Gastronomie im FünfseenlandAufgetaucht nach dem Untergang

Lesezeit: 3 Min.

Branislav Sendrei kann trotz des Unglücks, das der Regen gebracht hat, auch sein Glück sehen.
Branislav Sendrei kann trotz des Unglücks, das der Regen gebracht hat, auch sein Glück sehen. Arlet Ulfers

In der Starnberger „Boston Bar“ stand das Wasser nach dem Starkregen im Mai einen Meter hoch, die komplette Einrichtung war zerstört. Wie Wirt Branislav Sendrei es in Rekordzeit geschafft hat, wiederzueröffnen.

Von Sylvia Böhm-Haimerl, Starnberg

Branislav Sendrei, Wirt der „Boston Bar“ in Starnberg, hatte Glück im Unglück. So zumindest beurteilt er rückblickend den Schaden in seinem Lokal, der vor drei Monaten entstanden ist, als nach einem heftigen Starkregen die Starnberger Innenstadt überflutet wurde. Innerhalb von nur wenigen Minuten war alles überschwemmt, die gesamte Inneneinrichtung kaputt. Der von der Versicherung festgestellte Totalschaden betrug 200 000 Euro, ohne die am Gebäude entstandenen Schäden, die der Hauseigentümer reparieren ließ.

„Man sieht so etwas im Fernsehen, aber man denkt nicht, dass es einem selbst passieren kann“, sagt er. Doch im Nachhinein sieht er auch Positives in dem Schicksalsschlag, der ihn getroffen hat. Als Glück bezeichnet Sendrei, dass er an diesem Tag, seinem Ruhetag, zufällig im Lokal in der Maximilianstraße war, weil er eine Veranstaltung vorbereiten wollte. Glück war es für ihn auch, dass er versichert war und er den Totalschaden nicht selbst bezahlen musste. Und ein besonderes Glück war es, dass er so viel Unterstützung bekommen hat von Freunden, Mitarbeitern, Gästen, Nachbarn, von seiner Vermieterin, von den Handwerkern und natürlich von seiner Partnerin Ioana Papageorgiou. Sogar über die sozialen Medien habe er sehr viel Zuspruch erhalten, sagt er. „Auch wenn in Deutschland vieles kritisiert wird, aber die Hilfe war sehr groß. Jeder hat Unterstützung angeboten“, erklärt der gebürtige Slowake.

Den 6. Mai, 16.30 Uhr, wird Sendrei nie vergessen. Das Wasser kam innerhalb von wenigen Minuten. „So etwas habe ich noch nie erlebt, es waren Massen. Die Maximilianstraße war ein Fluss“, erinnert er sich. Zuerst dachte er noch, er könne schnell reagieren, weil er ja zufällig vor Ort war. Er hat sofort die Sicherungen abgeschaltet und bis um 1 Uhr nachts mit Kübeln das Wasser geschöpft, das in das Lokal im Souterrain des Gebäudes geflossen ist. Doch es nutzte alles nichts: Das Wasser kam von allen Seiten, von hinten, von vorne, sogar von unten. „Alles ist im Wasser geschwommen.“ Sendrei zeigt Fotos, auf denen zu sehen ist, wie das Wasser etwa einen Meter hoch außen an seiner Eingangstüre aus Glas steht. Es sieht aus wie ein großes Aquarium.

Sein liebevoll gestalteter, idyllischer Wirtsgarten wurde ebenso zerstört wie sein Lokal mit Bar, Möbeln, Boden, Wandverkleidung, Küche und Sanitäranlagen. Sofort wurden Trockengeräte aufgestellt. Doch als er dachte, man könne nun mit der Renovierung anfangen, kam ein Sturm und hat erneut Wasser von außen in das Lokal im Souterrain gedrückt. Die Arbeiten mussten wieder von vorne beginnen. „Alles musste komplett neu gemacht werden.“ Für die Reparaturen waren laut Sendrei sehr viele Arbeitsschritte notwendig. Die Handwerker kamen nicht nur pünktlich, sie machten auch Überstunden. Denn Sendrei wollte schon am 2. August wiedereröffnen und er konnte den Termin auch einhalten.

Von der Maximilianstraße strömt das Wasser in Richtung der Bar im Souterrain.
Von der Maximilianstraße strömt das Wasser in Richtung der Bar im Souterrain. Arlet Ulfers
Dort steht es an der Glastür an.
Dort steht es an der Glastür an. Arlet Ulfers
Auch der Garten wird komplett überschwemmt.
Auch der Garten wird komplett überschwemmt. Arlet Ulfers

„Alle sagten, das schaffst du nicht, aber ich habe mir das in den Kopf gesetzt“, sagt er. Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen war er im Zugzwang; denn er bezweifelte, ob er den kompletten Schaden von der Versicherung ersetzt bekommt. Sendrei arbeitete Tag und Nacht. „Es war anstrengend, aber ich war glücklich.“ Auch die Handwerker erklärten, sie gingen erst nach Hause, wenn alles fertig sei. Daraus seien Freundschaften entstanden. „Die Handwerker haben es nicht mehr als Auftrag gesehen, sondern als Hilfe unter Freunden“, urteilt Sendrei. Im Zuge der Reparaturen hat er sein Lokal verändert. Da das Souterrain bei schlechtem Wetter oft dunkel ist, hat er sich für hellere Wandfarben entschieden, und auch die neuen Möbel sind in einem freundlichen Farbton gehalten. Und natürlich hat er jetzt Pumpen vor Ort, um sofort reagieren zu können, falls sein Lokal erneut überflutet werden sollte.

Sendrei hat in seinem Heimatland Slowakei Restaurant-Fachmann und Barkeeper gelernt. „Schon mit 17 Jahren habe ich mich für den Beruf entschieden.“ Und noch heute ist sein Beruf seine Leidenschaft. 2004 kam er nach Starnberg und arbeitete als Barmann. Eigentlich wollte er nur drei Monate bleiben, doch es wurden 20 Jahre daraus. Seit Februar 2016 betreibt er die Boston Bar, die er nach dem „Boston-Shaker“ benannt hat, der in keiner Bar fehlen darf. Als zweites Standbein hat er eine Catering-Firma und bietet Cocktails auf Festen, Hochzeiten und Veranstaltungen an. Das Akkurate in dem Beruf mag er und die Pünktlichkeit im Service. Das bringe er auch seinen Mitarbeitern bei. Überhaupt hat er einen hohen Qualitätsanspruch. Für die Getränke macht er Pürees oder den Sirup selbst, damit alles ohne Konservierungsstoffe ist. Auch die Speisen werden in seinem Lokal frisch zubereitet. Das sei sehr wichtig, weil sich die Gäste heutzutage viel bewusster ernähren, sagt er. Trotz des Rückschlags will Sendrei weiter machen; denn Starnberg ist seine zweite Heimat geworden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Sexuelle Identität
:Fremdbestimmt statt selbstbestimmt

Jona Ott ist trans und hätte das gerne auch formal bestätigt. Doch das Standesamt in Starnberg lehnt die gewünschte Namensänderung ab – trotz des neuen Selbstbestimmungsgesetzes.

Von Jakob Thies

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: