NEPOMUKBabybetten und Beistelltische

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Von Eurem Nepomuk, Starnberg

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Leute, heute muss ich`s kurz machen. Bin wirklich schwer beschäftigt: Auktionsfieber. Eine Krankheit, die als Symptome "Herzklopfen, feuchte Hände und Zittern" mit sich bringt, sagt eine Studie des Karlsruhers Institut für Technologie. Selbst bin ich da natürlich immun, was will ein Wassergeist auch schon mit irdischen Gütern? Mit 15 Zuckerzangen, zwei Knotenbrettern, einer Überraschungsbox Büroartikel oder 22 Litern Glühwein? Brauch ich alles so wenig wie einen gebrauchten Katzenbaum oder ein Pferdekummet. Obendrein ließe das Taschengeld, das mir meine Nepomuka monatlich zuteilt, keine Bieterschlachten um Babybetten und Beistelltische zu.

Doch diese Versteigerung, die mich in Bann schlägt, ist ja auch keine schnöde Geldschneiderei, sondern eine Herzensangelegenheit. Es geht um den "Bayerischen Hof". "Ein wesentliches Stück Starnberg" hat Kreisheimatpfleger Gerhard Schober das Hotel 1985 genannt, als damals um den Abriss gestritten wurde. Schiene, Wasser, Asphalt: Alle Hauptverkehrsadern der Stadt führen darauf zu. Wenn dort nicht das Herz Starnbergs schlägt, wo dann? Und mir liegt der alte Kasten besonders am Herzen. Schließlich kenn` ich das muffige Gemäuer schon aus meiner Kindheit. Wen habe ich dort seit 1865 nicht alles ein- und ausgehen sehen! Und seit der Laden ganz dicht gemacht wurde, habe ich mich viele Nächte drin ausgetobt, wenn mich bei Neumond mein Spuktrieb heimsucht. Ein Erbe meiner Urgroßtante Rumpelgunda, die aus einer Mesalliance mit einem Schlossgeist hervorgegangen ist.

Das Herz von Starnberg wird jetzt in einer Online-Auktion zerfleddert: Von ganzen Zimmereinrichtungen über den Prunkspiegel mit Goldrahmen, derzeit bei 160 Euro, bis zum Konvolut aus Müll- und Treteimern, derzeit bei vier Euro. Ihr seht schon, ich bin auf dem Laufenden: Diesen Samstag ist Besichtigungstag im Hotel! Unheimlich spannend und psychologisch hochinteressant, wie im Auktionsfieber Geschäfte zustande kommen, vor denen der nüchterne Menschenverstand eher abraten würde. Man denke etwa an den angebissenen, zehn Jahre alten Käsetoast, der 2004 für 28000 Dollar ersteigert wurde, weil darin angeblich die Jungfrau Maria zu erkennen gewesen war. Die Jungfrau im Herzen Starnbergs aber ist die Sisi, die ja im Bayerischen Hof öfter zu Gast gewesen sein soll. Abgebildet ist sie jedenfalls vielfach im Auktionsgut zu finden. Aber wie lässt es sich erklären, warum der Nachdruck einer Lithografie mit der späteren Kaiserin von Österreich aus Zimmer 9 zu einem Bietergefecht auf bislang 180 Euro geführt hat? Während der gleiche gerahmte Druck aus dem Foyer bei nur 65 Euro stagniert? Hat Sisi vielleicht mal in Zimmer 9 genächtigt? Von mir erfahrt ihr kein Wort. Gegenüber königlichen Hoheiten bin ich schließlich diskret, versichert Euer Nepomuk.

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