter Holger Albertzarth von der Kommunalaufsicht im Landratsamt gegen 19 beziehungsweise 19.30 Uhr - wenn nicht noch zu viele Wahlhelfer absagen. Danach werden die Stimmen für die Gemeinderäte und den Kreistag ausgewertet. Diese Ergebnisse werden im Laufe des Montags im Landratsamt eingehen. 2014 lag die Wahlbeteiligung im Landkreis bei knapp 59 Prozent.

Eine Übersicht über den aktuellen Stand in den Kommunen:

Starnberg

Vier Kandidaten bewerben sich in der etwa 23 500 Einwohner zählenden Kreisstadt um den Chefsessel im Rathaus: Herausforderer von Amtsinhaberin Eva John, die von BMS und WPS unterstützt wird, sind Patrick Janik, der für CSU, UWG, SPD und Bürgerliste kandidiert, Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) und Marc Fiedler (FDP). Vor sechs Jahren hatten sich von 18 421 Wahlberechtigten 4936 für eine Briefwahl entschieden. Diesmal sind es 18 688 Wahlberechtigte, von denen 6730 - also 36 Prozent - per Briefwahl abstimmen. Es gibt in Starnberg 37 Wahllokale, davon 21 Urnenwahllokale. Am Sonntag sind etwa 380 Personen als Wahlhelfer im Einsatz. Zwar haben bis Donnerstag einige wenige Wahlhelfer abgesagt, "aber es sind nicht übermäßig viele", teilte eine Rathaussprecherin mit. Sollte sich die Situation ändern, könnten Ausfälle über die starke Besetzung der Stimmbezirke mit je bis zu zehn Wahlhelfern aufgefangen werden.

Andechs

Zwei Kandidaten bewerben sich in Andechs um die Nachfolge der scheidenden Bürgermeisterin Anna Elisabeth Neppel, die zwölf Jahre an der Spitze des Rathauses stand. Für die CSU tritt der amtierende Vizelandrat, langjährige Gemeinderat und ehemalige Zweite Bürgermeister Georg Scheitz an. Für die Bürgergruppe bewirbt sich Seiteneinsteiger Robert Klier. Von den etwa 2700 Wahlberechtigten haben laut Wahlleiter Peter Kirchbichler bis Donnerstagmittag bereits 1150 Bürger Briefwahlunterlagen angefordert. Das sind 43 Prozent, etwa zehn Prozentpunkte mehr als 2014. Das habe sich schon vor Beginn der Corona-Epidemie abgezeichnet, meinte er.

Berg

In Berg bewerben sich vier Kandidaten um die Nachfolge von Bürgermeister Rupert Monn, der nach 20 Jahren im Amt nicht mehr antritt: die Literaturübersetzerin Elke Link (QUH), 57, der 48-jährige Malermeister Robert Schmid (CSU), die Werkzeugmacherin Anke Sokolowski (FDP), 54, und der 52-jährige Architekt Rupert Steigenberger, der für die Wählergruppen Bürgergemeinschaft (BG) und Einigkeit (EUW) sowie für die SPD ins Rennen geht. Von den 6445 Wahlberechtigten haben bis Donnerstagmittag 2570 Briefwahl beantragt. Das sind knapp 40 Prozent. Darum hat die Rathausspitze die Anzahl der Briefwahllokale von vier auf sechs aufgestockt. Zusätzlich gibt es in den Ortsteilen insgesamt zwölf Wahllokale. 180 Wahlhelfer sind am Sonntag im Einsatz.

Feldafing

Bürgermeister Bernhard Sontheim (Bürgergruppe) will sich gegen drei Gegenkandidaten behaupten: Anton Maier (Grüne), Matthias Schremser (parteilos für die CSU) und Jakob Stillmark (SPD). Darüber dürfen etwa 3400 Wahlberechtigte entscheiden. Knapp 1300 von ihnen haben nach Angaben von Wahlleiter Peter Englaender bis Donnerstag schon Briefwahlunterlagen zugeschickt bekommen, also 38 Prozent. Bei den Kommunalwahlen vor sechs Jahren waren es noch 1100. Am Wahlabend könnte es diesmal aber anstrengender werden als zuvor: "Uns haben schon sechs oder sieben Wahlhelfer wieder abgesagt", berichtet Englaender, mehr als sonst. Befürchtungen wegen des Coronavirus oder Quarantänefälle könnten Gründe sein. Bislang habe man zwar alle Posten nachbesetzen können. Sollten aber weitere Absagen kommen, dürfte es eng werden.

Gauting

Amtsinhaberin Brigitte Kössinger (CSU) hat es mit vier Herausforderern zu tun: ihrem Stellvertreter Jürgen Sklarek, der die Gruppierung "Miteinander Füreinander 82131" gegründet hat, dem parteifreien Hans Wilhelm Knape, der von den Grünen nominiert wurde und von der SPD unterstützt wird, Wolfgang Meiler (Bürger in Gauting), der Kössinger vor vier Jahren in der Stichwahl unterlegen war, und dem erst 20-jährigen Newcomer Tarek Luft (Menschen für Gauting). Knapp 16 000 Wahlberechtigte sind in der Gemeinde aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, mehr als ein Drittel wollte das bereits per Briefwahl tun. Weil kurzfristig etwa 30 von 200 Wahlhelfern abgesprungen sind, sucht die Gemeinde Unterstützung. Infos im Ordnungsamt unter Telefon 089/89337113.

Gilching

Bürgermeister Manfred Walter (SPD) wird von vier Gegenkandidaten herausgefordert: Harald Schwab (CSU), Antonio Inverso (Freie Wähler), Diana Franke (Grüne) und Hartwig Reinersmann (FDP). In 25 Wahllokalen können die Gilchinger abstimmen, zudem gibt es 18 Briefwahlbezirke. Wahlberechtigt sind 14 700 Einwohner, etwa 600 Bürger mehr als bei der Kommunalwahl 2014. Gerechnet wird diesmal mit 5500 bis 6000 Briefwählern, vor sechs Jahren waren es nur knapp 4000. Das sei auf die gestiegene Bevölkerungszahl und bislang nicht auf die mögliche Furcht vor dem Coronavirus zurückzuführen, teilt das Rathaus mit. Zudem gebe es ohnehin den Trend zur Briefwahl. Benötigt werden insgesamt 340 Wahlhelfer.

Herrsching

Der Bürgermeisterposten in Herrsching ist begehrt: Gleich fünf Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich in der Ammerseegemeinde mit ihren etwa 11 000 Einwohnern um den Chefsessel im Rathaus. Neben dem parteilosen Amtsinhaber Christian Schiller, der eine dritte Amtsperiode anstrebt, kandidieren Fromuth Heene (CSU), Christine Hollacher (Freie Wähler), Alexander Keim (FDP) und Matti Müller (SPD). Von insgesamt 8336 Wahlberechtigten haben sich 3157 für eine Briefwahl entschieden; 2014 waren es 2232 Briefwähler. Die Stimmzettel werden in 17 Wahllokalen - acht davon ausschließlich für Briefwähler - ausgezählt. Absagen von Wahlhelfern gab es bislang noch nicht.

Inning

Gleich gegen zwei Frauen muss sich Bürgermeister Walter Bleimaier (CSU) bei dieser Wahl behaupten: gegen Angelika Wenisch (SPD) und Birgit Schlögl (FBB). Wer von ihnen am Ende den Rathaussessel erobert, darüber können insgesamt 3686 Wahlberechtigte befinden. Bei der Kommunalwahl 2014 waren es noch 3496, wovon 1248 Wähler ihre Stimme auf dem postalischen Weg abgegeben haben. Bis Donnerstagmittag wurden bereits 1358 Briefwahlunterlagen ausgestellt, das sind fast 37 Prozent.

Krailling

In der nördlichsten Gemeinde des Landkreises werden lediglich Landrat, Kreis- und Gemeinderäte gewählt: Bürgermeister Rudolph Haux (FDP) war außerhalb des normalen Turnus bereits im Mai 2019 in einer Stichwahl zum Chef der Würmtalgemeinde gewählt worden. 6062 Personen sind wahlberechtigt, davon haben 2168 eine Briefwahl beantragt - im Vergleich zu 2014 zwar eine Steigerung um knapp 500, doch im Rathaus hatte man mit mehr Briefwählern gerechnet. Absagen von Wahlhelfern hat es bislang nicht gegeben.

Pöcking

Pöcking ist für die Kommunalwahl gut aufgestellt. Für die Absagen von 15 Helfern hat der stellvertretende Wahlleiter Günther Drexler Ersatz gefunden, und das Wahllokal in Niederpöcking wurde verlegt. Vorsichtshalber sollten die Kinder der Kinderkrippe geschützt werden, daher hat die Gemeinde kurzfristig das leer stehende DGB-Gebäude als neues Wahllokal angemietet. Da die Anfragen nach Briefwahlunterlagen bei insgesamt 4451 Wahlberechtigten von 1424 im Jahr 2014 auf nunmehr 1842 drastisch angestiegen sind, hat Drexler kurzfristig noch einmal 300 Stimmzettel nachbestellt. Bei der Wahl des Bürgermeisters rechnet man in Pöcking mit keiner Überraschung. Da Amtsinhaber Rainer Schnitzler (PWG) fest im Sattel sitzt, kann ihm sein Gegenkandidat Wolfram Staufenberg (CSU) den Rathaussessel wohl nicht streitig machen.

Seefeld

Johanna Senft (BVS), Petra Gum (FWG), Thomas Zimmermann (Grüne) oder doch Klaus Kögel (CSU)? 5400 Seefelder haben die Wahl, wer nach 30 Jahren Nachfolger von Bürgermeister Wolfram Gum (CSU) wird. Das Rennen ist so offen wie lange nicht mehr. Es bewerben sich die Statistikerin und Gemeinderätin Senft, die Förderlehrerin und Ehefrau des Noch-Bürgermeisters Gum, der Wirtschaftsingenieur Zimmermann und der Leitende Angestellte Kögel. 2400, also bereits 44 Prozent der wahlberechtigten Seefelder haben Briefwahlunterlagen bekommen und am Küchentisch ihre Kreuzchen gemacht. Die Gemeinde habe Unterlagen nachbestellt, sagt Rathaus-Geschäftsführer Fritz Cording. "Wir sind vorbereitet."

Tutzing

7936 wahlberechtigte Tutzinger sind am Sonntag aufgerufen, 20 Gemeinderäte aus acht Parteien und Gruppierungen, einen neuen Landrat und 60 Kreisräte zu bestimmen. Bereits 3044 (2014: 2655) Tutzinger haben sich für Briefwahl entschieden. Eine Bürgermeisterwahl steht in der Seegemeinde nicht an. Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) wurde 2018 für sechs Jahre gewählt, die nächste Bürgermeisterwahl in Tutzing ist 2024.

Weßling

Die Briefwahl boomt in Weßling. Bis Donnerstagmittag haben bereits 1889 Bürger ihre Briefwahlunterlagen abgeholt, berichtete Wahlleiter Sebastian Görlitz. 2014 waren es lediglich 1264. Insgesamt gibt es bei 4270 Wahlberechtigte in Weßling. Das sind 101 mehr als 2014. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 67,1 Prozent. Am Sonntag konkurrieren gleich fünf Kandidaten um die Nachfolge von Michael Muther. Es sind Andreas Lechermann (CSU), Sebastian Grünwald (Grüne), Michael Sturm (FW), Klaus Ebbinghaus (SPD) und der parteilose Roland von Rebay.

Wörthsee

Bürgermeisterin Christel Muggenthal, die dieses Mal ohne Partei antritt, will noch sechs Jahre im Amt bleiben und die Projekte vollenden, die sie zusammen mit dem Gemeinderat begonnen hat. Den Sieg streitig machen wollen ihr der Gymnasiallehrer und Gemeinderat der Grünen, Florian Tyroller, und der Seiteneinsteiger von der CSU, der Geograf und Kaufmann Thomas Ruckdäschel. Bisher wurden im Rathaus 1734 Briefwahlunterlagen ausgestellt, das sind bei 4009 Wahlberechtigten 43 Prozent. Absagen von Wahlhelfern gab es bis Donnerstag nicht

Bernried

Mehr als 50 Prozent der 1737 wahlberechtigten Bernrieder wählen daheim. Bis Donnerstagmittag wurden 898 Briefwahlunterlagen beantragt. Im Jahr 2014 waren es nur 600. Zwar habe man damit gerechnet, dass die Anzahl steigt, weil sich der Trend schon abgezeichnet habe, sagt Geschäftsführer Walter Rudy. "Aber dieses Mal ist der Überhang schon sehr markant." Die Zahl der Helfer, die die Briefwahl mit dem Barcode-System auszählen, ist deshalb laut Rudy verdoppelt worden. Das ist organisatorisch leicht möglich, da in Bernried alle Wahllokale im Rathaus angesiedelt sind. Bei der Bürgermeisterwahl werden die Karten neu gemischt, da Amtsinhaber Josef Steigenberger (ÜFW) nicht mehr antritt. Georg Malterer (ÜFW), Franz Eder (Grüne) und Robert Schiebel (CSU) wollen Nachfolger werden.

Seeshaupt

Das Wählerverzeichnis listet 2633 Stimmberechtigte auf - davon haben bis Donnerstagmittag 1232 Wähler die Briefwahlunterlagen angefordert. Die Auszählungsteams am Sonntag wurden von acht auf zehn Helfer aufgestockt. Bis Freitag um 15 Uhr kann man noch im Rathaus Briefwahlunterlagen abholen, am Wahlsonntag geht das noch in begründeten Fällen von 8 bis 15 Uhr. Das gilt laut Wahlleiterin Andrea Wittkuhn aber nur für echte Notfälle - "die abstrakte Angst vor einer Corona-Infektion zählt nicht". Um die Nachfolge von Bürgermeister Michael Bernwieser bewerben sich Fritz Egold (CSU) und Bernd Habich (PfB).

© SZ vom 13.03.2020

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