Gastronomie Bewegung in der Gastro-Szene

Gleich fünf neue Lokale beleben die Starnberger Innenstadt. Markus Stangl eröffnet am Bahnhof ein Deli, Rosario zieht um, und aus dem Burgerhouse wird das "Dahoam". Die Seestubn in Percha erfinden sich neu

Von Astrid Becker, Starnberg

In die Starnberger Gastroszene ist Bewegung geraten. So wird sich das Angebot für Ausgehwillige in der kommenden Zeit stark verändern - mit bekannten und unbekannten Gastronomen sowie mit neuen Konzepten an alten Standorten.

Enjoy

Anita Stangl, Shkelqim Salianj, Tanja Langguth, Markus Stangl vom "Enjoy".

(Foto: Nila Thiel)

So verwandelt sich derzeit das einstige "Vis-a-Vis", gleich gegenüber des historischen Bahnhofsgebäudes am See, in ein Deli. Auch die Betreiber sind in dieser Branche neu. Die Rede ist von Markus Stangl, seine Lebensgefährtin Tanja Langguth, seiner Ex-Frau Anita Stangl und Shkelqim Salianj, den aber alle nur Sokrates nennen. Alle, das sind die Mitarbeiter der Medien LB, die Lehrfilme für den Schulunterricht produziert, und der Lernakademie, die ebenfalls von Anita Stangl geleitet wird. Zu viert wagen sich die Unternehmer nun in die Gastronomie.

Auf die Idee mit dem Deli kamen Markus Stangl und Tanja Langguth in New York. "Wir sind in einem Gourmetclub und unternehmen damit entsprechende Reisen", erzählt er. Und in der amerikanischen Metropole hätten sie dann ein vergleichbares Konzept entdeckt und seien sofort davon begeistert gewesen. Und so werden also künftig bereits am frühen Morgen, von sechs Uhr an, frisches Brot, Croissants und Semmeln an einer speziellen Theke für die Kunden gebacken. Dafür kooperieren die Vier mit der Biobäckerei Schwarzmaier aus Peiting.

Angeboten werden aber auch frischer Obstsalat, Bircher Müsli oder auch Joghurt und belegte Brötchen - zum Mitnehmen oder auch zum Verzehr vor Ort. Mittags werden frische Salate, Pasta, Pizza aus einem zweieinhalb Meter großen Steinofen und andere frische Speisen zubereitet, die sich die Gäste selbst an einer Theke holen können. Abends soll eine Wein- und Cocktailbar zum Verweilen einladen. Das "Enjoy", wie die Vier ihr etwa 66 Sitzplätze fassendes Deli getauft haben, soll bis 22 Uhr geöffnet haben. Als Eröffnungstermin haben sie ein bis zwei Wochen nach Ostern im Sinn.

Dahoam

Das Team beim Einrichten: Michael Ludwig, Michael Ilius und Sandor Nemeth.

(Foto: Georgine Treybal)

Wenige Meter weiter soll Ende April das "Dahoam" eröffnet werden. Und gewissermaßen ist das Dahoam eine Fortsetzung des "Sowieso", das es bis 2016 gab und dann vom "Burger House" abgelöst wurde. Allerdings nur für etwa ein Jahr. 2017 war auch damit Schluss. Als der einstige Wirt des Sowieso, Sandor Nemeth, davon hörte, sah er sofort eine Chance, sich dort wieder gastronomisch zu betätigen. Diesmal allerdings nicht als Wirt, sondern als Barmann und Berater für einen alten Freund, der bereits seit Längerem ein eigenes Lokal eröffnen wollte: Michael Ilius, der sich einst bei Nemeth die ersten gastronomischen Sporen verdient hatte. Später hatte der 35-Jährige als Service- und stellvertretender Restaurantleiter in der "Post" in Aufkirchen und zwischendrin auch mal für zwei Jahre in Heidelberg gearbeitet. Nun wagt er sich in die Selbstständigkeit und setzt dabei auf die Erfahrungen seines ehemaligen Chefs Nemeth, der mit seinen Lokalen am Ende in die Insolvenz gegangen ist. Nun will er mit seinen Erfahrungen den neuen Wirt und guten Freund Ilius unterstützen: "Ich habe erkannt, welche Fehler ich gemacht habe, ich kann ihm helfen, diese zu vermeiden", sagt Nemeth.

Mit dem einstigen "Sowieso" wird das neue "Dahoam" aber auch nichts gemein haben. Das Interieur wird vollkommen neu gestaltet, mit viel Holz, Leder und einem Hauch Vintage: "Die Leute sollen sich hier wie in ihrem Wohnzimmer fühlen, eben behaglich", sagt Ilius. Dafür wurde auch zur einstigen "Kostbar", die ebenfalls Nemeth geführt hatte, durchgebrochen. Hier sollen die Gäste die "Teatime" genießen können oder auch Familienfeiern begehen. Bis zu 20 Menschen finden dort Platz, insgesamt sind es 120 im "Dahoam". Als Küchenchef konnte Ilius Thomas Ludwig gewinnen, der zuletzt als Koch im "Abacus" im Kino Breitwand Gauting gearbeitet hatte. Dieser setzt in Starnberg ganz auf internationale und gesundheitsbewusste Küche. Mittags soll es hier spezielle Lunch-Angebote geben, aber auch Frühstück "wahrscheinlich bis um 12 Uhr", wie Ludwig sagt. Anbieten wollen die Neuen aber auch Kaffee und Kuchen am Nachmittag und eine Abendkarte: "Hauptsache ungezwungen geht es zu", sagt Ilius.

Bei Rosario

Rosario De Dominicis (re.) ist mit seinem Lokal in die Maximilianstraße umgezogen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Seit drei Jahrzehnten verwöhnt Rosario De Dominicis seine Gäste in Starnberg bereits mit italienischer Küche. Erst in der Oßwaldstraße, dann in der Ludwigstraße. Nach all den Jahren wollte der Rosario, wie er in Starnberg nur genannt wird, noch einmal etwas Neues wagen. Und so zog er kurzerhand um in die Maximilianstraße 2 B, und verwandelte seine einstige Ristorante-Idee in "Bei Rosario, Caffē, Cucina, Bar." Bereits in der Bezeichnung steckt, was nun anders bei ihm ist. So serviert er seinen Gästen nun schon von 9 Uhr morgens an Frühstück - italienisches, versteht sich. Zum Beispiel gibt es bei ihm nun Brioches und Croissants. Italienisch geht es dann auch am Nachmittag mit diversen Kaffeespezialitäten und italienischem Gebäck. Mittags kredenzt er von montags bis freitags fünf verschiedene Gerichte, Pasta, Pizza und frischen Fisch mit Salat (von 7.90 bis 12,90 Euro).

Abends (bis 23 Uhr geöffnet) verwandelt er sein neues Lokal mit Stoffservietten und Läufern auf den Tischen wieder in ein Ristorante: "Für meine Stammgäste, die das so gewohnt sind", sagt er. Spannend in dem mit hellen Fliesen und schwarzgrauen Sitznischen ausgestatteten Lokal ist die Nähe zu "Sasa Pure Style". Zur neuen Dependance des Frisörs Sascha Grießhammer führt eine Verbindungstür aus Glas. Aus Rosarios ehemaligem Lokal in der Ludwigstraße ist ein indisches Restaurant geworden: das "Indian Garden".

Seestubn Percha

Den bekannten Seestubn in Percha hat Pächter Thomas Frey (links) ein völlig neues Ambiente verpasst.

(Foto: Arlet Ulfers)

Es gibt die "Seestubn" unter neuer Führung zwar bereits seit einem Jahr, aber erst jetzt zeigt sich das Lokal so, wie es sein soll. Wirt Thomas Frey sagt dazu: "Die Entscheidung, die Seestubn zu übernehmen, fiel quasi von heute auf morgen." Zur Gastronomie kam er schon in der Jugend: "Ich habe immer in diversen Lokalen gejobbt." Studiert hat er Betriebswirtschaft, die Seestubn hat er mit zwei Partner übernommen, er selbst ist aber der Pächter. Das Lokal ist im Vergleich zu früher nicht mehr wiederzuerkennen. Es besitzt mittlerweile mit seinem vielen Holz, das an Schiffsplanken erinnert , den feinen Ledersesseln, den hellen Farbtönen an Wand und Bezügen ein Ambiente, das stark an nordfriesischen Stil erinnert: "Wir wollten damit das Thema Wasser auch ins Innere fortsetzen." Thomas Freys Frau Natalie ist für die Inneneinrichtung verantwortlich.

Bewusst setzte sie dabei nicht auf spezielles Gastromobiliar, sondern auf Einrichtungsgegenstände, die auch privat erworben werden könnten: "Wir wollten, dass sich unsere Gäste bequem wie Zuhause fühlen, dafür haben auf einige Plätze verzichtet", sagt Frey. Im ersten Stock gibt es noch einen zweiten Gastraum, die Bar dort hat Frey selbst gebaut.

Für die warme Jahreszeit will er nun noch die Terrasse umgestalten - unter anderem sollen künftig Sonnensegel angebracht werden, statt Sonnenschirmen.

Zum Lokal gehört zudem noch ein Kiosk für die Badegäste. Auch hier will er das Angebot etwas umstellen - genau wie er im Inneren des Lokals bereits getan hat: "Wir hatten anfangs alles mögliche auf der Karte und auch im Kiosk. Frische Speisen haben wir dort direkt zubereitet - mit fatalen Folgen, nämlich viel zu langen Schlangen." Aus der Erfahrung hat er nun gelernt, das Kioskangebot wird sich künftig auf das beschränken, was bei Badegästen gefragt ist: Pommes zum Beispiel, Leberkässemmeln oder auch Würstl. Im Lokal selbst gibt es mittlerweile italienische Kost; Pizza, Pasta und auch frischen Fisch.