Starnberg Betonsäulen für den Tunnel

In Abhängigkeit von der Dicke der Seetonschicht haben die Betonsäulen zur Stabilisierung des Untergrunds verschiedene Größen. Grafik: Staatliches Bauamt Weilheim

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Das Staatliche Bauamt Weilheim will in den Sommerferien mit Probebohrungen klären, wie sich der stellenweise weiche Boden auf der geplanten Trasse am besten stabilisieren lässt

Von Peter Haacke, Starnberg

Wie bekommt man den als problematisch geltenden Untergrund beim Bau des B2-Tunnels in Starnberg in den Griff? Diese Frage will das Staatliche Bauamt Weilheim in den Sommerferien mit Probebohrungen klären. Sechs Wochen lang wird auf dem Areal des Gymnasiums an der Rheinlandstraße der Untergrund ein weiteres Mal genau erkundet und gleichzeitig stabilisiert. Zum Einsatz kommt dabei das sogenannte Düsenstrahlverfahren, um den Boden im Bereich des Nord- und Südportals zu verfestigen. Mit dem Probefeld verfolgt das Tunnel-Team des Bauamtes das Ziel, angesichts der schwierigen Starnberger Bodenverhältnisse ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Grundsätzliches Problem vieler Bauvorhaben in der Kreisstadt ist der Seeton: Eine geologische, wasserundurchlässige Schicht aus verfestigten Tonmineralen, die weich und unbeständig ist. Die feinen Ablagerungen entstanden einst durch Vergletscherung in den Eiszeiten, verfügen nur über eine geringe Tragfähigkeit und haben einen hohen Wassergehalt. Bauherren, die dieses Problem nicht hinreichend berücksichtigt haben, kämpfen oft mit erheblichen Problemen: Gebäude können Risse bekommen, weil sie teilweise absacken auf dem instabilen Untergrund. Um beim Bau des Tunnels derartige Überraschungen auszuschließen, setzen die Fachleute mit dem Düsenstrahlverfahren auf eine ihren Angaben nach sichere und bewährte Methode zur Bodenverfestigung.

Das Testfeld wird nach Voruntersuchungen aus etwa 15 Bohrungen bestehen, bei denen das Bohrgestänge auf die erforderliche Tiefe von etwa 12 bis 20 Meter ins Erdreich getrieben wird. Anschließend wird der Boden durch das Bohrgestänge in der Seetonschicht mit hoher Energie vom Flüssigkeitsstrahl einer Zementsuspension aufgeschnitten. Das Gestänge wird dann nach oben gezogen, während gleichzeitig die erhärtende Suspension weiterhin eingebracht und mit dem Boden vermischt wird. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis das Tunnel-Team mit der Qualität der Injektionskörper zufrieden ist. Die Betonsäulen sind bis zu acht Meter lang und haben einen Durchmesser von 1,50 bis zwei Meter. Das Verfahren kommt während der Bohrungen am Gymnasium ausschließlich in der wasserundurchlässigen Seetonschicht zum Einsatz. Auf Grundwasserströme soll es keinen Einfluss haben.

Wie viele Betonsäulen insgesamt für den B2-Tunnel benötigt werden, ist bislang nicht bekannt. "Im Areal des Nordportals spielt der Seeton keine unwichtige Rolle", begründet Raphael Zuber, Abteilungsleiter Straßenbau für den Landkreis Starnberg beim Staatlichen Bauamt Weilheim, das bevorstehende Probefeld. "Deshalb ist es zwingend erforderlich, das Düsenstrahlverfahren an die anspruchsvollen Bodenbeschaffenheiten anzupassen." Die Verfestigung des Bodens sei einerseits wegen einer nur geringen Überdeckung zwischen der Oberkante des künftigen Tunnels und der Oberfläche im Bereich des Südportals notwendig. Andererseits sei das Verfahren unabdingbar erforderlich zur Verfestigung der Seetone am Nordportal sowie einer zu geringen Überdeckung zwischen Oberfläche und Tunnelbohrmaschine.

Für die Bauarbeiten müssen Gehweg und Parkplätze an der Rheinlandstraße genutzt werden; zudem werden drei Bäume ausgegraben und später erneut gepflanzt. Fußgänger und Radfahrer werden umgeleitet. Der Stadtrat hatte sich in seiner letzen Sitzung vor den Osterferien mit der Angelegenheit befasst und mehrheitlich zugestimmt; einzig WPS, FDP, BMS und Bürgermeisterin Eva John votierten dagegen.