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Starnberg:Bienenzucht ist kein Honigschlecken

Die Imker fordern schärfere Kontrollen ihrer Produkte und mehr Geld für die Forschung.

Es gibt Nutztierhalter, die sich schärfere Kontrollen für die von ihnen produzierten Lebensmittel wünschen: Die Bienenzüchter sind so ein seltsames Völkchen. Im jüngsten Starnberger Imkergespräch wurde mehrmals an die zahlreich vertretenen Agrarpolitiker appelliert, die technische Ausstattung an Instituten zu verbessern, damit dort umfangreichere Rückstandsuntersuchungen an Honig erfolgen können. Bislang seien die Wissenschaftler an der Universität Hohenheim "nur in der Lage, Varroazide und ein paar gängige Pflanzenschutzmittel nachzuweisen", sagte Hubert Dietrich, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Starnberg und Initiator des Gesprächs. Aus seiner Sicht bräuchte man aber auch beispielsweise Informationen darüber, inwieweit sich Spuren wie Maisbeizmittel und gentechnisch veränderter Pollen im Honig finden oder welche Pestizid-Rückstände die Bienenlarven im Pollen zu sich nehmen. Dass Bienen ein wichtiger Indikator für die Ausbreitung von Umweltgiften und grüner Gentechnik sind, hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt. 2008 verursachte ein Massensterben von Bienenvölkern im Rheintal und im Fünfseenland Aufsehen. Verantwortlich war ein beim Beizen von Mais-Saatgut verwendetes Nervengift namens Chlothianidin: Seitdem sind acht Pflanzenschutzmittel für diesen Zweck nicht mehr zugelassen. Und im September vergangenen Jahres fällte der Europäische Gerichtshof ein weitreichendes Urteil: Danach dürfen Honig und andere Lebensmittel, die auch nur geringste Rückstände von Gen-Pflanzen enthalten, nur nach vorheriger Prüfung und Zulassung in den Handel. Schließlich haben auch die immer wiederkehrenden Meldungen über ein globales Bienensterben die Öffentlichkeit aufgeschreckt: Fehlen die Bienen als Bestäuber, könnten ganze Agrarzweige binnen weniger Jahre ruiniert sein, und unsere Naturlandschaft würde dramatisch verarmen. Selbst Wirtschaftsanalysten großer Banken befassen sich daher mit dem Bienensterben. Wie ernst die Imker und ihre Anliegen mittlerweile von der Politik genommen werden, zeigte die Präsenz beim 4. Starnberger Imker-Gespräch: Sämtliche Landtagsfraktionen waren mit kompetenten Abgeordneten aus dem Ausschüssen Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beziehungsweise Umwelt und Gesundheit in Starnberg vertreten: Gudrun Brendel-Fischer (CSU), Maria Noichl (SPD), Tobias Thalhammer (FDP), Anne Franke (Grüne) und Ulrike Müller (Freie Wähler). Dazu kamen noch die Bezirkstagabgeordneten Harald Schwab (CSU) und Sigrid Friedl-Lausenmeyer (FDP). Wenngleich die Agrarpolitiker rege an den Diskussionen teilnahmen - als Referenten hatten in Starnberg die Imker und ihre Fachberater das Wort. So berichtete Stefan Berg vom Fachzentrum Bienen an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau über neue Erkenntnisse bei der Bekämpfung der Varroa-Milbe und die Gefahren eines neu zugelassenen Chlothianidin-Präparats. Dietrich sprach auf der bayernweit einzigartigen Veranstaltung selbst über die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Bienengesundheit: Noch immer sei ungeklärt, wie Bienenlarven auf Pestizid-Spuren in ihrer Hauptnahrungsquelle Pollen reagieren. "Wir fordern mehr Unterstützung durch die Forschung, dazu müssten die Landesämter und Untersuchungsstellen aufgerüstet werden", meinte Dietrich. "Wir sollten sicher stellen, dass man Reste von Pflanzenschutzmitteln auch aufspüren kann, bevor sie zugelassen werden." Selbst über die Finanzierung so einer Projektförderung haben er und seine Imkerkollegen sich bereits Gedanken gemacht: Sie regen an, die Bezirksregierungen sollten dafür künftig fünf Euro pro Einwohner aufwenden. Bisher stellen nur einige Regierungsbezirke Mittel für die Projektförderung bereit: In Oberbayern etwa sind das jährlich 14 000 Euro.

Die Biene ist auch ein wichtiger Indikator in der Natur. Foto: Hinz-Rosin

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)