Die Starnberger Blumensiedlung hat einen ganz besonderen Charme: Das städtebaulich idyllische Reihenhaus-Kleinod entstand vor knapp 70 Jahren mit mehr oder weniger fast baugleichen Häusern. Ein schöner Kontrast zu vielem sonst, was man in Starnberg so findet. Doch die Ansprüche haben sich seit Mitte der Fünfzigerjahre geändert, manch einer möchte seinen Wohnraum vergrößern. Der Starnberger Bauausschuss befasste sich jüngst mit zwei Anträgen, die den Abriss und Neubau eines Reihenendhauses sowie einen Umbau mit Erweiterung, Doppelgarage und Carport zum Ziel hatten. Die Ansinnen fanden aber keine Mehrheit: Zu groß sei die Gefahr, dass durch Folgeanträge der zuletzt 1998 überarbeitete Bebauungsplan durch weitere Ausnahmen von der Regel obsolet würde.
Die Blumensiedlung gilt als eines der attraktivsten Wohnquartiere der Kreisstadt. Zwischen gepflegten Reihenhäusern finden sich kaum Zäune, die meisten hier wissen das durchaus zu schätzen: Das Quartier ist nahezu autofrei, neben Gartenlauben dominiert üppiges Grün. Vor Jahren mal wollte ein obskurer Verein, die "Bürgerinitiative zur Erhaltung der stadteigenen Grünflächen in Starnberg", mit Unterstützung der WPS Sichtachsen freischneiden lassen: eine Attacke auf die seinerzeit geltende Baumschutzverordnung, um vom "Feldherrnhügel" aus - heute ein Spielplatz - auf See und Alpen blicken zu können.
Doch der Wohnraum ist begrenzt. Folgerichtig stellte der Eigentümer eines Reihenendhauses im Dahlienweg einen Bauantrag, bei dem alles etwas größer werden sollte - allerdings unter Missachtung des Bebauungsplans. Baugrenzen wurden nicht eingehalten, maximal zulässige Grund- und Geschossflächen weit überschritten. Die Verwaltung verweigerte die Zustimmung und reichte die Angelegenheit ans Landratsamt weiter. Eine Befreiung von den Vorgaben käme nicht in Frage: Es sind "keine Gründe ersichtlich, die (...) Befreiungen rechtfertigen würden", heißt es in der Vorlage des Bauamts. Zumal jede genehmigte Ausnahme letztlich zum Verlust des besonderen städtebaulichen Charakters der Blumensiedlung führen würde.
"Wir machen eine Tür auf, die wir nicht mehr zukriegen", warnt der Bürgermeister
In der Diskussion war sich die Mehrheit im Gremium einig: Das überwiegend einheitliche Erscheinungsbild der Siedlung konnte bislang nur durch konsequente Einhaltung des Bebauungsplans erhalten werden, die Vorgaben hätten sich bewährt. Bürgermeister Patrick Janik (CSU, UWG, SPD, BLS) betonte, die Verwaltung habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. "Wir machen eine Tür auf, die wir nicht mehr zukriegen", sagte er.
Ludwig Jägerhuber (CSU) plädierte ebenfalls eindringlich dafür, keine Präzedenzfälle zu schaffen ("den Bebauungsplan dürfen wir nicht aufgeben"), Christiane Falk (SPD) befand, die Vorgaben hätten sich bewährt und dürften nicht willkürlich geändert werden, und auch Franz Heidinger (BLS) sorgte sich um den grundsätzlichen Charme des Quartiers.
Dementsprechend wurde auch der Umbauantrag eines benachbarten Zweifamilienhauses mit Anbau, Doppelgarage und Carport abgelehnt. Keine der Festsetzungen - zulässige Anzahl an Wohneinheiten, Baugrenzen und -linien, Geschossfläche und Stellplätze - sei eingehalten und eine Befreiung von den Vorgaben nicht möglich. Gegen die ablehnenden Beschlüsse des Gremiums stimmten lediglich der Vertreter der WPS und das Ehepaar Pfister (BMS).
