Die finanziell klamme Stadt Starnberg unternimmt einen weiteren Versuch, zwei ihrer prominentesten Immobilien einer sinnvollen Nutzung zuzuführen: Das historische Bahnhofsgebäude am Ufer des Starnberger Sees und die Alte Oberschule (Villa Bayerlein), in der aktuell die Volkshochschule Starnberg-Ammersee (VHS) untergebracht ist, sollen in private Hände kommen. Im Juli soll ein „Interessenbekundungsverfahren“ auf den Weg gebracht werden. Für beide unter Denkmalschutz stehenden Gebäude werden zukunftsträchtige Konzepte für eine öffentliche Nutzung erwartet. Vier Interessenten für den Bahnhof soll es schon geben.
Der Stadtrat befasste sich jetzt erneut mit der seit Jahren vakanten Angelegenheit. Nachdem mit dem Verkauf des maroden Hotels „Bayerischer Hof“ an den Starnberger Investor Peter Löw im Dezember eine Lösung für eines der ortsbildprägenden Häuser gefunden wurde, sollen nun auch das Bahnhofsgebäude (erbaut 1854/55) und die Villa Bayerlein (1923) neu belebt werden. Zur Debatte stehen Vergaben im Erbbaurecht, für die Villa mit dahinter liegendem Grundstück könnte optional auch ein Verkauf infrage kommen.
Insbesondere das historische Bahnhofsgebäude ist von Interesse. Der Umbau ist seit 2009 beschlossene Sache, brauchbare Pläne liegen schon seit 2012 in der Schublade, 2013 bekräftigte der Stadtrat das Vorhaben. Doch passiert ist seither nichts. Bereits 2008 war ein Architektenbüro mit einer Entwurfsplanung für den Bahnhof beauftragt worden, ein Jahr später berieten die Fraktionen darüber. Aufgrund der langjährigen Mietverträge aber wurden die Planungen nach ergebnisloser Debatte zurückgestellt: Erst ab August 2012 war das Gebäude – mit Ausnahme der Bahnhofsbuchhandlung – verfügbar.

Erste konkretere Entwürfe für den Umbau des Bahnhofsgebäudes präsentierte dann im Februar 2013 das Architekturbüro Goetz Castorph. Der Stadtrat einigte sich daraufhin auf ein vorläufiges Konzept mit Gastronomie und Veranstaltungsräumen sowie touristischer Information im Erdgeschoss, unter dem Dach sollten Technik und Lager Platz finden. Dazu gab es einen Flyer: Er sollte dazu anregen, „im Rahmen der Bürgerbeteiligung eigene Ideen einzubringen und so mitzuwirken am künftigen Nutzungskonzept“ für einen Kulturbahnhof als „Haus der Bürger“. Der Denkmalschutz vereitelte die Pläne jedoch.
Einen weiteren Versuch startete die Stadt im Dezember 2015. Im Rahmen eines „Interessenerkundungsverfahrens“ hoffte die damalige Bürgermeisterin, „fachkundige, leistungsfähige und zuverlässige Firmen und Organisationen“ für Umbau oder Sanierung sowie den Betrieb zu finden. Verlangt war ein „überzeugendes stimmiges Konzept“, aus dem nachprüfbare Referenzen sowie „die Leistungsfähigkeit des Interessenten“ hervorgehen sollten. Das Unterfangen blieb erfolglos.

Im Oktober 2025 diskutierte der Stadtrat erneut über das weitere Vorgehen, die Fraktionen waren abermals aufgerufen, Ideen einzubringen. Stellungnahmen kamen lediglich von vier der insgesamt acht Gruppierungen. Die Grünen schlagen vor, ein Nutzungskonzept für Villa Bayerlein, Bahnhof und Museum zu entwickeln unter Einbeziehung von Musikschule, VHS, Kinderhaus und Ausweichräumlichkeiten für die Stadtverwaltung. Dabei ist auch ein Verkauf des Musikschulgebäudes denkbar.
Die FDP möchte Bahnhof und Villa unter „strengen Vorgaben“ mit denkmalgerechtem Erhalt der Bausubstanz im Wege des Erbbaurechts vergeben. Ziel: eine neue Aufenthaltsqualität, mit der „Starnberg als Kultur-, Begegnungs- und Tourismusstandort gestärkt wird“. Die CSU schlägt für beide Häuser ein möglichst offen formuliertes Interessenbekundungsverfahren vor, sodass potenzielle Investoren frei für neue Ideen sind. Und die SPD regt an, den Bahnhof zu einem symbolischen Erbpachtzins auszuschreiben. Man hofft auf Nutzungskonzepte, „die kulturelle Angebote, Öffentlichkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit miteinander verbinden“.
Überdies soll es bereits vier Interessenten für das Bahnhofsgebäude geben: Eine „Gruppe von Bürgern“ setzt auf Sanierung durch eine Genossenschaft, möchte allerdings im Idealfall keine Pacht zahlen. Der Verein „Schöner zum See“, der in den vergangenen Jahren schon mehrfach originelle Ideen zur Gestaltung des Bahnhofumfelds hatte, schlägt eine Sanierung durch einen Verein oder eine Genossenschaft im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages vor. Dritte Bürgermeisterin Christiane Falk (SPD) berichtete von zwei Interessenten, „die sich noch nicht gerührt haben“. Im Juli soll eine Sondersitzung des Stadtrats folgen, die sich mit den Ausschreibungen zu den Interessenbekundungsverfahren befasst. Bis dahin soll auch geklärt sein, in welchem Zustand die Gebäude und wie hoch die Kosten für eine Sanierung tatsächlich sind. Die Ideen könnten dann im November oder Dezember präsentiert werden.

